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Bielefelder Schalke-Fanclub fiebert dem Pokalspiel entgegen

»Regional bin ich Armine, aber im Herzen blau und weiß«

Bielefeld (WB). Ein Spiel wie jedes andere? Natürlich nicht. Gemeint ist die Partie im DFB-Pokal an diesem Dienstag zwischen dem DSC Arminia und Schalke 04. Und gemeint sind jene Männer, in deren Brust zwei Herzen schlagen: ein ostwestfälisches und ein blau-weißes.

Heinz Stelte

Freuen sich auf das DFB-Pokalspiel am Dienstag: die Mitglieder des Bielefelder Schalke Fanclubs »Bielefelder Kumpels« vor ihrer Stammkneipe »Neue Boerse« Thorsten Kirstein und Dirk Roggenbuck (vorne von links) sowie (hinten von links) Jürgen Welk, Julian Silberberg, Willi Jahn, Heiner Meierewert und Volker Neuss. Foto: Thomas F. Starke

Sie wohnen hier, in Bielefeld, entweder schon immer, oder zumindest seit Jahrzehnten. Doch die Daumen drücken sie bei diesem Pokalspiel für die Gäste aus Gelsenkirchen. Denn Willi Jahn und Volker Neuss, Heiner Meierewert und Thorsten Kirstein sind »Bielefelder Kumpels«, Mitglieder im einzigen Schalke-Fanclub der Leinweberstadt. »Mein Ur-Opa war Mitglieder der ersten Schalker Meistermannschaft«, erzählt Torsten Kirstein und liefert damit auch gleich den Grund, warum sein Fußballherz nicht für den DSC Arminia, sondern eben für »S04« schlägt. Ganz neben: »Ich bin in Gelsenkirchen geboren.« Und Vereinsliebe, ergänzt Heiner Meierewert, werde nun mal eben vererbt.

So war es bei Dirk Roggenbuck (»Mein Opa war im Bergbau tätig, ein Knappe«), bei Willi Jahn (»Ich bin in Recklinghausen geboren, lebe seit 46 Jahren in Bielefeld«). Die Liebe zum FC Schalke 04, die brachten sie schon mit an den Teutoburger Wald. Nicht so jedoch Volker Neuss, der vor 20 Jahren zum ersten Mal ein Spiel von »S04« im damaligen Parkstadion besuchte, und sogleich infiziert wurde. »Die Atmosphäre auf Schalke ist genial, einmalig. Da bin ich dabei geblieben.«

»350 S04-Mitglieder gibt es in Bielefeld«

Doch sie alle, Willi und Volker, Dirk oder Julian, einte ein Schicksal: ein Leben in der »Fan-Diaspora«. Während es in den angrenzenden Landkreisen reichlich Schalke-Fans gibt, sind sie in Bielefeld dünn gesät. Immerhin: »350 S04-Mitglieder gibt es in Bielefeld«, weiß Thorsten Kirstein. Organisiert waren sie bis vor wenigen Jahren jedoch noch nicht. Das änderte sich 2015, als durch Initiative von Heiner Meierewert die »Bielefelder Kumpels« gegründet wurden. Nicht nur der Name verbindet ihre Heimatstadt mit ihrer (Fußball-)Liebe, auch das Wappen des einzigen S04-Fanclubs in Bielefeld ziert neben dem Logo ihres Lieblingsvereins und einem Förderturm die Sparrenburg.

Gegründet im 111. Jahr des Bestehens des Fußballclubs Gelsenkirchen-Schalke 04, hat er inzwischen 44 Mitglieder. Und die fahren nicht nur zu den Heim- und Auswärtsspielen ihres Vereins, sondern treffen sich auch zum Stammtisch oder (falls eine Fahrt ins Stadion nicht möglich ist) zum gemeinsamen »Rudelgucken« in der Neuen Börse an der Herforder Straße.

Aber der bevorzugte Platz ist natürlich im Stadion. Und dafür nehmen die »Bielefelder Kumpels« auch weite Anreisen in Kauf. »Ich habe in der vergangenen Saison 41 von 46 Schalke-Spielen gesehen, war auch in Moskau oder Porto dabei,« erzählt Thorsten Kirstein. Auch in seiner Familie ist das S04-Virus bereits übergesprungen, sein Sohn ist meist dabei, »wenn es die Schule zulässt.« Der Abteilungsleiter ist auch »Mannschaftsbetreuer« für die Region Ostwestfalen. Von Büren bis Rahden, von Versmold bis Lüdge gibt es etwa 6300 Schalke-Mitglieder, für die Kirstein ihr Ansprechpartner in Sachen Schalke 04 ist.

Ein Auswärtsspiel, was zum Heimspiel wird

Und ein Großteil von ihnen, so glaubt Thorsten Kirstein, werde auch an diesem Dienstag in der Schüco-Arena dabeisein. »Ich rechne mit 4000 Schalke-Fans im Stadion, da wird man uns schon hören.« Man habe »alle Quellen angezapft, um an Karten zu kommen«. Das Spiel ist – natürlich – ausverkauft

Überhaupt ist die Begegnung für die »Bielefelder Kumpels« etwas Besonderes. »Das ist ein Auswärtsspiel, was zum Heimspiel wird«, erklärt Kirstein. »Sonst müssen wir 120 Kilometer fahren, jetzt steigen wir in die Stadtbahn.«

Doch ein »Spaziergang« wird das DFB-Pokalspiel für den Bundesligisten beim Duell mit dem Zweitligadritten Arminia nicht, da sind sich die »Bielefelder Kumpels« einig. »Alles ist möglich«, so die einhellige Prognose. Kirstein: »Ich hoffe, dass Schalke 2:1 gewinnt. Ich weiß nur noch nicht, wer die Tore machen soll.« »Wer das erste Tor schießt, kommt weiter«, glaubt Willi Jahn.

Aber egal, wie es ausgeht, die »Bielefelder Kumpels« fühlen sich als Gewinner. »Regional bin ich Armine, aber im Herzen blau und weiß«, erklärt Heiner Meierewert, der, so oft es der Schalke-Spielplan zulässt, auch die Spiele in der Schüco-Arena besucht. Und überhaupt: Das Spiel am Samstag gegen Borussia Dortmund war sowieso die wichtigste Partie des Jahres, sagt Willi Jahn. »Das Derby schlägt alles.«

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