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Modehändler kämpft mit Millionenverlusten und schließt Filialen

Sør steckt in Schwierigkeiten

Oelde/Bielefeld (WB). Die Krise im Modehandel trifft auch den renommierten Herren- und Damenausstatter Sør mit voller Wucht. Das Unternehmen mit Sitz in Oelde und bundesweit 60 Filialen, darunter sechs in OWL, kämpft mit Verlusten in Millionenhöhe. Um zu überleben, sollen die Kosten sinken. Einige Läden, darunter einer in Herford, sind schon geschlossen worden – weitere sollen folgen.

Oliver Horst

Die Krise im Modehandel trifft auch den renommierten Herren- und Damenausstatter Sør mit voller Wucht. Wie es etwa mit der Filiale in Bielefeld weitergeht, ist noch offen. Foto: Sellmann

Das vergangene Jahr stellt eine Zäsur für das von Dr. Dr. Thomas Rusche (56) in vierter Generation geführte Unternehmen aus dem Münsterland mit rund 250 Mitarbeitern dar. Der Umsatz – zuvor bei knapp 50 Millionen Euro – brach 2018 um fast zehn Prozent ein. Der Verlust vor Steuern wird auf acht Millionen Euro beziffert. Für das laufende Jahr rechnet der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph mit einem weiteren Umsatzminus von sieben Prozent und einem Fehlbetrag von rund 2,75 Millionen Euro.

Die kreditgebenden Banken sind alarmiert, halten aber bis auf Weiteres still. Auch weil ein Sanierungsgutachten nach IDW-S6-Standard, wie es vor fast einem Jahr auch beim Haller Modekonzern Gerry Weber AG erstellt wurde, Sør im Februar eine positive Fortführungsprognose bescheinigte. Seither wird die Restrukturierung des Unternehmens vorangetrieben, dessen Anfänge bis ins Jahr 1897 zurückreichen. Die Basis für Sør in der heutigen Form legten Egon und Doris Rusche als Vertreter der dritten Generation 1956 mit der Eröffnung des ersten Geschäfts in Bielefeld. Wegen eines Namensstreits wurde aus »Sir« 1967 dann Sør.

Ein bekanntes Problem

Verkauf der Kunstsammlung

Um Geld für die Sanierung und Neuausrichtung des Modefilialisten locker zu machen, kommen auch große Teile der stattlichen Kunstsammlung des Unternehmens und der Inhaberfamilie Rusche unter den Hammer. Das Londoner Auktionshaus Sotheby’s versteigert die Altmeister aus der Sammlung. Das Kölner Auktionshaus Van Ham sucht in drei Terminen Käufer für mehr als 4000 Werke zeitgenössischer Kunst. Beim ersten Aufruf wurden Ende Mai alle rund 150 angebotenen Werke verkauft. Der Erlös übertraf dabei laut Van Ham mit 2,5 Millionen Euro die Erwartungen, gerechnet worden war mit einer Million.

Als Gründe für die Schwierigkeiten nennt Rusche im Gespräch mit dem Fachblatt »Textilwirtschaft« die allseits bekannten Probleme der Branche: Rückgang der Kundenfrequenz in den stationären Läden sowie eine hohe und kostenträchtige Retourenquote von 50 Prozent im Onlinehandel. Beides habe zu einem hohen Warenbestand und entsprechenden Abschreibungen geführt. In der Branche ist aber auch die Rede von einer verfehlten Sortimentspolitik und dass Sør seine Kunden aus den Augen verloren habe.

Zudem sei die Expansion »zu schnell vorangetrieben« worden, wie Rusche sagt. »Das war mein Fehler.« Binnen 15 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Filialen von 30 auf rund 60. Doch wegen des veränderten Kundenverhaltens rechnen sich viele Läden nicht mehr. In Herford wurde schon 2017 das Damenmodegeschäft geschlossen, in Mainz das Männer-Modehaus und bereits 2016 die Filiale am Frankfurter Flughafen. In Münster legte Sør die Herren- und Damenmodengeschäfte zusammen, gleiches geschah jetzt auch am Neuen Wall in Hamburg.

Filialen unter der Lupe

»Wir gucken uns jede Filiale genau an, verhandeln Mietverträge neu und werden sicherlich auch Stores schließen – aber alles mit Augenmaß«, sagte der im Februar als Sanierer geholte Geschäftsführer Thomas Fox der »Textilwirtschaft«. Im Laufe des Jahres sollten Modehäuser in Regensburg, am Stuttgarter Flughafen sowie in München aufgegeben werden. Sør kündigt die »Konzentration auf den ertragreichen Filialkernbestand« an. In OWL bestehen noch jeweils separate Herren- und Damenmodengeschäfte in Bielefeld, Paderborn sowie Minden. Zu deren Zukunft war am Freitag keine Auskunft zu erhalten.

Zudem soll das Sortiment umgebaut, der Einkauf verbessert und die Warensteuerung optimiert werden. Der Onlinehandel soll weiter ausgebaut und zugleich enger mit den Filialen verzahnt werden – auch, um die Retourenquote zu senken. Die Maßnahmen sollen spätestens 2021 wieder zu einer »zufriedenstellenden Ertragssituation« führen, heißt es. Zur Wende beitragen soll auch die fünfte Generation: Heinrich (29) und Valentina (24) Rusche sind mit eingestiegen.

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