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Rita und Christian Schulz betreiben seit 25 Jahren den Seekrug am Obersee in Bielefeld

Von Currywurst bis Hochzeitsfeier

Bielefeld

Varieté-Abende, internationale Koch-Duelle, Lichterzauber, Kneipen-Quiz, Preise, die per Würfeln festgelegt werden  und Strohballen-Wettrollen - an Ideen hat es   Christian Schulz noch nie gemangelt. „Er ist immer neugierig und denkt sich etwas aus“, sagt seine Frau Rita über ihn.

Von Hendrik Uffmann

Jann (24, links) und Hauke (27) übernehmen immer mehr Aufgaben im Seekrug und werden die Nachfolger ihrer Eltern Rita und Christian Schulz, die die Gaststätte am Obersee seit 25 Jahren betreiben. Foto: Hendrik Uffmann

Seit 25 Jahren betreibt das Ehepaar   mit dem Seekrug am Obersee eine der bekanntesten Gaststätten in Bielefeld. Und die wird wohl weiter in der Hand der Familie bleiben. Denn die Söhne Hauke (27) und Jann (24) übernehmen immer mehr die Leitung.

„Das ist das, worüber ich nach all den Jahren am glücklichsten bin - dass unsere Söhne den Betrieb weiterführen wollen, und zwar ganz aus eigenem Antrieb und nicht, weil wir sie gedrängt haben“, sagt Rita Schulz.

Wie alles begann

Während ihr Mann im Vordergrund steht und „das Gesicht des Seekrugs“ ist, hat sie sich in den vergangenen Jahren   im Hintergrund um die Organisation gekümmert - von Beginn an mit Akribie. „Mehr als 900  Mitarbeiter hatten wir in all den Jahren“, sagt die 62-Jährige, die von Anfang an auch darüber Buch geführt hat.

1994 hatte die Stadt das Fachwerkgebäude am Rande des Obersees aufstellen lassen. Nach drei Jahren in anderer Hand stiegen dann die Schulzes  als Pächter ein, nachdem sie zuvor in der Innenstadt unter anderem den „Pflaumenbaum“ und das Boca Chica am Oberntorwall betrieben hatten. „Durch den See hat der Standort einfach ein unheimliches Potenzial, und das bis heute“, sagt Christian Schulz.

Erinnerungen an das Seekrug-Casino

Hinzu kam, dass das Paar das zweite Kind erwartete und aus der Innenstadt wegziehen wollte. Bis heute wohnen Rita und Christian Schulz direkt im Seekrug. „Wir haben hier seit dem gelebt und gearbeitet. Der Seekrug und unser Leben sind nicht zu trennen“, betont Rita Schulz. Und für ihren Mann sei dieser gleichzeitig „eine riesige Spielwiese“.

Von Schlammcatchen bis zur Eiswette

Denn davor, neue Dinge auszuprobieren, um Gäste anzulocken, hat er noch nie zurückgeschreckt. Weil in dem Restaurant immer schon Menschen mit unterschiedlicher Herkunft gearbeitet haben, gab es auch Koch-Duelle. Zwei Buffets an einem Abend, eines zum Beispiel Pakistanisch, das andere Griechisch, hatten die Gäste dabei zur Auswahl. Und beim „Seekrug-Casino“  konnten die Besucher den Preis ihres Drei-Gänge-Menüs selbst erwürfeln. „Man musste fünf Würfel werfen, und die Zahl der Augen ergab dann den Preis in Euro“, erinnert sich Christian Schulz.  Bis heute werde er auf diese Aktion angesprochen.

Auch skurrile Dinge stellte der Wirt auf die Beine. Etwa das Strohballen-Wettrollen oder den April-Scherz, bei dem er ein Schlammcatchen im Obersee angekündigt hatte. Lichterfeste, die   Schildescher Eiswette, noble Dinner-Abende und die Aprés-Ski-Party, die 16 Jahre lang auf dem Seekrug-Gelände gefeiert wurde - das sind nur einige der weiteren Veranstaltungen, die es am und mit dem Seekrug gab.

Und manchmal braucht es auch einen langen Atem. Wie etwa bei monatlichen Kneipen-Quiz, das zunächst überhaupt nicht zünden wollte. Kaum zwei Tische waren besetzt, als es losging. Rita Schulz: „Heute läuft das unheimlich gut, die Remise ist dann ausgebucht.“

Rita und Christian Schulz blättern in dem Fotoalbum mit Bildern aus den vergangenen 25 Jahren. Foto: Hendrik Uffmann

Um die Gaststätte auch für jüngeres Publikum attraktiv zu machen, entwickelte Christian Schulz die „Düne 13“, die - zumindest wenn das Wetter passt - Strand-Atmosphäre in Bielefeld bietet. Generell sei der Seekrug aber stets ein Restaurant für ein ganz vielfältiges Publikum, so Rita Schulz: „Von den Ausflüglern, die eine Currywurst essen wollen, bis hin zu großen Hochzeitsfeiern.“

Söhne bringen neue Ideen mit

Auch für die nächsten 25 Jahre sieht Christian Schulz ein großes Potenzial für den Seekrug. Unter anderem Firmenveranstaltungen würden dabei immer interessanter. Für eine große Spedition haben Rita und Christian Schulz auch schon eine Feier mit 900 Gästen organisiert.  Und ihr Söhne bringen schon jetzt viele neue Ideen ein, sagt die 62-Jährige. „Sie kümmern sich um die Digitalisierung und wollen zum Beispiel auch die Küche weiterentwickeln.“

Viele Ideen hat die Familie auch für das gesamte Gelände. So könnte dort, wo bislang die Grillhütte steht, eine Lounge-Terrasse mit Blick auf den Obersee entstehen, und auch einen Wintergarten halten sie für möglich.

Ein gezapftes Bier zum Mitnehmen

Dabei sind es oft die kleineren Dinge, die hängenbleiben bei den Menschen, hat Christian Schulz erfahren. Denn in der Coronazeit, als die Gastronomie eigentlich komplett geschlossen war, hat er am Seekrug immer noch Angebote organisiert. So konnten sich Besucher quasi zum Mitnehmen ein frisch gezapftes Bier holen. „Dazu haben wir so viel positive Resonanz bekommen, weil sich die Leute darüber einfach gefreut haben.“

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