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Forschungsprojekt soll mit Bürgerhilfe Alternativen der Fortbewegung finden

Sennestadt als Modell für neue Mobilität

Bielefeld (WB). Warum haben öffentliche Autobusse keine Anhänger für Fahrräder? Warum gibt es keine Lastenräder zum Ausleihen? Wäre eine Nachbarschafts-App eine gute Möglichkeit, um Einkäufe mehrerer Parteien gebündelt zu organisieren? Mit solchen Fragen beschäftigt sich künftig das Forschungsprojekt Mobilista beispielhaft in Sennestadt.

Markus Poch

Im Bürgertreff des Sennestadthauses diskutierten 50 Besucher das im Stadtbezirk anstehende Forschungsprojekt Mobilista. Zu den Teilnehmern gehörten (vorne, Mitte) Dr. Godehard Franzen vom Verein Bielefeld pro Nahverkehr und (links daneben) Bezirksbürgermeister Lars Nockemann. Foto: Markus Poch

Mobilista steht kurz für »Mobiliätsräume abseits der autogerechten Stadt«. Träger des Projektes ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das als Ziel verfolgt, die Transformation der lokalen Mobilitätskultur weg vom Automobil zu unterstützen. Es geht darum, die Lebensqualität vor Ort zu erhalten beziehungsweise zu steigern – bei gleichzeitigem Absenken der Lärm- und Luftbelastung sowie Verringerung von Staus und Flächenverbrauch durch den Pkw-Verkehr. Das Auto als Garant für Komfort und Flexibilität steht bei Mobilista auf dem Prüfstand.

Die Fachhochschule macht mit

Ein so genanntes Reallabor, zu dem der Bezirk Sennestadt jetzt während der Mobilista-Auftakt­veranstaltung erklärt worden ist, unterliegt der Koordination des Institutes für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Dortmund. Weitere Kooperationspartner sind die Fachhochschule (FH) Bielefeld, das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change aus Berlin, die Sennestadt GmbH, die Verkehrsbetriebe Mobiel sowie das Amt für Verkehr der Stadt Bielefeld.

Sie alle wollen den Stadtbezirk gemeinsam und vor allem gemeinsam mit den Menschen, die vor Ort wohnen, so weiter entwickeln, dass sich Bewohner und Besucher dort in der Zukunft wohler fühlen. »Seien sie kreativ. Bringen Sie sich ein«, hatte deshalb Bezirksbürgermeister Lars Nockemann den 50 Bürgern empfohlen, die zum Projekt-Auftakt ins Sennestadthaus gekommen waren.

»Wir wollen Ihre Vision entwickeln. Und wir müssen dabei Wohnqualität und Mobilität unter einen Hut bekommen«, mahnte Prof. Sebastian Bamberg von der FH Bielefeld und motivierte die Anwesenden ebenfalls zur Teilnahme an Mobilista: »Engagement macht glücklich«, sagte Bamberg. »Und Leute, die sich aktiv einbringen, leben gesünder.«

»So könnte es in ganz Bielefeld einmal sein«

Bernhard Neugebauer von der Sennestadt GmbH erinnerte daran, dass Sennestadt einst vom Architekten Hans Bernhard Reichow als Modellstadt konzipiert worden war; dass Sennestadt, seit der Klima-Expo NRW 2015 und seiner Auszeichnung zum Klimaquartier nun im Zusammenhang mit der Mobilität von morgen erneut Modellcharakter hat: »Sennestadt soll ausprobieren, wie es in Sachen Mobilität in der ganzen Stadt Bielefeld einmal sein könnte«, sagte Neugebauer. Als Klimaquartier sei Sennestadt ein besonderer Laborraum, um für ein nachhaltiges Bielefeld modellhafte Projekte, Technologien und Kooperationen zu entwickeln und zu erproben.

Anschließend wurde Ideen gesammelt und darüber diskutiert: Sollte es kostenlose Elektro-Tretroller geben? Wie sinnvoll können Elektro-Busse sein? Lohnt sich ein Ausweiten der bestehenden Tempo-30-Zonen? – Alle Anregungen sollen unter Bürgerbeteiligung in Arbeitsgruppen zu ersten Modellversuchen weiterentwickelt werden. Die Öffentlichkeit soll zwischenzeitlich über den aktuellen Stand informiert werden und zwar im Juni beim Sennestadtfest und im September beim Sennestädter Herbst.

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