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Das Jahr 2020 in Bielefeld: Rassismus-Debatte

Protest gegen Polizeieinsatz

Bielefeld

Eine Routinekontrolle der Polizei am 6. Juni wird zum Auslöser von Protesten und Demonstrationen in der Stadt. Am Kesselbrink wollen an jenem Samstagabend Ordnungshüter die Personalien eines 23-Jährigen aus Herford kontrollieren, doch die Situation eskaliert.

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Auch in Bielefeld kommt es zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Foto: Pierel

(St) Der aus Afrika stammende Mann wehrt sich, mehr als 150 Personen kommen hinzu, bedrohen die Polizisten mit Stühlen, werfen Flaschen, beschädigen einen Streifenwagen. Erst nach dem Einsatz von 15 Streifenwagenbesatzungen aus Bielefeld und Nachbarkreisen löst sich der Tumult auf.

Nach der vorläufigen Festnahme des 23-Jährigen, der im westafrikanischem Burkina Faso geboren wurde und mit acht Jahren nach Deutschland kam, erheben linksautonome Gruppen und Flüchtlingsinitiativen Rassismusvorwürfe gegen die Polizei. In sozialen Medien ist die Rede von einem brutalen Einsatz, Willkür und Aggressivität.

Eines der Videos des Geschehens vom späten Samstagabend zeigt, wie der sich gegen zwei Polizisten heftig wehrende Mann vor der Volksbank am Kesselbrink zu Boden gebracht, gefesselt und abgeführt wird. Linksautonome ziehen Parallelen zum Tod des US-Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis, dem, ebenfalls auf dem Boden liegend, ein Polizist fast neun Minuten lang mit seinem Knie die Kehle zudrückte, bis Floyd erstickt war.

Einen Tag nach der Festnahme des 23-Jährigen kommt es zu einer ersten Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt mit hunderten Teilnehmern. Tage später ziehen knapp 2000 Menschen protestierend durch die Stadt. Mehrere an der Festnahme beteiligte Polizisten werden mit Flugblättern und Plakaten an den Rassismus-Pranger gestellt, eine Woche später gehen wieder Hunderte auf die Straße.

Ende des Jahres muss sich der 23-Jährige wegen Widerstandes gegen Polizisten vor Gericht verantworten. Der Herforder wird wegen tätlichen Angriffs auf Polizisten zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Von den Vorwürfen der Polizistenbeleidigung und der Körperverletzung eines Streifenpolizisten wird er freigesprochen.

Der Einsatz am Kesselbrink, so die Richterin, sei rechtlich zulässig gewesen und nicht zu beanstanden. Der konkrete Fall ist damit abgeschlossen, die Debatte um Diskriminierung und Rassismus im Alltag nicht.

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