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Jahnplatz: »Paprika« plant – BfB und FDP fürchten Staus – Fahrradparkhaus denkbar

Schon 2023 soll alles fertig sein

Bielefeld (WB). Der Zeitplan für die Neugestaltung des Jahnplatzes ist eng getaktet. Bis Ende 2023 müssen die 13,3 Millionen Euro EU-Fördermittel bereits abgerechnet – und der neue Jahnplatz bis dahin längst fertiggestellt sein.

Michael Schläger

Freundlicher und grüner: So könnte der Jahnplatz 2023 aussehen. Foto: Bockermann/Kortemeier/Wannenmacher

Gestern starteten zunächst die Umbauarbeiten für den geplanten Verkehrsversuch, bei dem ausprobiert wird, ob der Verkehr auch mit nur einer Fahrspur je Richtung funktioniert. Erste spürbare Veränderung: Abbiegen vom Jahnplatz nach links in den Niederwall ist jetzt nicht mehr möglich.

SPD-Ratsfraktionschef Georg Fortmeier skizzierte am Montag den weiteren Ablauf. Ende des Jahres, spätestes Anfang 2019 müsse der Förderantrag beim Land vorliegen, müssten die Planungsprämissen feststehen. Anfang 2019 komme dann der Förderbescheid, könne mit der konkreten Umsetzungsplanung begonnen werden. »Spätestens Ende 2020 sollte dann der Baustart erfolgen«, so Fortmeier, der auch Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses ist.

Zwölf-Punkte-Katalog

Ihn und seinen Partnern im Paprika-Bündnis, Jens Julkowski-Keppler (Grüne) und Christian Heißenberg (Bürgernähe/Piraten), ist trotz des engen Zeitplans besonders wichtig, die Bürger an der Planung zu beteiligen. Für die heutige Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses hat das Bündnis einen Zwölf-Punkte-Katalog eingebracht, was bei der städtebaulichen Umgestaltung berücksichtigt werden sollte.

Unabhängig davon hatte die Verwaltung bereits drei Planungsbüros beauftragt, eine Vorentwurfsplanung zu erstellen, deren Ergebnisse diese Zeitung exklusiv vorgestellt hatte. Ein Vorschlag, der auch auf das Wohlwollen des Paprika-Bündnisses trifft, ist die Einrichtung eines Fahrradparkhauses im bisherigen Jahnplatz-Forum.

Die unterirdische Passage krankt an Leerständen, ist aktuell wenig attraktiv. Das Planer-Trio will dort Abstellmöglichkeiten für Dauer- und Kurzzeitparker schaffen, sollte eine Einigung mit dem Eigentümer erzielt werden. Eine Werkstatt und ein Fahrradverleih könnten das Angebot abrunden. Vom Niederwall würde eine fahrradtaugliche Rampe in Jahnplatz-Tiefparterre führen, von der Seite der Bahnhofstraße eine Betonspindel.

Option Stadtbahntrasse

Offengehalten werden müsse aus Sicht der Paprika-Politiker auch die Möglichkeit, wieder überirdisch eine Stadtbahntrasse zu führen. »Uns gehe es darum, den Jahnplatz städtebaulich aufzuwerten«, sagte Christian Heißenberg. Jens Julkowski-Keppler erinnerte an den Anfang der Umgestaltungsdebatte. »Wir müssen die Schadstoffbelastung auf dem Platz reduzieren.« Bedenken der Kaufmannschaft, die Stadt sei künftig weniger gut zu erreichen, teile er nicht. Nicht weniger Verkehr sei ein Problem für den Handel, sondern die Online-Konkurrenz. Werde jedoch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt gesteigert, werde dies auch wieder mehr Kunden anlocken.

Reaktionen

»Die Träume der Paprika-Koalition, den Jahnplatz mit viel Grün und breiten Radwegen zu einer Wohlfühloase zu machen, werden Träume bleiben und gehen an der Realität vorbei«, erklärte dagegen Barbara Pape, BfB-Sprecherin im Stadtentwicklungsausschuss. »Hier werden zweifelhafte Messdaten herangezogen, um den Jahnplatz autofrei zu machen.«

Die zu erwartenden Probleme des Einzelhandels habe das Paprika-Bündnis nicht im Blick, »aber deren Steuergelder.« Es bleibe abzuwarten, welche Ausweichrouten sich der Individualverkehr suchen werde. Für den Quell- und Zielverkehr rund um den Jahnplatz bedeuteten Verkehrsversuch und Umbau neue Belastungen. Auch vor dem Hintergrund weiterer, heute schon geplanter Baustellen werde es für Pendler und Gäste schwieriger, die Innenstadt zu erreichen.

»Hohes Risiko«

Auch die FDP sieht ein »hohes Risiko« in den geplanten Umbaumaßnahmen. »Sollte der Verkehrsversuch ein Chaos mit Staus, Ausweichverkehr und damit einhergehender Steigerung der Luftbelastung ergeben, müssten bauliche Maßnahmen rückgängig gemacht und in Anspruch genommene Fördergelder zurückgezahlt werden«, warnte Ratsgruppensprecherin Jasmin Wahl-Schwentker.

»Uns geht es um die Mobilität der Zukunft«, hält SPD-Fraktionschef Fortmeier dagegen. Er kann sich auf lange Sicht auch einen komplett autofreien Jahnplatz vorstellen. »Wir haben uns für diesen Wege entschieden«, sagt Jens Julkowski-Keppler. Er ist sich aber sicher: »Der Jahnplatz wird im Kommunalwahlkampf 2020 eine entscheidende Rolle spielen.«

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