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Experten nehmen seltenes Fischsaurier-Fossil aus Bielefeld im LWL-Museum in Münster unter die Lupe

Sensationsfund wird nun erforscht

Die Entdeckung, die Andreas Müller und sein Sohn Florian 2018 machten, war eine kleine Sensation. In einer Tongrube in Bielefeld-Jöllenbeck stießen sie auf die 180 bis 190 Millionen Jahre alten Fossilien eines Ichthyosauriers, eines Fischsauriers aus dem Unterjura.

Westfalen-Blatt

Manfred Schlösser, geologisch-paläontologischer Präparator im LWL-Museum für Naturkunde, präpariert die Fossilien des Ichthyosaurierars-Exemplars Foto: LWL, Oblonczyk

Die Entdeckung, die Andreas Müller und sein Sohn Florian 2018 machten, war eine kleine Sensation. In einer Tongrube in Jöllenbeck stießen sie auf die 180 bis 190 Millionen Jahre alten Fossilien eines Ichthyosauriers, eines Fischsaurier aus dem Unterjura.

Für Fachleute ist die Entdeckung eine echte Rarität. Im LWL-Museum wurden die Fossilien nun weitgehend fertig präpariert, so dass die wissenschaftliche Untersuchung des Objekts begonnen hat. Sie wird zeigen, ob es sich bei dem Fund um eine neue Art oder sogar eine neue Gattung handelt, wie groß dieses Exemplar zu Lebzeiten war, wie es gelebt hat und was nach seinem Tod mit dem Skelett passiert ist.

Andreas Müller und sein Sohn Florian, beide aktiv im Paläontologischen Arbeitskreis Porta Westfalica-Kleinbremen, unternahmen im Juni 2018 eine Exkursion zu einer Tongrube bei Jöllenbeck. „Auf so einer Exkursion musst du dich erst eine Weile in das Gelände ‚eingucken‘. Dann steht mein Sohn auf dieser Halde und findet plötzlich einen Knochen und dann noch einen und noch einen, es wurden immer mehr“, erklärt Hobby-Paläontologe Andreas Müller.

Hobby-Paläontologe Andreas Müller (links im Bild) und sein Sohn Florian Müller entdeckten 2018 in einer Tongrube in Jöllenbeck die Fossilien des Ichthyosaurier-Exemplars. Foto: LWL/Schwermann

Doch es gab ein Problem, denn ein Radlader arbeitete nicht weit entfernt vom Fundort in der aktiven Tongrube. Kurzerhand entschlossen sich die beiden Fossiliensammler, alle Reste einzusammeln und so vor der Verarbeitung zu retten.

Anschließend kontaktierten sie das LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Bei diesem Fund war allen Beteiligten sofort klar, dass es sich um ein Fossil von ganz besonderer Bedeutung handelt. Andreas Müller: „Einen solchen Fund macht man nur einmal im Leben, ein wahrer Glückstreffer.“

Zur Zeit der Dinosaurier war Westfalen von Wasser bedeckt. Im damaligen „westfälischen Meer“ tummelten sich neben Fischen auch Reptilien wie die Ichthyosaurier.

Die 180 bis 190 Millionen Jahre alten Fossilien des Ichthyosaurier-Exemplars werden im LWL-Museum für Naturkunde weiter untersucht. Foto: LWL/Steinweg

Die fossilen Überreste des Ichthyosauriers aus Jöllenbeck gelangten vor zwei Jahren in das Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Ungefähr 150 Einzelstücke, darunter Schädelknochen, Rippen, Wirbel, Zähne und Knochen aus den Flossen kamen ins LWL-Museum. Das Besondere: alle gehören zu ein und demselben Tier, was nur selten der Fall ist bei solchen Funden. Einige Fossilien sind dabei kleiner als die Spitze eines kleinen Fingers, andere ungefähr faustgroß.

„Die vergangenen Millionen Jahre haben natürlich Spuren hinterlassen: Stein und Fossil sehen sich so ähnlich, da muss man schon genau hingucken, um Unterschiede zu erkennen“, so Manfred Schlösser, geologisch-paläontologischer Präparator beim LWL in Münster, der die Aufgabe hatte, dass Fossil zusammenzusetzen und zu präparieren.

Zunächst wurden die kleineren Gesteinsstücke zusammengepuzzelt. Eine große Herausforderung, da bestimmte Teile des Puzzles, also des Fossils, fehlten. Doch es gelang, einige kleinere Gesteinsstücke zu größeren Gesteinsplatten zusammenzufügen.

Noch schwieriger war aber der Umstand, dass die Überreste des Ichthyosaurier-Exemplars im Laufe der Millionen Jahre porös geworden waren, das Gestein aber hart blieb. „Stellen Sie sich vor, Sie müssen Eisen von Butterkeksen trennen, ohne das der Keks Schaden nimmt. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl und noch mehr Geduld“, erklärt Schlösser weiter.

Die 150 fossilen Einzelstücke wurden bei einer Exkursion in Jöllenbeck in einer aktiven Tongrube entdeckt. Foto: LWL/Schwermann
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