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Umbenennung des Richard-Wilmanns-Wegs noch nicht beschlossen

Politik will Dialog mit Bethel

Bielefeld (WB). Die Gadderbaumer Bezirksvertreter scheinen entschlossen, den Richard-Wilmanns-Weg umbenennen zu wollen. Sie verständigten sie sich jedoch zunächst auf eine tiefer gehende Prüfung des Sachverhalts.

Hans-Heinrich Sellmann

Die Stichstraße in der Nähe der Kinderklinik ist seit 1961 nach dem früheren Sarepta-Chefarzt benannt. Foto: Bernhard Pierel

Die Grünen hatten beantragt, ein Verfahren zur Umbenennung des Stichwegs hinter der Kinderklinik einzuleiten. Nach ihrer Auffassung war Prof. Dr. Richard Wilmanns (zwischen 1925 und 1949 leitender Chefarzt Sareptas) während der NS-Diktatur verantwortlich für die Durchführung von Zwangssterilisationen in den Krankenhäusern Gilead und Nebo.

Entscheidung der damaligen Denkweise geschuldet

1961 hatte die Seitenstraße des Grenzwegs dann Wilmanns Namen erhalten. Eine Einschätzung, die nach Ansicht des grünen Fraktionsvorsitzenden Peter Brunnert der damaligen Denkweise geschuldet war. So habe die Bundesregierung noch 1957 vertreten, dass Opfer von Zwangssterilisierungen nicht entschädigt werden müssten. Das sei aber längst überholt. Bereits 1988 habe der Bundestag die Zwangssterilisierungen zwischen 1933 und 1945 als nationalsozialistisches Unrecht verurteilt.

Grundlage der Diskussion während der Bezirksvertretersitzung am Donnerstag waren auch Stellungnahmen, die Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl gegenüber dem WESTFALEN-BLATT abgegeben hatte. Darin räumte er zwar ein, dass Wilmanns »mitgemacht« habe, ihn eine »schwere persönlich Schuld« treffe und die Stiftungen sich dazu unter anderem mit der Gedenktafel am Bethelplatz bekennen würden. Wilmanns als Hauptverantwortlichen herauszugreifen und ihn alleine an den Pranger zu stellen, sei aber nicht richtig. Außerdem sei bereits 1961 geprüft worden, ob die Straße nach ihm benannt werden könne. »Und der Vorstand ist damals zu dem Schluss gekommen, dass das geht.«

»Unbedenklichkeitserklärung von Pastor Pohl«

Speziell wegen des letzten Aspekts, den sie als »Unbedenklichkeitserklärung von Pastor Pohl« bezeichnete, gab Bezirksbürgermeisterin Hannelore Pfaff (Grüne) eine Erklärung ab. »Eine Einschätzung aus dem Jahr 1961 ist nicht unumkehrbar.« Ausschlaggebend seien immer die Werte, die zum Zeitpunkt von Entscheidungen vorherrschten. Erst nach 1968 sei in Deutschland eine kritische Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit einzelner Personen möglich gewesen. »Aus heutiger Sicht wäre eine Neubenennung nur konsequent.«

Die grüne Bezirksvertreterin Elke Herting wehrte sich gegen den Vorwurf, einen einzelnen an den Pranger zu stellen: »Es gibt eben keine weitere Straße, die nach einem Arzt benannt worden ist.« Ihr gehe es um die wichtige Erinnerungskultur. Deshalb schlug sie vor, die Straße nach einem Opfer zu benennen: Die Autorin und Bildhauerin Dorothea Buck war 1936 in Bethel zwangssterilisiert worden.

Politikern reicht Begründung noch nicht

Auch wenn der Vertreter der Linken, Carsten Strauch, davor warnte, sich in lange Diskussionen wie etwa bei der Kaselowskystraße zu verzetteln, votierten die Bezirksvertreter einstimmig dafür, den Antrag als so genannte Erste Lesung zu behandeln. Gebhard Spilker (FDP) war die Begründung noch nicht fundiert genug, auch würde er zunächst gerne die Begründung aus dem Jahr 1961 lesen. Manfred Witte (Bürgergemeinschaft) regte an, einen Vertreter der von Bodelschwinghschen Stiftungen, im Idealfall Pastor Pohl persönlich, in die nächste Sitzung einzuladen.

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