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Die letzten Gasbehälter der Stadtwerke Bielefeld in Vilsendorf werden demontiert

Schneidbrenner zerlegen Stahlkolosse

Bielefeld (WB). Die Funken sprühen, während sich die Scheidbrenner durch die drei Zentimeter starken Stahlplatten fressen. Etwa zwei Mal zwei Meter sind die Stücke groß, die Asen Asanov und seien Kollegen mit den Geräten heraustrennen und die dann fast 20 Meter in die Tiefe fallen, wo sie dröhnend auf den Metallboden donnern.

Hendrik Uffmann

Die Funken fliegen, während die Abrissspezialisten die drei Zentimeter dicke Stahlhülle der Kugelbehälter mit Schneidbrennern zerlegen. Die Arbeit vom Hubwagen aus bei Wind und Wetter, Lärm und Rauch ist dabei ein echter Knochenjob. Foto: Bernhard Pierel

Stück für Stück zerlegen die Fachleute des Abbruchunternehmens Hagedorn aus Gütersloh derzeit die beiden Gasbehälter der Stadtwerke Bielefeld, die südlich der Straße Telgenbrink in Vilsendorf stehen. Bis Ende des Jahres sollen die Kugelbehälter mit einem Durchmesser von 20 Metern und einem Gewicht von jeweils etwa 380 Tonnen komplett demontiert sein. Und damit endet auch eine Ära. Denn seit 1856, als die Stadtwerke damit begonnen haben, Bielefeld mit Gas zu beliefern, gab es durchgehend immer auch Behälter zur Zwischenspeicherung. Die in Vilsendorf sind nun die letzten, die abgebaut werden.

Ende der 1990er Jahre haben die Stadtwerke damit begonnen, ihre sechs Behälter abzubauen. Als erste waren dies die beiden Behälter auf dem Stadtwerke-Gelände an der Schildescher Straße, 2016 wurden der in den Heeper Fichten abgebaut, 2017 folgte der in Sennestadt an der Fuggerstraße.

Das herabtropfende Metall wird mit einer Plane aufgefangen. Damit diese nicht schmilzt, wird sie mit Wasser gekühlt. Foto: Bernhard Pierel

Hintergrund ist, dass der Betrieb der Behälter nicht mehr notwendig und vor allem nicht mehr wirtschaftlich ist, erläutert Jens Zielonka, Leiter des Bereichs Gas, Wasser und Fernwärme bei den Stadtwerken. „Früher waren die Gaspreise je nach Nachfrage sehr unterschiedlich, so dass ein Vorrat angelegt wurde, wenn die Preise günstig waren. Das hat sich aber seit der Liberalisierung des Gasmarktes Ende der 90er Jahre geändert“, erklärt Zielonka.

Und auch als Puffer für die Spitzenzeiten des Gasverbrauchs im Tagesverlauf, die morgens um 6 Uhr sind, werden die Behälter nicht mehr benötigt. Statt dessen wird der Druck in der etwa 100 Kilometer langen Ringleitung um Bielefeld erhöht, so dass sich die darin vorhandene Gasmenge vergrößert.

Die beiden Kugelbehälter in Vilsendorf wurden 1970 aufgebaut. Zusammen konnten sie bei einem Druck von 18 Bar 144.000 Kubikmeter Gas fassen – eine Menge die reicht, um etwa 70 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Im Vergleich zum Gesamtverbrauch in Bielefeld ist die Menge jedoch eher gering, so Jens Zielonka: „Bei Höchstverbrauch, wenn wir minus 10 Grad Celsius haben, werden in Bielefeld etwa 100.000 Kubikmeter Gas pro Stunde verbraucht.“

Bereits 2018 waren die Gasbehälter in Vilsendorf außer Betrieb genommen worden. Im September hat nun der Abriss begonnen. Von Hubsteigern aus werden die Stahlkolosse Stück für Stück zerlegt. Die insgesamt 760 Tonnen Stahl, die dabei anfallen, werden mit Lkw abtransportiert, eingeschmolzen und dann wiederverwendet.

Lkw-Fahrer Peter Kindermann achtet darauf, dass die Stahlstücke gleichmäßig auf der Ladefläche verteilt werden. Foto: Bernhard Pierel

1856 war das erste Gaswerk in Bielefeld entstanden. Zunächst wurde das Gas aus Kohle erzeugt, später dann wurde auf Erdgas umgestellt. Weitere Gasbehälter gibt es in Gadderbaum an der Bodelschwinghstraße. Die beiden dortigen Kugelbehälter, die seit den 1970er Jahre außer Betrieb sind, aber wegen ihrer besonderen Bauweise erhalten werden, gehören heute der Westnetz GmbH.

Zur heutigen Gasversorgung in Bielefeld gibt es ein Netzt mit 1300 Kilometern Gasleitungen und 20 Übernahmestationen, von denen aus das Gas in das Bielefelder Netz eingespeist wird.

Wie das Gelände südlich des Telgenbrinks künftig genutzt werden soll, haben die Stadtwerke bislang noch nicht entschieden.

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