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Orden war Keimzelle für Franziskus-Hospital – Ära in Bielefeld endet nach 150 Jahren

Schwestern verlassen „ihr“ Klösterchen

Bielefeld (WB). Seit 150 Jahren wirken in Bielefeld Franziskanerinnen. Ohne sie gäbe es gar nicht das „Klösterchen“, das Franziskus Hospital. Nun soll ihre Zeit vorbei sein: Im Sommer kommenden Jahres 2020 werden die fünf derzeit noch verbliebenen Ordensschwestern aus Bielefeld abgezogen.

Sabine Schulze

Schwester Maria Magdalena (von links), Schwester Raymunda und Schwester Hubertine sind drei der fünf verbliebenen Schwestern am St. Franziskus Hospital. Sie werden das „Klösterchen“ im Sommer 2020 verlassen. Foto: Veit Mette/Franziskus-Hospital

Es fehlt schlicht der Nachwuchs, und die Schwestern um Oberin Ildefonsa sind „im Alter vorgerückt“, wie es Dechant Norbert Nacke in den aktuellen Mitteilungen des Katholischen Pastoralverbundes formuliert. Mithin hat der in Aachen ansässige Orden der Armen Schwestern vom Heiligen Franziskus beschlossen, die beiden letzten noch vorhandenen Außenstellen aufzulösen. Einer dieser Außenstellen ist der Bielefelder Gertrud-Frank-Konvent.

Damit wird die Jodokusgemeinde von der langjährigen Gemeindereferentin Schwester Judith Maria Abschied nehmen müssen. Auch die vier Schwestern, die die „guten Seelen“ im Klösterchen sind, werden abberufen. „Wir sind sehr traurig, müssen das aber so hinnehmen“, sagt Klösterchen-Geschäftsführer Dr. Georg Rüter, der noch am Dienstag in Aachen im Mutterhaus des Ordens bei Schwester Generaloberin Martha war.

Junge Schwestern kommen nicht nach

Die Entwicklung der Ordensgemeinschaften, so Rüter, sei dramatisch, etwas, was man einfach zur Kenntnis nehmen müsse. Von den ehemals 2000 „Armen Schwestern vom heiligen Franziskus“ sind nur 100 geblieben. Junge Schwestern kommen nicht nach. Rüter will aber nicht nur klagen, sondern ist den Schwestern vor allem dankbar.

Schwester Oberin Ildefonsa Vieth (83) und ihre drei Mitschwestern sind im „Klösterchen“ zwar nicht mehr in die Pflege eingebunden, aber doch noch in die Seelsorge. Sie bestücken zudem den Bücherwagen für die Patienten und betreuen die Präsenzbibliothek im Foyer. Und Schwester Bernhelma bereitet jeden Morgen die gut 60 Stullenpakete zu, die an der Krankenhauspforte ausgegeben werden. Mit ihrer grau-schwarzen Tracht prägten und prägen die Franziskanerinnen auch das Bild im Hospital.

Ihre Geschichte in Bielefeld begann vor gut 150 Jahren: Am 7. April 1869 bezogen die ersten vier „Armen Schwestern vom heiligen Franziskus“ in der Bielefelder Ritterstraße 61 ein Haus. Ihr Orden war in Aachen von Franziska Schervier (1819 – 1876), der Tochter eines Nadelfabrikanten, gegründet worden, um armen, am Rande stehenden Menschen zu helfen. Ihr Motto lautete „Seelen retten, Wunden heilen.“

Spenden und Darlehen machten den Bau möglich

Die St. Jodokus-Kirchengemeinde, seinerzeit einzige katholische Pfarrgemeinde in Bielefeld, hatte bei der Generaloberin in Aachen die Entsendung dieser Schwestern erbeten. Sie sollten, wie Bernd J. Wagner in einem Artikel für das Stadtarchiv zitiert, „Privat-Krankenpflege in den Familien ohne Unterschied der Confession“ helfen.

Ihre Wohnung in der Ritterstraße war recht klein. Das Gemeindekomitee, das die Ansiedlung der Schwestern betrieben hatte, kaufte schon 1869 am „Bürgerweg“ – heute Stapenhorststraße – einen Garten, in dem für die Franziskanerinnen ein Neubau (mit kleiner Kapelle) errichtet werden sollte.

Spenden und Darlehen machten den Bau möglich. Ein Krankenhaus sollte er gleichwohl nicht sein: Krankenpflege erfolgte früher in den Wohnungen der Patienten. Diese Wohnungen waren teilweise aber in erbärmlichem Zustand. Und so nahm die Gemeinschaft schon 1871 arme Kranke in ihr Haus auf: die Keimzelle für das „Klösterchen“. Es wurde erweitert, bereits zwei Jahre später wurden 44 Patienten im Haus gepflegt, und 1895 zählte es 100 Betten.

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