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Bielefelder Reisende benötigen wegen hoher Corona-Fallzahlen eine „Freigabe“

Schlangen an der Teststation

Bielefeld (sas). Gazal war mit ihrer Mutter bereits im Auto auf dem Weg nach Ostfriesland, als sie auf dem Ostwestfalendamm im Radio hörte, dass Bielefeld nun Risikogebiet sei. Also sind Mutter und Tochter – Gepäck im Kofferraum – am frühen Freitagnachmittag kurzerhand zur Drive-in-Corona-Teststation an der Feldstraße gefahren. „Mit Glück haben wir morgen ein Ergebnis, dann fahren wir noch bis Dienstag nach Norden.“

Einige Reiselustige waren zu Fuß gekommen. Für ihren Rachenabstrich ging es auf ein Höckerchen. Foto: Bernhard Pierel

„Risikogebiet“ hat Folgen

Dass Bielefeld seit Freitag als Risikogebiet gilt, hat für Urlauber Folgen: Sie müssen Hotels und Vermietern einen „frischen“ negativen Coronatest vorlegen können. Das Gesundheitsamt bietet deshalb aufgrund der neuen Gesetzeslage kostenlose Coronatests für Reisende an, und zwar erst einmal bis zum 25. Oktober. Voraussetzung: eine aktuelle Buchungsbestätigung sowie die Krankenkassenkarte beziehungsweise bei Privatversicherten die Krankenkassendaten und einen Personalausweis. Allerdings: Es gibt keine Gewähr dafür, dass das Ergebnis innerhalb von 48 Stunden vorliegt.

Offenkundig hatte sich die neue Lage und die Einrichtung des Testzentrums rasch herumgesprochen: Vor der Einfahrt auf das Gelände von Kahmann und Ellerbrock bildete sich Freitagnachmittag eine lange Autoschlange entlang der Feldstraße und bis auf die Eckendorfer Straße. Dort waren eigens Aufstellflächen vorbereitet worden, dennoch kam es zu Verkehrsbehinderungen. Auch diejenigen, die zu Fuß oder mit dem Rad kamen, mussten sich in die Schlange einreihen. Als die Teststation um 16.15 Uhr geschlossen wurde, standen immer noch zahlreiche Bielefelder in ihren Autos weit von der Einfahrt entfernt auf der Eckendorfer Straße. Sie mussten abgewiesen und auf den nächsten Tag vertröstet werden.

Wartende brauchten Geduld

Aber auch diejenigen, die es noch auf das „Test-Gelände“ geschafft hatten, brauchten Geduld. Denn alle Daten aufzunehmen, kostete seine Zeit. „Aber es dürfen auch keine Fehler passieren“, erklärte Jan Schuldais vom Arbeiter-Samariter-Bund den Wartenden. Den Abstrich selbst nahm er dann binnen Sekunden vor: Kopf in den Nacken, Mund auf, Zunge weit herausgestreckt, und schon war mit dem Wattestäbchen der Rachenabstrich entnommen. Noch am Freitag gingen die Röhrchen ins Labor.

Und weil viele Bielefelder quasi auf gepackten Koffern sitzen, erhielten alle einen QR-Code und einen Nummerncode, unter dem sie ihr Testergebnis direkt beim Labor abrufen können. „Ich wollte eigentlich morgen nach Schleswig-Holstein. Jetzt hoffe ich, dass ich das Ergebnis bis Sonntag bekomme und fahre eben einen Tag später“, sagte Linda Garic schicksalsergeben. Eine Woche möchte sie verreisen, „wenn es klappt, wäre es schön“.

Hoffen auf schnelles Testergebnis

Schleswig-Holstein, Sylt, die Ostsee – das sind die Reiseziele, die alle Befragten nannten – auch ein Ehepaar, das mit Sohn gen Küste möchte. Um 13.20 Uhr war die Familie an der Teststation, „wir waren das neunte Auto.“ Ein Versuch, kurzfristig beim Arzt einen Testtermin zu bekommen, war fehlgeschlagen, daher hatten die Bielefelder die Teststation angesteuert. „Freunde sind in Griechenland und schwärmen vom Wetter und leeren Stränden. Wir dachten, wir bleiben besser in Deutschland...“, erzählen sie.

Auf ein schnelles Testergebnis hoffen auch Lasse und Celine: Das Pärchen möchte mit Freunden bis Dienstag nach Hamburg fahren. „Wir fahren morgen mit dem Zug los und hoffen, dass wir das Ergebnis dann haben, wenn wir in Hamburg sind.“ Die Freunde sind besser dran: Sie wohnen in Gütersloh und benötigen keinen Test.

Ab diesem Samstag bis kommenden Sonntag, 25. Oktober, ist die Teststation täglich von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. „Die Testungen werden nur angeboten, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert 50 erreicht oder überschreitet“, teilt die Stadt mit.

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