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Kreisel-Chaos: Hillegosser Bäckermeister macht 12.000 Euro Umsatzverlust geltend

Rechnung für den Oberbürgermeister

Bielefeld (WB). Die Dauerbaustelle am Hillegosser Kreisel geht allen auf die Nerven. »Alle nörgeln«, sagt Michael Drewenstedt. Der Bäckermeister hat ernst gemacht. Dienstag hat er Oberbürgermeister Pit Clausen die Rechnung geschickt: 12.000 Euro für den Umsatzausfall seines Geschäfts.

Michael Diekmann

Abgerechnet wird am Kreisel: Michael Drewenstedt hat seine Forderungen an die Stadt an Pit Clausen formuliert. Foto: Michael Diekmann

Für die Zeit von Mai bis Oktober sei mit einem Umsatzverlust von monatlich 3000 Euro zu rechnen, schreibt der Handwerksmeister dem Verwaltungschef. Drewenstedt: »Angekündigt waren zwei Monate. Deshalb habe ich zwei Monate abgezogen, bleiben statt 18.000 also 12.000 Euro.« Weil insbesondere das Verkaufsgeschäft am Kreisel betroffen ist, kommt Clausen sogar mit sieben Prozent Mehrwertsteuersatz davon.

Stimmung ist gereizt

Die Stimmung im Hillegosser Ortszentrum ist höchst gereizt, weiß Drewenstedt, von dessen Steinofen-Café aus man einen ausgezeichneten Blick auf rotweiße Warnbaken, Baumaterialien und die endlosen vorbeischleichenden Autokolonnen hat, stadteinwärts oder stadtauswärts. Der Baustellenverkehr macht auch manches Brötchenholen mit dem Auto zum Lotteriespiel. Der Weg ist nicht immer das Ziel. Dafür sind alle Nachbarn stinksauer: Friseurin Claudia Petersen hat den neuen Laternenmast mitten vor ihren Kundenparkplatz bekommen. Und der Briefservice von Stefan Ganz kann vier Stellplätze seit Monaten nicht nutzen.

Michael Drewenstedt, der am 1. Januar 2012 die fünf Bäckereifachgeschäfte der Bäckerei Ellermeier gekauft hatte und 20 Arbeitsplätze im Handwerk erhielt, ist in Sachen Baustellen ein gebranntes Kind. Gleich 2012 hat er ein Jahr lang vor seiner Filiale in Helpup eine Megabaustelle gehabt. Seine Filiale an der Heeper Straße leidet seit 2016 unter den Folgen der riesigen Straßenbaustelle. Er müsse, sagt Drewenstedt, seine Darlehn bei der Sparkasse auch bedienen. Dazu brauche man Umsatz. Wenn der ausfalle, drohe Gefahr.

Im Stich gelassen

Tatsächlich fühlt sich der Bäckermeister, der den mehr als 100 Jahre alten Familienbetrieb fortführt, von der Verwaltung im Stich gelassen. Verantwortliche sind selten zu erreichen. Auf fünf Seiten hat er Clausen aufgeschrieben, wie man in Hillegossen das Chaos sieht, bei dem aus zwei angesetzten Monaten inzwischen sechs wurden. Und ein Ende immer noch nicht absehbar.

Drewenstedt: »Die Straßenbauer haben in meinem Laden von vornherein prognostiziert, dass sie die Fehlplanung mit dem gepflasterten Kreisel nach vier Wochen wieder aufnehmen müssen.« Tatsächlich ist das Pflaster defekt. Jetzt wird betoniert. Und die Straße von der Bäckerei bis zur Grundschule ist noch nicht einmal angefangen. Ach ja: Drewenstedt meint es ernst. Er hat Clausen gleich seine komplette Gewinn- und Verlustrechnung mitgeschickt. Die war gestern im Rathaus noch nicht angekommen.

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