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„Fridays for Future”-Initiative widmet Fahrraddemo am Freitag Bielefelder Studenten und seinem Begleiter

Radelnder Klima-Aktivist sitzt in Madrid fest

Bielefeld  (WB). Es war ein ehrgeiziger Plan, der fast gescheitert wäre: 1800 Kilometer ist der Bielefelder Klimaaktivist Benjamin (26) zum Weltklimagipfel in Spaniens Hauptstadt Madrid geradelt.

Jens Heinze

Benjamin (links) aus Bielefeld und Lukas (18) aus dem saarländischen Dillingen bei einer Demo der Klimaaktivisten in Madrid. Foto:

Plötzliche Hindernisse wie 18 geplatzte Fahrradreifen, ein Hundeangriff, überraschende Krankheit oder ein Sturz vom Rad haben den Marketingstudenten und seinen Begleiter, den 18-jährigen Schüler Lukas aus dem Saarland, nicht gestoppt. 22 Tage dauerte die komplett abgasfreie Reise mit Übernachtungen in verlassenen Häusern. Start war am 20. November in Saarbrücken, das Ziel Madrid wurde am 12. Dezember erreicht.

Der Weltklimagipfel ist seit Sonntag beendet. Benjamin und Lukas hatten nach Angaben der Initiative „Fridays for Future“ als einzige die Anreise nach Madrid völlig CO2-frei absolviert. Ob ihre Rückreise nach Deutschland genauso abgasneutral verläuft, ist derzeit völlig unklar. Denn der Student aus Bielefeld und der Schüler aus dem Saarland sitzen in Spaniens Hauptstadt fest und haben kein Geld mehr.

Am Sonntag bestohlen

Beide wurden am frühen Sonntagmorgen bestohlen, als die radelnden Aktivisten mangels fester Unterkunft vor Erschöpfung auf einer Bank unter freiem Himmel in Madrid eingeschlafen waren. Unter anderem das Rennrad von Lukas mit Zubehör, das Mobiltelefon von Benjamin, ein Schlafsack und eine Isomatte sind weg. Er habe gegen 4 Uhr Jugendliche gesehen, die mit der Beute flüchteten, berichtete der Bielefelder Student.

„Wir wissen nicht, wo wir nächste Nacht schlafen“, sagte Benjamin am Mittwochnachmittag bei einem Internettelefont über den tragbaren Minicomputer von Lukas. Später kam dann die gute Nachricht, dass die Klimaaktivisten dank Unterstützung aus den eigenen Reihen eine neue Übernachtungsmöglichkeit gefunden haben. Dafür mussten sie fast eineinhalb Stunden lang zu Fuß gehen. Bus und Bahn konnte sich das Duo nicht leisten. Wann sie wieder nach Deutschland zurückkehren werden, wissen Benjamin und Lukas derzeit nicht.

Spendenplattform eingerichtet

Immerhin – die beiden Klimaaktivisten können auf Geld für ihre Heimreise und die gestohlenen Sachen hoffen. „Fridays for Future” Bielefeld hat auf der Internetplattform „gofundme“ eine Spendensammlung angestoßen. Innerhalb von 48 Stunden kamen bis Mittwochabend 1368 Euro zusammen. 400 Euro war die höchste Einzelspende. 1400 Euro sollen insgesamt gesammelt werden, heißt es von der Initiative.

„Fridays for Future” Bielefeld geht noch einen Schritt weiter. An diesem Freitag startet um 15.30 Uhr am Kesselbrink eine Fahrraddemo, die zum einen der abgasfreien Radtour von Benjamin und Lukas zum Weltklimagipfel gewidmet ist. Zum anderen soll die Fahrraddemo auf die nach wie vor brennenden Regenwälder im Amazonas aufmerksam machen. Weiter geht es am Freitag um 17 Uhr am Rathaus, wenn die Initiative „Parents for Future” zum Klima-Weihnachtssingen einlädt.

Student Benjamin sagt, dass er und Lukas mit der Radtour nach Madrid ein Zeichen setzen wollten. Die Lobbyisten für fossile Brennstoffe sollten wissen, dass die „Party” für sie zu Ende sei.

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