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Hilfe für Eltern drogenabhängiger Kinder – Bielefelder Selbsthilfegruppe ist in Planung

Raus aus der Scham-Ecke

Bielefeld

Eine Suchterkrankung kann jeden treffen – auch schon in jungen Jahren. „47 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren haben bereits Erfahrung mit illegalen Drogen gemacht“, weiß Anja Woweries, zweite Vorsitzende des Arbeitskreises der Rheinisch-Westfälischen Elternkreise drogengefährdeter und abhängiger Menschen, kurz „Arwed“.

Von Uta Jostwerner

Symbolbild Drogenkonsum Foto: dpa

Die Organisation machte auf ihrer Tour durch NRW für einen Tag auch in der Bielefelder Altstadt Station, um Eltern aufzuklären, sie von Scham und Schuldgefühlen zu befreien sowie eine Bielefelder Selbsthilfegruppe für Eltern drogenabhängiger Kinder auf den Weg zu bringen.

Woweries ist selbst Mutter eines drogenabhängigen Kindes. „Am Anfang stand für mich die Frage im Raum, was ich falsch gemacht habe.“ Doch statt in Resignation und Scham zu versinken, schloss sie sich einem Elternkreis an und gründete ein Internetforum, in dem sich Eltern drogenabhängiger Kinder austauschen und gegenseitig unterstützen können. Woweries: „Wahrscheinlich haben alle Eltern mal Fehler in der Erziehung gemacht. Aber wir sind nicht schuld. Wir Eltern gehören vielmehr selbst in das Suchthilfesystem.“

Selbsthilfegruppe für Eltern drogenabhängiger Kinder fehlt

Das bestätigt Daniel Müller aus dem Sprecherrat der Bielefelder Arbeitsgemeinschaft Suchthilfe: „Zur Vernetzung in der Suchtarbeit, die aus den Kliniken, der Beratung und der Selbsthilfe besteht, gehören die Angehörigen. Sie sind nicht zu ersetzen.“

Zwar ist das Bielefelder Suchthilfenetz gut aufgestellt, eine Selbsthilfegruppe für Eltern drogenabhängiger Kinder fehlt allerdings bislang. „Wir hoffen aber, dass das anders wird und unterstützen gerne bei einer Gruppengründung“, sagt Christa Steinhoff-Kemper, Mitarbeiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle.

Der Nutzen einer solchen Selbsthilfegruppe ist groß. Eltern leiden nicht länger still vor sich hin, sondern stützen sich gegenseitig. Steinhoff-Kemper: „Eine solche Gruppe hilft gegen die Stigmatisierung. Eltern kommen raus aus der Scham-Ecke und entwickeln eine gemeinsame Haltung.“

Gründung einer Selbsthilfegruppe von Eltern drogenabhängiger Kinder geplant

Auch „Arwed“ setzt sich dafür ein, die Prävention und Hilfe zu verbessern. Mit der Kampagne „frageltern“ vermitteln sie den Gedanken, dass es Sinn macht, die Eltern zu fragen.

„In der Therapie werden Eltern und Angehörige oft vergessen, dabei ist es wichtig, sie – wo möglich – einzubeziehen“, sagt Katja Kluge, Vorsitzende des Vereins freiwillige Suchthilfe Bielefeld (fS).

Die Gründung einer Selbsthilfegruppe von Eltern drogenabhängiger Kinder ist nach den Sommerferien geplant. Infos dazu unter Telefon 0521/9640696. Eine Kontaktaufnahme ist auch unter E-Mail möglich: selbsthilfe-bielefeld@paritaet-nrw.org.

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