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Sozialdezernent Ingo Nürnberger bestätigt WESTFALEN-BLATT-Bericht – Sicherheitsmaßnahmen werden geprüft

Sexuelle Übergriffe und Gewalttaten beim Jugendkarneval

Bielefeld (WB). Einen Tag lang hat die Stadtverwaltung geschwiegen, dann gab es die Bestätigung für den am Dienstag veröffentlichten Exklusivbericht dieser Zeitung: Ja, beim Bielefelder Jugendkarneval in den Jahren 2014 und 2015 gab es Gewalt unter jungen Männern und sexuelle Übergriffe auf Minderjährige.

Jens Heinze

Bei der städtischen Karnevalsparty im Ringlokschuppen wird es oft voll. Foto: Mike-Dennis Müller

Das erklärte am Mittwoch der städtische Sozialdezernent Ingo Nürnberger. Der vom kommunalen Jugendamt, der Bezirksvertretung Mitte des Stadtrates und dem hiesigen Jugendring veranstaltete Karneval werde trotzdem in diesem Jahr wie üblich am Rosenmontag, 8. Februar, in der Diskothek Ringlokschuppen stattfinden, sagte er.

Zuvor solle über eventuell notwendige weitere Sicherheitsmaßnahmen nachgedacht werden. Zwei Türsteher hatten in der Dienstagsausgabe dieser Zeitung schwere Vorwürfe erhoben: Es sei der Öffentlichkeit verschwiegen worden, dass es im Jahr 2014 Prügeleien unter jungen Migranten gegeben habe. Diese Männer sollen zudem jugendliche Besucherinnen der Karnevalsfeier (Eintritt nur von 14 bis 18 Jahren) sexuell bedrängt haben. Im Jahr darauf habe es dann sexuelle Übergriffe von vier anderen Zuwanderern auf junge Frauen gegeben, so die Schilderungen der Türsteher.

Keine Angaben zu den Nationalitäten

»Es gab Vorkommnisse«, räumte nun gestern Sozialdezernent Nürnberger ein. Zehn Jugendliche seien im Jahr 2014 nach massiven Pöbeleien und gewalttätigen Übergriffen von Polizisten und Sicherheitsdienst-Mitarbeitern vor die Tür des Ringlokschuppens gesetzt worden. Dass die Randalierer und Schläger auch weibliche Besucher belästigt hätten, wollte der Nürnberger nicht bestätigen. Er machte keine Angaben zu den Nationalitäten der zehn Jugendlichen. Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge soll es sich bei der Zehnergruppe um junge Migranten unter anderem kurdischer Herkunft gehandelt haben.

Auch im Jahr 2015 sei es beim Jugendkarneval zu Übergriffen gekommen, sagte der städtische Sozialdezernent. Zwei Jugendliche hätten zwei minderjährige Besucherinnen bedrängt und sexuell belästigt. Die Sextäter hätten versucht, den jungen Frauen in die Hosen zu fassen und an ihre Brüste gegriffen. Auch hier machte der Sozialdezernent keine Angaben zu den Nationalitäten.

Angaben von Augenzeugen zufolge handelte es sich um insgesamt vier Täter: einen Afghanen, einen Albaner und zwei Iraker. Mindestens einer dieser Männer soll sich als 17-Jähriger ausgegeben haben, obwohl er deutlich älter wirkte.

»Das solche Vorfälle nicht schön sind, dass wir die nicht wollen, ist völlig klar«, sagte Sozialdezernent Nürnberger. Gleichzeitig seien schnell Sicherheitskräfte an den Orten der Geschehnisse gewesen. »So traurig, ärgerlich und verstörend solche Vorfälle sind, es ist schnell eingegriffen worden«, lobte Nürnberger Polizei und Sicherheitsdienst. Der Sozialdezernent betonte zur Organisation des Jugendkarnevals: »Wir haben eine Verpflichtung, dass das ordentlich abläuft.«

Sicherheitsmaßnahmen auf dem Prüfstand

Mit Blick auf den am Rosenmontag geplanten Jugendkarneval 2016 kündigte Nürnberger an, die Sicherheitsmaßnahmen für die diesjährige Veranstaltung auf den Prüfstand stellen zu wollen. Was notwendig sei, das werde demnächst mit Vertretern der Polizei, dem Sicherheitsdienst, der Feuerwehr, dem Sanitätsdienst und städtischen Ämtern besprochen.

An Polizeipräsenz werde es jedenfalls nicht fehlen, sagte der Sozialdezernent. Polizeidirektor Dirk Butenuth, Chef der Polizeiinspektion Bielefeld und ihrer drei Wachen, habe »ausreichend Kräfte« zugesagt, versicherte Nürnberger. »Man muss gucken, dass da nichts anbrennt. Es gibt auch Leute von rechts, die das thematisieren wollen.«

Abschließend gab der Sozialdezernent eine Erklärung zu den Geschehnissen von der Silvesternacht im Bahnhofsviertel ab. »Wir wissen noch nicht, was passiert ist. Wir haben ein Rieseninteresse, das aufzuklären«, sagte Nürnberger.

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