1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Schieferhaus erwartet Rundum-Schutz

  8. >

Behörde strebt Erweiterung des Denkmalstatus an – Landesfördermittel sollen helfen

Schieferhaus erwartet Rundum-Schutz

Brackwede (WB). Der Fall des Brackweder Schieferhauses Rabeneick nimmt höchstwahrscheinlich eine überraschende Wendung: Stand das mehr als 150 Jahre alte Gebäude, vormals Hof Sievert, wegen seiner überwiegend schlechten Bausubstanz jüngst noch kurz vor dem Abriss, springt jetzt die Bielefelder Denkmalbehörde mit einer neuen Idee ein.

Markus Poch

Der schöne Giebel des teilweise denkmalgeschützten Schieferhauses täuscht leicht über den zumeist schlechten Zustand der Bausubstanz hinweg. Weil aber ein Großteil der Balken noch in Ordnung ist, soll es nun komplett unter Schutz gestellt werden. Foto: Markus Poch

Sie will das bislang nur zu Teilen denkmalgeschützte Haus komplett unter Schutz stellen und einen baldigen Sanierungsbeginn erreichen. Dieser Plan entstammt einem Ortstermin Ende Juli, an dem neben Eigentümer Georg Kas­parek auch Handwerker, Architekten, Gutachter sowie Vertreter des Amtes für Verkehr und der Denkmalbehörde teilgenommen hatten. Die genannten Parteien diskutieren mehrheitlich, wie das WESTFALEN-BLATT berichtete, schon seit 2016 über die Zukunft der Immobilie an der Win­delsbleicher Straße 1.

Großteil der Balken in »relativ gutem Erhaltungszustand«

Allerdings sprachen die geschützte aber marode Dachkonstruktion sowie die ebenfalls geschützte aber marode Schieferverkleidung und der teilweise vergammelte Sockel aus rein wirtschaftlicher Betrachtung eher dafür, das Haus abzureißen und es, falls gewünscht, nach alten Plänen originalgetreu wieder aufzubauen. Georg Kasparek, der mit seiner Gütersloher Firma Synergplan selbst in der Gebäudeentwicklung tätig ist, bot diese Vorgehensweise ausdrücklich an.

Doch aktuell veranlasste eine Schadenskartierung am Fachwerk die beteiligten Parteien zum Umdenken. Denn über Stichproben hatte Zimmermeister Markus Herzog herausgefunden, dass mindestens 70 Prozent der tragenden Eichen- und Fichtenbalken der Außenmauern in einem »relativ guten Erhaltungszustand« sind. Auf Basis dieses Untersuchungsergebnisses soll der Denkmalschutzstatus von einzelnen Gebäudeteilen nun auf das gesamte Haus übertragen werden.

Ist das erst geschehen, kann Hauseigentümer Kasparek zum einen auf Steuervorteile bei der Sanierung zählen. Er hatte früher schon einmal ausgerechnet, dass rund 700.000 Euro in die Baustelle fließen müssten, um nicht nur die alte Bausubstanz zu ersetzen oder aufzufrischen, sondern auch Stromversorgung, Heizung, sanitäre Anlagen und nicht zuletzt eine Treppe einzubauen. Zum anderen setzt die Denkmalbehörde auf Sanierungsmittel aus einem Förderprogramm des Landes NRW. Diese wären bis Oktober 2019 zu beantragen.

Nutzungskonzept müsste überarbeitet werden

Voraussetzung für die komplette Unterschutzstellung des Hauses und damit für NRW-Fördergelder ist laut Ascan von Neumann-Cosel, Leiter der Denkmalschutzbehörde Bielefeld, ein überarbeitetes Nutzungskonzept. Daran sitzt Architektin Ingrid Stappen-Gödde in diesen Tagen. Im Gegensatz zu bisherigen Entwürfen soll das neue Konzept den ursprünglichen Grundriss des Hofes Sievert berücksichtigen und auch den Haupteingang wieder vorne an die Kreuzung Brackweder Straße verorten, wo derzeit ausschließlich Fenster sind.

Die Treppe ins Obergeschoss, die mit dem nebenstehenden 70er-Jahre-Anbau 2016 abgerissen worden war, soll entweder zwischen den Holzgefachen oder aber als Außentreppe hinter dem Haus angelegt werden. Dem Denkmalamt wären beide Varianten recht. »Das Haus wird auf jeden Fall ein kleines Schmuckstück«, verspricht Architektin Ingrid Stappen-Gödde. Je nach Bewilligungstermin der Fördergelder könnte die Sanierung Anfang 2020 beginnen.

Startseite