1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Stadt geht auch anders

  8. >

Wie die Wilhelmstraße zum Beispiel für eine neue urbane Entwicklung werden soll

Stadt geht auch anders

Bielefeld(WB). Die Ergebnisse sind eindeutig: Die meisten Menschen nutzen die Wilhelmstraße als Verbindungsweg zwischen Jahnplatz und Kesselbrink. Mit dem Auto aber sind dort die wenigsten unterwegs.

Michael Schläger

200 Meter lang und als Parkplatz zu schade: die Wilhelmstraße zwischen Kesselbrink und Jahnplatz. Foto: Bernhard Pierel

Studenten der RWTH Aachen haben jetzt die Auswertung einer Passantenbefragung vorgestellt, die anlässlich des Aktionstages »Die Wilhelm verbindet« Anfang September durchgeführt worden war. Die nur 200 Meter lange Innenstadtstraße steht im Mittelpunkt des Forschungsprojektes Klimanetze, das vom Bundesforschungsministerium finanziert wird. Das Ziel: ein neues Nutzungskonzept für die Straße entwickeln. »Und das soll am Ende nicht in der Schublade verschwinden«, sagt Petra Schepsmeier von der Energieagentur NRW.

Sie gehört zu dem neunköpfigen Projektteam, das die Arbeit der Aachener Studenten vor Ort in Bielefeld begleitet. Es besteht aus Mitarbeitern der Stadt, der Verkehrsbetriebe Mobiel, einer Wohnungsbaugesellschaft, Vertretern von Umwelt- und Verkehrsverbänden.

Beim Aktionstag Anfang September war einfach mal ausprobiert, wie der Straße, die inzwischen vor allem als Parkplatz für eine überschaubare Zahl von Autos genutzt wird, neues urbanes Leben, ein neues Kiez-Gefühl eingehaucht werden kann. Das gelang mit Obst- und Gemüseständen, neuen Sitzgelegenheiten, einem Friseur, der sein Geschäft kurzerhand nach draußen verlegte, oder einer Kunstaktion.

170 Besucher befragt

Beim Aktionstag wurden auch 170 Besucher zur Wilhelmstraße befragt. Das Ergebnis ist nicht repräsentativ, aber es gibt ein Stimmungsbild wieder, das Studenten und Projektteam nun für ihre weiter Arbeit nutzen.

Ein Drittel der Befragten nutzt die Wilhelmstraße mehr als einmal in der Woche, zwei Drittel aber nur als schnelle Innenstadtverbindung. Nur die wenigsten wohnen an der Straße oder kommen dorthin, um eines der verbliebenen Geschäfte aufzusuchen. Und nur zehn Befragte gaben an, mit dem Auto in die Straße zu fahren. 95 Prozent sind dort zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Für den motorisierten Individualverkehr eignet sich die Straße auch kaum noch, denn wer die Einbahnstraße vom Kesselbrink aus nutzt, fährt quasi im Kreis, zumal Abbiegen in die Friedrich-Verleger-Straße wiederum nur in Richtung Kesselbrink möglich ist.

»Die Erkenntnisse der Befragung wollen wir nutzen, um konkrete Vorschläge für die Umgestaltung der Straße zu machen«, sagt Petra Schepsmeier. Voraussichtlich schon in dieser Woche werden die Studenten am Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH Aachen ihre Projektskizzen vorstellen, die aufzeigen sollen, wie die Straße zu einem urbanen Treffpunkt werden kann – ohne Autoverkehr. Ausgestellt werden die Ergebnisse in der Volksbank, ebenfalls Anliegerin der Wilhelmstraße.

Noch vor der Sommerpause will Martin Wörmann, Leiter des städtischen Umweltamtes und Mitglied der Projektgruppe, die Ergebnisse auch in der Bezirksvertretung Mitte präsentieren. Er erhofft sich einen Planungsauftrag der Politik, damit auch umgesetzt werden kann, was an Ideen zusammengekommen ist.

»Ganz wichtig ist uns auch die Bürgerbeteiligung«, betont derweil Petra Schepsmeier. Schon bisher habe die Projektgruppe stets den Kontakt zu Anwohnern, Geschäftsleuten und Nutzern der Wilhelmstraße gesucht. Und das soll auch im weiteren Planungsprozess so bleiben.

Startseite
ANZEIGE