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Bielefelds Polizeipräsidentin geht Hinweisen in anonymem Brief nach

SEK-Beamte erheben Vorwürfe gegen ihren Chef

Bielefeld (WB). Bei den Spezialeinheiten der Bielefelder Polizei rumort es. Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere geht Vorwürfen nach, die in einem anonymen Brief erhoben werden. In dem Brief, der von Spezialkräften stammen soll, wird dem Leiter der Spezialeinheiten vorgeworfen, seine Beamten willkürlich zu bestrafen.

Christian Althoff

Im 40. Jahr seines Bestehens ist die Stimmung in Teilen des Bielefelder SEK nicht die beste. Foto:

Bielefeld ist einer von sechs Standorten für Spezialeinheiten (SE) in Nordrhein-Westfalen. Die etwa 100 Beamten sind im Stadtzentrum am Kesselbrink untergebracht. Dazu gehören eine Führungsstelle, das Spezialeinsatzkommando SEK (45 Beamte, vor allem für Zugriffe), eine Verhandlungsgruppe (zehn Beamte), das Mobile Einsatzkommando (30 Zivilbeamte, vor allem für Observationen) und eine Technische Einsatzgruppe (etwa zehn Beamte für Lauschangriffe, das Öffnen von Türen, die Ortung Verdächtiger etc.).

»Nach Gutsherrenart«

Leiter der Bielefelder Spezialeinheiten, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiern, ist ein Polizeidirektor. Gegen ihn richten sich die Vorwürfe. In dem anonymen Schreiben, das an Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere ging, wird behauptet, nach möglichen Dienstpflichtverletzungen verhänge der Vorgesetzte »nach Gutsherrenart« Strafen gegen unliebsame Polizisten, um sie gefügig zu machen.

So soll ein Polizist nach einer dienstlichen Feier in der Polizeischule Stukenbrock betrunken einen Kaffeeautomaten umgerannt haben. Nachdem sich die Schule bei dem Polizeidirektor über den Polizisten beschwert haben soll, soll der Polizeidirektor den betroffenen Beamten genötigt haben, »freiwillig« ein mehrmonatiges »Praktikum« im Streifendienst anzutreten.

»Freiwillige« Hospitation

Ein anderer Polizist, der einer Kollegin nach deren Trennung ein Möbelstück mit einem Dienstwagen transportiert haben soll, musste angeblich zur Strafe »freiwillig« eine mehrwöchige Hospitation bei der Bereitschaftspolizei in Selm absolvieren. Die mutmaßlichen Verfehlungen der Polizisten sollen der Personalabteilung des Polizeipräsidiums bisher nicht bekanntgewesen sein.

Ein Beamter aus den Spezialeinheiten sagte dem WESTFALEN-BLATT, eine ehemalige Führungskraft habe nach einem Fehler mehrere Monate Hospitationen machen müssen. Sie sei »durch das Mobbing psychisch krank« geworden. Kollegen machten sich jetzt Sorgen, dass der Polizist sich etwas antun könne.

Kritisiert wird auch, dass der Sohn des Polizeidirektors Polizist im MEK werden sollte (und der Vater dann für seine Beurteilung zuständig gewesen wäre). Gegenüber möglichen Kritikern in den Spezialeinheiten soll der Polizeidirektor sinngemäß gesagt haben, wenn jemand Probleme mit seinem Sohn habe, müsse er (der Polizeidirektor) sich überlegen, ob er Probleme damit habe, dass es Pärchen bei den Spezialeinheiten gebe.

Schreiben liegt vor

Die Aufnahme des Sohns ins MEK ist angeblich von Polizeipräsidentin Dr. Giere gestoppt worden. Die Behördenleiterin, die bereits ein Gespräch mit dem Polizeidirektor geführt haben soll, hielt sich am Dienstag bedeckt. Sie ließ lediglich mitteilen: »Mir liegt ein anonymes Schreiben mit Behauptungen zum Fehlverhalten einer Führungskraft und von Beschäftigten vor. Die Sachverhalte werden intern geprüft.« Der Polizeidirektor lehnte gegenüber dieser Zeitung jede Stellungnahme ab.

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