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Ein Naturschützer und ein Landwirt tauschen Argumente aus

Soll der Wolf in OWL heimisch werden?

Enger/Hiddenhausen (WB). Bedrohung oder Bereicherung? An der Rückkehr des Wolfes scheiden sich die Geister. Das WESTFALEN-BLATT lässt an dieser Stelle den Vizepräsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Wilhelm Brüggemeier aus Enger, und den Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL, Karsten Otte aus Hiddenhausen, zu Wort kommen. Mehr lesen Sie am Donnerstag, 28. September, im WESTFALEN-BLATT.

Der Wolf bleibt ein Streitthema. Foto: dpa

Pro – Karsten Otto:

Wir haben es beim Wolf mit einem großen Raubtier zu tun, aber es ist keine Tierart, die nur im Urwald leben müsste, sondern die auch in einer mäßig besiedelten Kulturlandschaft zurechtkommt. Der Wolf ist bei uns auch noch nicht wirklich da: Wir reden über Schäden von acht Schafen und zwei Ziegen in acht Jahren. Das ist noch weit weg von wirtschaftlicher Relevanz.

Der ökologische Nutzen des Wolfes ist erheblich, vor allem im Wald. Wir haben in OWL einen gewaltig hohen Wildbestand, zum Beispiel beim Reh-, Rot- und Schwarzwild, das mit der üblichen Form der Jagd nicht im Rahmen zu halten ist. Der Wolf ist einer der wenigen Spitzenregulatoren, der in der Lage ist, hier einzugreifen und die Bestände an Paarhufern zu regulieren.

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Kontra – Wilhelm Brüggemeier:

Der Wolf ist jenseits aller Eigenschaften, die man Meister Isegrimm in den klassischen Volksmärchen der Gebrüder Grimm zuschreibt, ein intelligentes und sehr anpassungsfähiges Raubtier. Bereits die wenigen Jahre, in denen er sich von Polen bis nach Westdeutschland verbreitet hat, haben dies gezeigt. Die Übergriffe einzelner Wölfe oder ganzer Wolfsrudel auf Schafe, Rinder und Pferde belegen, dass er das Potenzial besitzt, die heimische offene Weidehaltung, die ja von der Gesellschaft immer gefordert wird, insgesamt zu gefährden.

Die Beweidung von Naturschutz- und Ausgleichsflächen käme zum Erliegen. Menschen sind bisher nicht zu Schaden gekommen, aber niemand kann garantieren, dass dies auch so bleibt, zumal sich die Wolfspopulationen bisher alle drei Jahre verdoppelt haben. Wer haftet für den Fall, dass eine von Wölfen in Panik versetzte Rinderherde plötzlich ausbricht und zum Beispiel auf eine Bundesstraße läuft, wie in Sachsen-Anhalt bereits geschehen?

In unsere dicht bevölkerte Kulturlandschaft mit ihrer offenen Weidehaltung von Nutztieren passt kein Wolf, da die Risiken bei weitem alle denkbaren Vorteile überwiegen.

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