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Aktionstag zur Woche der Wiederbelebung am Samstag auf dem Jahnplatz

So einfach kann Leben retten sein

Bielefeld (WB/HHS). Zugegeben: Es ist eine Situation, mit der niemand gerne konfrontiert wird. Jemand wird bewusstlos, atmet nicht normal oder gar nicht mehr – plötzlicher Herzstillstand. Was jetzt zu tun ist, ist einfacher als man denkt. Erste Hilfe lässt sich in drei Schritten zusammenfassen: prüfen, rufen, drücken. »Und man kann nichts falsch machen«, sagt Dr. Michael Korth vom Franziskus Hospital.

Stefan Klaßes zeigt, wie es geht, Prof. Christoph Stellbrink (von links), Anja Ritschel, Isolde Forst-Ettler, Dr. Michael Korth und Angelika Regenberg schauen zu. Foto: Bernhard Pierel

Weil aber viele immer noch großen Respekt davor haben, im Notfall einzugreifen, gibt es anlässlich der Woche der Wiederbelebung auch in Bielefeld erneut einen Aktionstag auf dem Jahnplatz. Am Samstag, 30. September, wird unter dem Motto »Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation« über das richtige Verhalten bei einem Kreislaufstillstand informiert. Von 13 Uhr an bieten Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter Samariter Bund, Feuerwehr, der Verein für Notfallmedizin, das Franziskus-Hospital, das Evangelische Klinikum Bethel und das Klinikum Mitte die Möglichkeit, Reanimation zu erlernen oder aufzufrischen.

Dezernentin: »Am schlimmsten ist es, nichts zu tun«

Denn »es ist leicht, jemanden wiederzubeleben, es kann jeder, es kann aber auch jeden treffen«, sagt Angelika Regenberg (DRK). Und Rathaus-Dezernentin Anja Ritschel ergänzt: »Am schlimmsten ist es, nichts zu tun.« Im Notfall kommt es auf jede Minute an. »Pro Minute, in der nicht eingegriffen wird, sterben zehn Prozent der Patienten«, sagt Prof. Christoph Stellbrink, Kardiologe im Klinikum Mitte. Weil auch der schnellste Rettungsdienst, der sofort alarmiert worden ist, bis zu acht Minuten brauchen kann, ist sehr wahrscheinlich wertvolle, lebenswichtige Zeit verstrichen. »Zu viele verlassen sich darauf, dass die Rettung rechtzeitig kommt«, sagt Stefan Klaßes (ASB).

Es sei zwar unerlässlich, nach dem Ansprechen des Kollabierten (prüfen) sofort die 112 zu wählen (rufen), nichts gehe aber über die sofortige Herzdruckmassage (drücken). In Deutschland würden nur 22 Prozent der Ersthelfer gleich mit der Reanimation beginnen. Zum Vergleich: In den Niederlanden gibt es schon ab der fünften Klasse in den Schulen jährliche Fortbildungen für die Jugendlichen mit dem Erfolg, dass 70 Prozent sofort eingreifen.

Überlebenschance verdreifachen

»Andere Länder sind zehn bis 15 Jahre weiter als wir«, sagt Isolde Forst-Ettler (Klösterchen). Informationen in Schulbüchern sollen da nur ein erster Schritt sein. Denn die Fakten sprechen für sich: Mit einfachsten Wiederbelebungsmaßnahmen können Laienhelfer die Überlebenschance verdreifachen. In Bielefeld sind mindestens 150 Menschen pro Jahr von einem Herzstillstand betroffen.

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