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Ärztekammer nennt Augsburg als mögliches Vorbild – Skepsis in Minden

Schneller zur Medizinfakultät?

Bielefeld(WB). Mit einer möglichen CDU/FDP-Landesregierung erhöhen sich die Chancen auf eine Medizinfakultät in Bielefeld. Wahlprogramme beider Parteien sehen die Schaffung dieser Einrichtung in OWL vor. Für eine zügige Umsetzung könnte Augsburg Vorbild sein.

Bernd Bexte

Arztausbildung in Minden: Die Medizinstudentinnen Julia Serwas (links) und Gesine Sölter beim Schallen am Sonographiegerät. Foto: MKK

Das meint zumindest die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). Sie hat die Situation in OWL jetzt noch einmal unter die Lupe genommen. »OWL hat mit zwei Millionen Einwohnern mehr als einzelne Bundesländer, die über eine, zum Teil sogar zwei medizinische Fakultäten verfügen«, bilanziert Jürgen Herdt von der Stabsstelle Planung und Entwicklung. Während Westfalen-Lippe 46 Prozent der NRW-Bevölkerung stelle, gebe es hier nur 28 Prozent der NRW-Medizinstudienplätze.

»Klebeeffekt« als Rettung gegen Ärztemangel

Es geht aber um mehr als Zahlen, vor allem um den ominösen »Klebeeffekt«. Dieser besagt, dass sich Medizinstudenten später in der Nähe ihres Studienortes niederlassen. Dieser Effekt soll in der Region mit dem seit Herbst vorhandenen Studienangebot zur klinischen Ausbildung angehender Ärzte (aktuell 63 Studenten) an Krankenhäusern in den Kreisen Minden und Herford erzielt werden – das Bochumer Modell. Bei der Ärztekammer hegt man allerdings Zweifel, dass die Dependance-Lösung mit der Ruhr-Uni – obwohl ein Schritt in die richtige Richtung – dies erreichen kann. »Kaum ein Student wird mit dem Argument, den regionalen Ärztemangel zu bekämpfen, für einen Studienort zu gewinnen sein. Dies wird nur mit als attraktiv empfundenen Studienstrukturen und -bedingungen gelingen können«, schreibt Herdt in einer Analyse im Westfälischen Ärzteblatt.

OWL mit höchstem Anteil zugewanderter Mediziner

Dass OWL besonders stark vom Ärztemangel betroffen sei und in Bielefeld als einziger kreisfreien Stadt in Westfalen-Lippe Hausarztsitze nicht besetzt werden könnten, überrasche nicht. Der Bedarf sei nur mit Ärzten aus dem Ausland zu decken. Westfalen-Lippe sei der Kammerbezirk mit dem höchsten Anteil zugewanderter Mediziner (16,4 Prozent) – mit Unterschieden: Während im Kreis Höxter 90 Prozent der Berufsanfänger im Krankenhaus in den vergangenen drei Jahren aus dem Ausland kamen, waren es laut ÄKWL in Münster nur 13 und in Bochum 19 Prozent. Das liege aber nicht an mangelndem Interesse in den betroffenen Regionen. »Wir haben fünf bis sieben Bewerber auf jeden Studienplatz«, sagt Herdt im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Diese Plätze gibt es in Westfalen bislang aber nur in Münster, Bochum und wenige an der privaten Uni Witten-Herdecke. Vorbild für ein Medizinstudium in Bielefeld könnte Augsburg sein, meint Herdt. »Dort bringt man innerhalb von drei Jahren eine Fakultät gerade unter dem Blickwinkel der regionalen Bindungs- und Strukturentwicklung auf den Weg.« Die endgültige Entscheidung fiel – nach jahrelanger Vorplanung – im vergangenen Sommer. Das Klinikum Augsburg (1700 Betten) wird spätestens Anfang 2019 Uni-Klinikum, das sechste in Bayern.

Klinikum Minden hat großen Zulauf an Medizinstudenten

Am Klinikum Minden sieht man keinen Anlass, das Bochumer Modell in Frage zu stellen. Schließlich wurden vor Ort bereits zehn Millionen Euro investiert. »In Kooperation mit unseren Partnern haben wir es in kürzester Zeit geschafft, eine qualitativ hochwertige medizinische Ausbildung anzubieten. Einen wie auch immer gefärbten Fleck in der Medizinerausbildung gibt es in OWL also nicht«, erklärt Dr. Olaf Bornemeier, Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken. Klinikum-Sprecher Christian Busse ergänzt: »Die 63 Studenten im ersten Jahr wurden noch zugelost. Für dieses Studienjahr gibt es bereits mehr Bewerbungen als Studienplätze – und das sind dann 70.«

Auch andernorts in Westfalen, in Siegen, gibt es Pläne für ein Medizinstudium. Ärztekammerpräsident Dr. Theodor Windhorst aus Bielefeld sieht dies nicht als Konkurrenz zu OWL. »Wir können auf diesem Gebiet jede Initiative gebrauchen«, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

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