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17-jähriger Bielefelder kämpft sich zurück ins Leben – Spendenaktion für den Umbau seines Elternhauses

Schüler nach Mountainbike-Unfall gelähmt

Bielefeld (WB)

Wenn alles gut geht, wird Mika Donnermann (17) Donnerstag aus der Rehaklinik in Duisburg entlassen – sieben Monate nach einem Mountainbike-Unfall, der das Leben des Bielefelders für immer verändern sollte.

Christian Althoff

Fahrradfahren im Gelände und auf der Straße machte einen großen Teil seines Lebens aus, bis Mika Donnermann aus Bielefeld im Herbst schwer verunglückte.

„Es war der 8. September“, erzählt er. „Mein Freund Sebastian und ich waren in einem Wald in Lage unterwegs.“ Plötzlich sei sein Mountainbike an einer Erderhöhung hängengeblieben. „Ich flog über den Lenker und schlug mit dem Rücken gegen einen Baum.“ Er habe dort gelegen, kaum noch Luft bekommen und seine Beine nicht mehr gespürt: „Ich habe zu Sebastian gesagt: Fass‘ mal meine Beine an. Ich fühle nichts mehr.“

Ein Rettungshubschrauber flog den Schwerverletzten ins Krankenhaus. Doch viel konnten die Ärzte in der Bielefelder Unfallklinik Gilead I für Mika nicht mehr tun. Das Rückenmark war irreparabel verletzt, und vom fünften bis zum neunten Brustwirbel war die Wirbelsäule zertrümmert.

Sieben Wirbel verschraubt

Die Chirurgen entfernten die Bandscheiben und versteiften die Wirbelsäule mit Schienen zwischen dem vierten und dem zehnten Wirbel. Schon nach einer Woche wurde Mika Donnermann entlassen – in einem Rollstuhl sitzend, in eine Rehaklinik für Schwerstverletzte in Duisburg.

Mika ist seit September auf einen Rollstuhl angewiesen. Foto: privat

Vor dem Unfall war Mika Sportler durch und durch. Stundenlang fuhr er mit dem Mountainbike oder seinem Rennrad, und er spielte im Basketballverein BC Leopoldshöhe. „Da war die Diagnose natürlich ein Schock. Aber ich wollte mich nicht hängenlassen und habe nur nach vorne gesehen. Ich wollte ja weiterleben“, sagt der Schüler, der bald wieder die elfte Klasse der Felix-Fechenbach-Gesamtschule in Leopoldshöhe besuchen möchte.

Den Alltag meistern

Die Querschnittlähmung, die sich ungefähr vom Bauchnabel abwärts erstreckt, wird immer bleiben. Deshalb dienten die Monate in der Reha vor allem dazu, Muskeln wieder aufzubauen und den 17-Jährigen auf den Alltag vorzubereiten. „Ich habe gelernt, wie ich alleine vom Bett in den Rollstuhl komme. Wie ich es auf den Duschstuhl schaffe oder ins Bad, um meine Katheter zu entleeren.“ Dabei gab es immer wieder Rückschläge, wenn Infekte den 17-Jährigen ins Bett zwangen und seine Entlassung verzögerten.

Auch die Corona-Pandemie hatte Auswirkungen. Mikas Mutter Anja Lösing-Donnermann: „Wir hatten noch Glück, dass unser Sohn minderjährig ist. Deshalb durften mein Mann und ich ihn abwechselnd einmal in der Woche für eine Stunde sehen.“ Sie sei froh, dass ihr Sohn sein Leben so annehme und sich nicht unterkriegen lasse, sagt die Mutter. „Er hat mal zu mir gesagt: Mit dem Thema Unfall bin ich durch.“ Das freue sie, aber sie wisse auch, dass die Rückkehr nach Bielefeld noch mal eine neue Herausforderung werde: „In der Rehaklinik gehen ja alle Türen automatisch auf, da gibt es keine Barrieren. Das ist bei uns zu Hause natürlich ganz anders.“

Elternhaus nicht rollstuhlgerecht

Die Familie – Mutter, Vater, eine Tochter und drei Söhne – leben im ersten Stock eines älteren Hauses, in dessen Erdgeschoss Mikas Opa wohnt. „Wenn Mika am Donnerstag entlassen werden sollte, wird mein Mann ihn die Treppe hochtragen. Es ist Mikas großer Wunsch, nach der langen Zeit in der Klinik wieder in seinem vertrauten Zuhause zu sein“, sagt die Mutter. Doch er wird nur für ein paar Tage bleiben. „Wir haben eine behindertengerechte Wohnung gemietet, in die wir mit Mika einziehen wollen, bis unser Haus rollstuhlgerecht umgebaut ist.“ Das werde ein enormes Unterfangen, das mit dem Ausbau der Zuwegung beginne: „Im Moment kämen die Baufirmen mit ihren Wagen nicht einmal bis zu uns ans Haus.“

Mikas Vater Jörg Donnermann kümmert sich seit einiger Zeit um Zuschüsse für den rollstuhlgerechten Umbau, aber die – das zeigen Erfahrungen vieler Familien – werden nicht reichen. Zur Überraschung der Eltern hat Sara Kaiser, die Freundin eines anderen Sohnes, deshalb vor gut einer Woche kurzerhand auf der Internetplattform gofundme.com Mika seine Geschichte erzählen lassen und einen Spendenaufruf veröffentlicht. Obwohl keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden können, haben bis Dienstag schon 225 Einzelspender, Firmen und Vereine 14.090 Euro zur Verfügung gestellt, unter ihnen die Damen-Handballmannschaft des TuS Leopoldshöhe.

„Super, dass mir so viele Menschen helfen wollen“, sagt der 17-Jährige, der klare Ziele hat. Dabei spielt seine Fahrrad-Leidenschaft weiter eine große Rolle. „Ich hätte gerne ein Rollstuhl-Fahrrad, das mit den Händen angetrieben wird und mit dem ich auch wieder größere Strecken zurücklegen kann“, sagt er. Und auch sein Berufswunsch hat mit zwei Rädern zu tun: „Fahrrad-Designer ist mein Traumberuf.“

Wer Mika helfen möchte, findet die Spendenseite unter https://t1p.de/816b

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