Instrument zur Evaluation der Verkehrsströme und der Wegeplanung

Stadt Bielefeld zählt die Radfahrer

Bielefeld

Der April war ja bislang eher frisch und hat nicht zum Radeln eingeladen. Dennoch sind bereits in den ersten drei Wochen des Monats 40.000 Radfahrer entlang der Artur-Ladebeck-Straße in die Innenstadt und retour gefahren.

Sabine Schulze

Wer mit dem Fahrrad über die weichen Kabel fährt, wird gezählt: Der kleine rote Kasten am Rand des Bürgersteigs nimmt die Daten auf. Foto: Thomas F. Starke

Die Daten hat eine dauerhafte Radzählstelle ermittelt. Seit 2017 wird in Bielefeld temporär der Radverkehr gezählt, zu Monatsanfang wurden fünf Dauerzählstellen eingerichtet – mit Induktionsschleifen unter dem Asphalt.

„Die Zählung des Radverkehrs ist ein Instrument zur Messung der Verkehrsströme, zur Evaluation und zielgerichteten Förderung von Radwegeplanungen“, sagt Olaf Lewald, Leiter des Amtes für Verkehr. Angesichts mahnender Stimmen zur Bielefelder Verkehrsplanung hält Lewald das für wichtig. 2017 habe der Radverkehrsanteil bei 18 Prozent gelegen, seitdem habe er zugelegt, „und ist durch Covid noch mehr gestiegen“. Lewald ist überzeugt, dass noch viel Luft nach oben ist.

Friederike Keller und Matthias Seewald installieren an der Rohrteichstraße eine mobile temporäre Zählstelle. Foto: Thomas F. Starke

Die Radzählstellen sollen mehr Informationen liefern. Temporäre, etwa zweiwöchige Zählstellen, erläutert die zuständige Projektmitarbeiterin Friederike Keller, ermöglichen die quantitative Beurteilung von Veränderungen in der Radverkehrsinfrastruktur (zum Beispiel eine höhere Akzeptanz nach der Erneuerung eines Radwegs), dauerhafte Zählstellen liefern Daten auch über saisonale oder witterungsbedingte Einflüsse.

Klar abzulesen ist an den Daten der Zählstelle an der Artur-Ladebeck-Straße unweit von Dr. Oetker auch, dass der Radweg eine Alltagsverbindung ist: Er wird vor allem wochentags und dann wiederum vor allem morgens zwischen 7 und 8 Uhr und nachmittags ab 16 Uhr frequentiert.

Fünf Dauerzählstellen gibt es aktuell, ihre Zahl soll erhöht werden, sagt die Nahmobilitätsbeauftragte Barbara Choryan. Auch der Jahnplatz soll (nach Fertigstellung) eine bekommen, gekoppelt an ein Display, auf dem Jedermann die Frequenz ablesen kann. Einbezogen werden aber auch noch die Außenbezirke, um die langen Routen zu erfassen. Die Kosten liegen bei 100.000 Euro, 75 Prozent trägt das Land.

Einfließen sollen die Daten in die weitere Planung. Bei einem guten Angebot, ist Choryan überzeugt, würde mancher aufs Rad umsteigen. Dazu gehöre, dass Radwege breiter würden, um auch ein Überholen zu ermöglichen. „Die Breite der alten Rad- und auch der Gehwege ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Lewald.

Allerdings: Der öffentliche Raum ist gerade innerstädtisch oft knapp, da müssen unterschiedliche Interessen ausbalanciert werden. „Mehr Einbahnstraßen könnten hier ein Weg sein“, meint Lewald.

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