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Herforder Kühe geben NRW-weit die meiste Milch – Wilhelm Brüggemeier nennt die Gründe

Spitze bei der Lebensleistung

Herford (WB)

Milchkuh ist nicht gleich Milchkuh: Nirgendwo in NRW gibt ein weibliches Hausrind im Laufe seines Lebens so viel Milch wie im Kreis Herford (und in Bielefeld). Und das bereits seit Jahren. Aber warum sind die heimischen Kühe produktiver als andernorts?

Bernd Bexte

Durchschnittlich 33.097 Liter gibt eine heimische Kuh in ihrem Leben, das ist NRW-weit die größte Menge. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Exakt 33.097 Liter Milch produziert eine Kuh im Bereich des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld im Laufe ihres Lebens, etwa 3000 Liter oder zehn Prozent mehr als im Landesdurchschnitt und doppelt so viel wie etwa im rheinischen Erftkreis, der am anderen Ende der Skala steht. Das belegt eine aktuelle Statistik. „Die Lebensleistung ist ein gutes Kriterium für die Nachhaltigkeit der heimischen Milchviehwirtschaft und ein Zeichen für die Gesundheit der Tiere“, sagt der ehemalige Kreislandwirt Wilhelm Brüggemeier aus Enger, Vorsitzender der Landesvereinigung Milchwirtschaft NRW.

Das habe vor allem etwas mit der Auswahl in der Zucht zu tun. „Bei uns legen wir schon seit vielen Jahren Wert auf eine nachhaltige Nutzung der Tiere.“

So sieht es auch die Landwirtschaftskammer. Die Differenz der Durchschnittsleistungen spreche eine eindeutige Sprache: Herdbuchbetriebe erzeugten pro Kuh 1.508 Liter mehr Milch im Jahr als Nicht-Herdbuchbetriebe. „Der züchterische Einsatz macht sich deutlich bemerkbar.“ In Herford bedeutet das durchschnittlich 16,3 Liter Milch pro Kuh am Tag – über rechnerisch fünfeinhalb Jahre. Eine Kuh im Erftkreis kommt auf lediglich 8,9 Liter am Tag bei einem etwa halbem Jahr weniger Lebenszeit.

Weil Kühe auch andernorts kürzer leben, aber nahezu ähnlich viel Milch in ihrem Leben produzieren, kommen sie rechnerisch auf höhere Jahresleistungen als in Herford, so etwa im Kreis Minden-Lübbecke. Allen gemein ist der anhaltende Preisdruck, der die Milchviehhaltung kaum noch auskömmlich macht. So hat sich die Zahl der Milchviehhaltungen im Kreis Herford seit 2013 auf 20 halbiert. Die Gesamtzahl der Tiere ist allerdings kaum gesunken. Aktuell sind es 1442, also durchschnittlich 72 pro Betrieb, 2013 waren es nur 37. Brüggmeier befürchtet ohne deutliche Einkommensverbesserungen für die Landwirte eine Fortsetzung des Höfesterbens. Die Erlöse der Milchbauern bewegten sich auf dem Niveau von 1980 – trotz gestiegener Kosten.

Der durchschnittliche Auszahlungspreis der Molkereien an die Milchbauern sei 2020 um 1,4 Prozent auf 32,19 Cent je Liter konventionell erzeugter Milch zurückgegangen. Verbraucher können sich über die niedrigen Preise im Supermarkt freuen. Es sollte aber nicht nur das Wohl der Verbraucher, sondern auch das Wohl der Landwirte und verarbeitenden Betriebe im Fokus stehen, betont Brüggemeier. Bei vielen Betrieben gehe es auch um einen Generationswechsel.

Die in NRW konventionell erzeugte Milchmenge stieg in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres trotz des starken Rückgangs bei den Milchkuhhaltern um 1,7 Prozent weiter: Sie lag rund 340 Liter pro Tier über dem Vorjahr.

Tierschützer kritisieren den Drang zur wirtschaftlichen Maximierung. Kühe litten „aufgrund der gängigen Haltungsbedingungen und der Überzüchtung“ an verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen, bemängelt die Albert-Schweitzer-Stiftung (München).

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