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Gigabit-Anschlüsse: Bezirksregierung will bis 2025 flächendeckende Versorgung – mit Video

So steht’s ums Internet in OWL

Höxter/Detmold (WB). Internetanschlüsse im Gigabit-Bereich verspricht die Bezirksregierung Detmold bis 2025. Die Schulen sollen sogar drei Jahre früher deutlich schneller als bisher im Netz unterwegs sein. Das sind die wichtigsten Fakten:

Jan Gruhn

So sieht ein Glasfaserkabel aus der Nähe aus. Laut Michael Stolte von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung des Kreis Höxter reicht ein Leiter aus, um einen Haushalt mit schnellem Internet zu versorgen. Foto: Jan Gruhn

Wie schnell ist das Netz in Ostwestfalen-Lippe?

Laut Bezirksregierung sind derzeit etwa 78 Prozent der Haushalte in OWL mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde versorgt. In Bielefeld surfen etwa 83 Prozent mit dieser Geschwindigkeit und in Paderborn etwa 80,8 Prozent. In Gütersloh sind es 73,8 Prozent. Allerdings stammen die Zahlen aus dem Breitbandatlas NRW und sind ein halbes Jahr alt. »Seitdem hat sich einiges getan«, erklärt Daniel Nölkensmeier, Dezernent der Gigabit-Geschäftsstelle in Detmold. Die soll unter anderem Kommunen dabei helfen, Fördergelder gezielter einzusammeln. Sie hat Pendants in den vier anderen Regierungsbezirken des Landes.

Was machen die Mitarbeiter der Gigabit-Geschäftsstelle?

Sie koordinieren Förderanträge, beraten Schulträger und begleiten Antragssteller »bis zur Ziellinie«, wie es in einer Mitteilung der Bezirksregierung heißt. Zudem arbeiten pädagogische Mitarbeiter mit den Medienberatungen vor Ort zusammen, um die technischen Eigenschaften des Breitbandanschlusses auf die Anforderungen der Schule anzupassen. »Die Beratung endet nicht beim Anschluss an das Schulgebäude«, schreibt die Bezirksregierung.

Wie verteilen sich die Fördergelder derzeit in der Region?

Von insgesamt 212,7 Millionen derzeit bewilligten Fördermitteln fließt laut Bezirksregierung ein Großteil (90,7 Millionen) in den Kreis Paderborn. Etwa 15,9 Millionen gehen nach Bielefeld, 25,5 Millionen in den Kreis Gütersloh. Auch die Kreise Herford (14,9 Millionen), Höxter (12,4 Millionen) und Minden-Lübbecke (27,3 Millionen) profitieren. Die Mittel stammen aus vier unterschiedlichen Förderprogrammen von Bund und Land. Die komplexe Förderstruktur zu kanalisieren ist eine weitere Aufgabe der Gigabit-Geschäftsstelle, sagt Daniel Nölkensmeier. Gefördert werden vor allem Gebiete, in denen die großen Telekommunikationsunternehmen nicht eigenwirtschaftlich ausbauen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Schulen bis 2022 und die Region bis 2025 mit Gigabit-Netz ausgestattet sind?

Man sei zuversichtlich, den Zeitplan des Gigabit-Masterplans der Landesregierung einzuhalten, wird Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl (FDP) zitiert. Zudem profitiere die Bezirksregierung beim Ausbau von einem bereits bestehenden Netzwerk in OWL, erklärt Jens Kronsbein, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsförderung. In jedem Kreis der Region gebe es zum Beispiel bereits einen Breitbandkoordinator. Diese Struktur solle genutzt werden, um »Tempo in die Verfahren zu bekommen«.

Wie sieht es mit den Gewerbegebieten aus?

Der Glasfaserausbau in den Gewerbegebieten der Region geht schleppend voran. Etwa fünf Prozent seien derzeit vollständig angeschlossen, heißt es von der Bezirksregierung. Rechnet man den eigenwirtschaftlichen Ausbau und die in der Umsetzung befindlichen Förderprojekte ein, seien es etwa 40 Prozent.

Laut Regierungspräsidentin Thomann-Stahl könnten Firmen sich dank schneller Internetverbindungen künftig mehr von Gewerbegebieten oder zentrumsnahen Standorten lösen. »Wenn zum Beispiel ein junger Unternehmer zu Hause auf alle seine Daten zugreifen könnte«, dann müsse er auch keine teuren Mieten mehr zahlen, sagte Thomann-Stahl.

Wofür wäre eine Glasfaserleitung noch gut?

Außer Schulen und Unternehmen würden auch normale Haushalte vom schnellen Internet profitieren. Aber auch in der medizinischen Versorgung könnten schnelle Anschlüsse künftig eine wichtige Rolle spielen. In ländlichen Regionen herrscht vielerorts Ärztemangel. Deshalb wird immer wieder über E-Health und Telemedizin diskutiert.

Gibt es Beispiele, wie die Kommunen in OWL derzeit vor Ort den Netzausbau betreiben?

Ja, die gibt es. Der Kreis Höxter zum Beispiel arbeitet seit 2018 daran, die Gigabit-Verbindungen flächendeckend in die Haushalte zu bringen. Die zehn Kommunen des Kreises hatten laut Bezirksregierung vorab ein Unternehmen beauftragt, die formale und organisatorische Steuerung des kreisweiten Projekts sei dabei von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung des Kreis Höxter (GfW) übernommen worden. Bis Mitte 2019 sollen so etwa 300 Kilometer Glasfaser verlegt und 94 Dörfer mit schnellem Internet bis 100 Mbit pro Sekunde erschlossen sein, wie GfW-Geschäftsführer Michael Stolte erklärt. Über die Geschwindigkeit des Ausbaus seien die Verantwortlichen selbst erstaunt gewesen.

Warum geht’s im Kreis Höxter so schnell?

Michael Stolte begründet das mit der weitgehend ländlichen Infrastruktur und dem angewandten »Pflugverfahren«: Dabei könne in einem Arbeitsschritt der Boden geöffnet und das Leerrohr verlegt werden. Die Glasfaserleitungen würden dann später per Luftdruck in die Rohre befördert, sagt Stolte. »Damit haben wir in diesem trockenen Sommer bis zu einen Kilometer am Tag geschafft.« Doch in Innenstädten zum Beispiel müssen für die Verlegung Tiefbauarbeiten durchgeführt werden – die seien deutlich teurer und zeitintensiver.

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