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Amerikanische Faulbrut gefährdet den Bestand

Senne ist Sperrbezirk für Bienen

Bielefeld (WB). Senne tabu, zumindest für Bienen. Weil es dort einen Fall von amerikanischer Faulbrut gibt, hat das Gesundheits-, Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt einen Sperrbezirk in Senne eingerichtet.

Kerstin Sewöster

In den Brutwaben von Imkerin Eva Wierum aus Ummeln ist alles in Ordnung. In Senne musste das Kreisveterinäramt allerdings einen Sperrbezirk festlegen, weil bei einem Imker die amerikanische Faulbrut festgestellt wurde. Foto: Kerstin Sewöster

Imker in diesem Gebiet müssen ihren Tierbestand beim Amt melden, auf Faulbrut untersuchen lassen und diese Untersuchung nach zwei bis neun Monaten wiederholen.

„Das ist kein Massenphänomen, taucht aber immer wieder mal auf“, weiß Albert Bauer, Vorsitzender des Kreisimkervereins Bielefeld. „Bielefeld steht noch ganz gut da, andere Kreise haben viel häufiger damit zu tun“, findet auch Diana Schaper, die für den Kreisimkerverein als Bienensachverständige eng mit dem Kreisveterinäramt zusammenarbeitet und auch die so genannten Futterkranzproben ziehen darf, mit denen der Bakterienbefall nachgewiesen werden kann.

Keine Standortveränderung

Diese Proben sind auch Voraussetzung für ein Gesundheitszeugnis, das vorgelegt werden muss, wenn der Bienenstock außerhalb der Kreisgrenzen aufgestellt wird oder zum Beispiel verkauft wird. Beides ist für Bienenstöcke aus dem Senner Sperrgebiet in den nächsten Monaten tabu. Bewegliche Bienenstände dürfen von ihrem Standort nicht entfernt werden.

„Für Menschen und erwachsenen Bienen ist die amerikanische Faulbrut völlig unbedenklich“, betont Diana Schaper. Dennoch könne die Krankheit ganze Bestände vernichten, weil sie die Brut befalle und hoch ansteckend sei. Durch Körperkontakt und den Austausch von Futter werden die Sporen im Bienenstock verteilt und an die Larven verfüttert, die daran sterben und selbst zum Sporenträger werden.

Umfassende Maßnahmen sind bei einem Befall notwendig. Wurden früher häufig betroffene Völker getötet, geht man heute andere Wege. Die Königin und die adulten Bienen werden „gesundgehungert“ und separiert. So wird sichergestellt, dass die Bienen keine Sporenreste mehr in sich tragen. Mit diesem so genannten „Kunstschwarm“ kann der Imker einen Neustart wagen.

Alles muss gründlich desinfiziert werden

Alles, was mit dem befallenen Bestand zu tun hat, muss gründlich desinfiziert werden. „Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust“, sagt Kreisimker Albert Bauer. Zum Beispiel, wenn der Befall soweit fortgeschritten ist, dass ein Töten der Brut zum Aussterben des Volkes führen würde, weil die erwachsenen Bienen nicht mehr in der Lage sind, nach der Desinfektion ein überwinterungsfähiges Volk zu bilden beziehungsweise eine neue Brut aufzuziehen.

Die amerikanische Faulbrut ist ein weltweites Phänomen. „Deutschland ist aber eines der wenigen Länder, die Sperrbezirke zu Bekämpfung der Krankheit festlegen und die nicht mit Antibiotika arbeiten“, hebt Diana Schaper hervor. Die 49-Jährige hat seit 20 Jahren Bienen und betreut mit ihrem Mann 15 Bienenvölker in Sennestadt.

Verbreitet werde die amerikanische Faulbrut zum Beispiel durch Räuberei bei den Bienen. Ist ein Schwarm wegen Krankheit geschwächt, nutzen dies die stärkeren Schwärme, um sich Nahrung zu verschaffen. Dabei können sie Krankheitserreger aufnehmen und in den eigenen Stock tragen. Diana Schaper vermutet aber noch eine andere Quelle: Fremdhonig. Sie empfiehlt deshalb, leere Honiggläser gründlich auszuspülen, bevor sie im Altglascontainer entsorgt werden. Denn die Bienen nutzen diese Reste, um ihre eigene Brut zu versorgen.

Der zweite Fall in diesem Jahr

Wer es gut meine und zum Beispiel Bienen auf dem Balkon mit Honig füttere, schade mitunter mehr als das er helfe. Ein Argument mehr dafür, sich von Steingärten zu verabschieden und auf Pflanzen zu setzen, die als Bienenfutter taugen.

Das Auftreten der Faulbrut in Senne ist der zweite Fall in diesem Jahr. Anfang des Jahres, so Diana Schaper, sei im Bereich Ubbedissen die Krankheit aufgetreten. Aber dort rechnet sie bereits mit der Auflösung des Sperrbezirks. Der wirtschaftliche Schaden wird laut Diana Schaper über die Tierseuchenkasse abgefangen, wo Bienen ebenso angemeldet werden müssten wie Schwein, Huhn und andere Nutztiere.

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