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Gütersloherin erobert bei ihrem Debüt mit Traumzeit den Teuto – Strate Zweite vor Bossow

Rannacher rennt ins Glück

Bielefeld/Detmold (WB). Die Besten genossen einen außergewöhnlichen Hermannslauftag auf ihre ganz spezielle Art und Weise: Siegerin Michelle Rannacher musste sich mit dem Lorbeerkranz auf den schmalen Schultern erst einmal sammeln. Stephanie Strate, die Zweitplatzierte, vergoss ein paar Tränchen, und die Dritte, Franzi Bossow, eine Flasche Mineralwasser – über dem Kopf.

Hans Peter Tipp

Der Triumph ist perfekt: Michelle Rannacher erhält im Laufschritt von Rudi Ostermann (TSVE Bielefeld) den Siegerkranz. Foto: Oliver Schwabe

»Die Freude braucht noch ein bisschen, bis sie so richtig durchkommt«, sagte eine zurückhaltend und fast ein wenig schüchtern wirkende Rannacher nach ihrem bislang größten Erfolg. Dafür sprachen die großen Augen der 25-jährigen Gütersloherin: Sie verrieten das ganze Glück einer strahlenden Gewinnerin, die bei ihrem ersten Hermannslauf mit der siebtbesten Siegerzeit (2:02:41) in der Geschichte der Kultveranstaltung ins Ziel lief. Trotz eines deutlichen Vorsprungs war sie sich ihres Erfolg nicht sicher. »Ich hatte zum Schluss noch ein bisschen Angst, dass ich noch Krämpfe bekomme, weil es immer in die Waden reinschoss«, erzählte Rannacher: »Ab dem Eisernen Anton wurde es sehr, sehr schwer.«

Strate zum dritten Mal Zweite

Die Diplom-Ingenieurin für Zierpflanzengartenbau, die im elterlichen Betrieb in Avenwedde arbeitet, war das abwechslungsreiche Rennen zusammen mit Bossow in Position zwei und drei angegangen. Vorn legte die Bielefelderin Jessica Volkmann los wie die Feuerwehr. »Das habe ich bewusst gemacht«, sagte die 27-Jährige: »Ich weiß, dass ich bergab relativ schnell bin. Das musste ich einfach ausnutzen. Ich wusste aber auch, dass die anderen mich bald überholen würden.«

Recht zügig zeigte sich, dass Rannacher von den Favoritinnen den besten Tag hatte. Den hätte sich auch Bossow gewünscht. »Ich habe früh gemerkt, dass die Beine nicht so wollten wie ich. Aber das ist wohl mein Hermannslauf­fluch«, sagte die 31-Jährige: »Dann habe ich beschlossen, noch mehr rauszunehmen. Die eine lief weg. die andere kam. Ich konnte es auch nicht ändern.«

Die Detmolderin Strate hielt sich lange im Hintergrund – und bewies mal wieder einen langen Atem. »Ich habe mein Ding gemacht. Passiv anlaufen kann ich gut. Bis Kilometer 12/13 war ich Fünfte«, berichtete die 27-Jährige: »Ich habe die anderen aber immer im Blick gehabt und versucht, mich heranzukämpfen.« So schnappte sich die angehende Lehrerin eine Konkurrentin nach der anderen und holte sich zum dritten Mal nach 2016 und 2017 den zweiten Platz.

Auch Konkurrentinnen strahlen

Die Halbmarathonspezialistin Rannacher spürte nach ihrem ersten Ausflug auf eine längere Distanz, was sie geleistet hatte: »Es ist eine ganz andere Belastung, weil man nicht so über die Lunge atmen muss. Dafür merkt man die Beine hinterher umso mehr. Sie tun schon richtig weh. Aber der Lauf hat richtig Spaß gemacht.« So viel, dass sie 2020 wieder dabei ist? Das schloss die Siegerin nicht aus, festlegen wollte sie sich aber noch nicht. »Freuen, erholen und dann schauen, wie es weitergeht«, lautete ihre Devise.

Glücklich war aber nicht nur Rannacher. Auch die Konkurrentinnen strahlten. Strate hatte besonders an der Uhr gedreht und die eigene Bestzeit bei idealen Laufbedingungen um sechs Minuten verbessert: »Als ich meine Zeit gesehen habe, habe ich es nicht geglaubt.« Auch Bossow lief flott wie nie – mehr als eine Minute schneller als bei ihrem Sieg vor zehn Jahren. Volkmann, die ebenfalls mit neuem Hausrekord im Ziel war, lächelte mit. Es war ihr egal, nach zwei vierten Plätzen in den Vorjahren gestern auf Rang fünf verdrängt worden zu sein. Wichtiger war die Bestzeit.

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