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Dornbergerin fordert Kündigung des Pachtvertrages zur wirtschaftlichen Nutzung

Schwedenschanze-Hütte in der Kritik

Bielefeld (WB). „Nutzen ja, aber nicht wirtschaftlich“: Auf diesen kurzen Nenner hat Marianne Eickhoff ihren Bürgerantrag gebracht, der darauf abzielt, dass die Stadt den Pachtvertrag für die Hütte auf der Schwedenschanze mit dem derzeitigen Pächter kündigt. Die Politik ist sich uneins, wie in der jüngsten Dornberger Bezirksvertretersitzung zu erkennen war.

Volker Zeiger

Die Hütte an der Schwedenschanze ist ein bei Wanderern beliebtes Ziel, um eine Pause einzulegen. Das Gebäude auf dem Bußberg, errichtet zu Ehren von Kaiser Friedrich III., wurde im Oktober 1912 eingeweiht. Foto:

Eickhoffs Argument für eine Kündigung: „Die Hütte liegt im Natur- und Geopark“, der durch unnötigen Autoverkehr zum Haus hin und zurück erheblich leide. Dem müsse Einhalt geboten werden, denn die „sensible Sandsteinformation“ am Berg werde aufgerieben, Natur werde plattgefahren. Wenn dann durch Regen die Wege ausgespült werden, fülle man sie hinterher mit grobem Schotter auf, der Boden könne sich selbst nicht wieder von alleine aufbauen. Eickhoff erinnert daran, dass die Hütte zu ihrer Schulzeit noch ein Pausenplatz zum Auspacken des Proviantes und zur kurzen Rast bei Wanderungen war. „Als Schutzhütte für Spaziergänger und Wanderer sehe ich sie heute noch“. Wenn jemand unbedingt Einkehrmöglichkeiten brauche, für den gebe es unterhalb der Schwedenschanze, in Richtung Werther beim Bergfrieden und bei Peter auf’m Berge welche.

Die Bezirksvertreter nahmen den Bürgerantrag zur Kenntnis und vertagten eine Entscheidung. Ulrich Paus (CDU) äußerte Verständnis für den Wunsch Eickhoffs, sagte aber auch: „Wir befinden uns hier im Zwiespalt zwischen dem Schutz der Natur und der Hütte“. So, wie der Pachtbetrieb gegenwärtig laufe, „halte ich ihn für vertretbar“. Bernd Vollmer (Linke) plädiert ebenfalls für den Naturschutz. Dennoch müsse das weitere Vorgehen genau überlegt werden. Die Verwaltung solle mehr über ihre Einflussmöglichkeiten informieren. Bezirksbürgermeister Paul John (Grüne) fasste zusammen: „Wir setzen uns mit der Verwaltung auseinander und nehmen das Thema in nächster Sitzung wieder auf.“

Rainer Kötter versorgt im Auftrag von Pächter Jürgen Casper aktuell an Sonn- und Feiertagen die Besucher der Schwedenschanzen-Hütte. Foto: Volker Zeiger

Die Schutzhütte an der Schwedenschanze ist seit Kurzem wieder an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Pächter ist Jürgen Casper, der die Hütte 1977 übernahm und damals auch den Dorfkrug in Kirchdornberg leitete. Zurzeit hält er sich im Ausland auf. Er fand eine Vertretung, die die Hütte während der gewohnten Öffnungszeiten betreut: Rainer Kötter, Mitglied in dem Wanderclub „Team Fallobst“, dem die Hütte sehr vertraut ist.

Kötter versorgt in Absprache mit Casper seit Juli an Sonntagen die Wanderer und Ausflügler, die an dem Aussichts- und Ruhepunkt auf dem 306 Meter Hohen Bußberg rasten wollen, mit Getränken und Snacks. „Wir machen das erstmal bis zum Jahresende weiter“, so Kötter. Dann werde Pächter Casper zurückgekommen sein.

Der Verzehr ist nur im Freien erlaubt – „nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil wir keine Toilette haben“, sagt Kötter. Er hofft darauf, dass sich der Immobilienservicebetrieb der Stadt dem Wunsch des Pächters anschließt und bald eine Komposttoilette nahe der Hütte aufstellt. Außerdem möchte der Pächter nach Angaben von Rainer Kötter die Küche im Ausschankbereich der Hütte modernisieren und hofft dafür auf Sachspenden.

Unermüdlicher Helfer in Sachen Schwedenschanze-Hütte ist der Kirchdornberger Klaus-Peter Twistel. Er setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt für den Erhalt der Hütte ein. Er war es auch, der 30.000 Euro sammelte, um das 1912 eingeweihte Gebäude mit Namen Kaiser-Friedrich-Gedächtnishütte instandzusetzen. Jetzt erledigt Twistel in regelmäßigem Abstand kleine Reparaturarbeiten und beseitigt alle zwei Woc hen Müll, der oben auf dem Berg zurückbleibt.

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