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Der Bielefelder Architekt Joachim Georg Hanke (89) ist tot

Sein Werk bleibt

Bielefeld (WB). Ein Bleistift der Stärke 6B, eine Rolle Papier und klassische Musik im Hintergrund: So hat der Bielefelder Architekt Joachim Georg Hanke ein Leben lang gewirkt. Am 9. August ist der Mann, nach dessen Entwürfen seit den 60er Jahren hochgelobte, prägende Kirchenbauten in Westfalen entstanden, nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben. Hanke wurde 89 Jahre alt.

Christian Althoff

Joachim Georg Hanke 2014 im Alter von 83 Jahren. Foto: Christian Althoff

1949 hatte es die Familie aus Oberschlesien nach Bielefeld verschlagen. Hier schloss der Sohn seine Tischlerlehre ab. Er besuchte die Bielefelder Werkkunstschule, die Innenarchitekten ausbildete, und ging abends zur Volkshochschule. Architektur, Kunstgeschichte – das interessierte ihn. Er lernte das Bauhaus kennen, dessen schlichte Formen Teile seines späteren Werks prägen sollten. Als Hanke kurz darauf nach Stuttgart ging, um für ein Architekturbüro Hotelzimmer zu gestalten, schrieb er sich in der dortigen Uni als Gasthörer für Architektur ein – ohne Abitur.

Anfangs Fabriken entworfen

1957, mit 26 Jahren, öffnete Hanke in Bielefeld sein Büro. Alles schien damals möglich, und so baute der junge Architekt anfangs für Polstermöbel- und Kleidungsproduzenten eine Fabrik nach der anderen. Dass er sich ganz auf das Entwerfen konzentrieren konnte, verdankte er nach eigenen Worten dem Herforder Architekten Winfried Geesmann, den er 1957 einstellte und der sich mehr als vier Jahrzehnte um Kalkulation, Ausschreibung und Bauleitung kümmerte. „Er hat nicht nur viele Entwürfe wesentlich mitgestaltet, er war auch unser Rechenkünstler. Wir sind immer im Budget geblieben”, erinnerte sich Hanke 2014.

1968 baute Hanke für den Möbel-Unternehmer Leo Lübke dieses Haus, in dem Schrankwände einige Wände bilden. Foto: Christian Althoff

1958 hatte er den Architekturwettbewerb für die St.-Libori-Kirche in Bielefeld gewonnen, und danach baute der Bielefelder immer mehr Gotteshäuser. Es war die Zeit der Aufbruchstimmung in vielen Gemeinden. Sie verlangten nach neuen Sakralbauten – nicht mehr langgestreckt mit dem predigenden Pastor an einem Ende, sondern in einer Form, die Altar, Tabernakel und Gemeinde zusammenbrachte. In Herford entstand so 1962 St. Paulus, im selben Jahr baute Hanke in Dörentrup die Kirche zum kostbaren Blut Christi. Es folgten St. Kilian in Paderborn, 1967 die St.-Josefs-Kirche in Bünde, 1971 Heilig Kreuz in Vlotho und weitere Gotteshäuser, oft nach gewonnenen Wettbewerben.

Glaskünstler und Bildhauer wirkten mit

1968 baute Hanke die Heilig-Geist-Kirche in Lemgo – quadratisch, ohne Fenster, mit Lichtbändern in der Decke. „Ich habe mir die alten Häuser und Kirchen in Lemgo angesehen und mir gesagt: Da musst du kapitulieren und etwas Einfaches machen”, erinnerte sich der Architekt vor Jahren.

Bei der Weihe der Paderborner Kirche St. Kilian sagte Kardinal Lorenz Jaeger 1966, der Bau sei „aus dem Geist des Konzils” geboren. Denn das Zweite Vatikanische Konzil hatte eine bewusste und tätige Teilnahme der Gläubigen” gefordert.

Joachim Georg Hanke ist bekannt für seine Sakralbauten, an denen er oftmals auch Glaskünstler und Bildhauer mitwirken ließ. Aber sein Werk ist viel, viel breiter. 1962 errichtete er in Rheda-Wiedenbrück die Möbelfabrik Interlübke, für die er 1969 den Preis des Bundes Deutscher Architekten (BDA) bekam. Er entwarf Sitzmöbel für die Interlübke-Tochter COR, baute Einfamilienhäuser, eine Klinik für Benediktinerinnen in Südkorea, eine U-Bahn-Station mit Tageslicht und immer wieder lichtdurchflutete Industriebauten.

Entwürfe sind im Kopf, nicht auf dem Papier entstanden

Er habe sein Leben lang Glück gehabt mit seinen Auftraggebern, sagte der Architekt einmal. „Man hat sich in die Augen gesehen und wusste, da ist die gleiche Wellenlänge. Es wurde nie lange diskutiert.” Fast alle Entwürfe seien im Kopf und nicht auf Papier entstanden. „Dann habe ich ein Modell gebaut, damit sich die Bauherren den Entwurf vorstellen konnten.”

Vor 20 Jahren schloss Hanke sein Büro, doch die Geschichte seiner Bauten verfolgte er weiter. Er mischte sich ein, wenn Veränderungen geplant wurden, und er war in aller Bescheidenheit stolz, dass einige Werke in Denkmallisten aufgenommen wurden.

Joachim Georg Hanke hinterlässt neben seiner Frau Hannelore vier Kinder und sechs Enkel.

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