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Neues Einzelhandelskonzept für Bielefeld sieht Überplanung der »grünen Lunge Brackwedes« vor

Stadtpark soll Gewerbefläche werden

Bielefeld (WB). Große, attraktive Flächen zur Gewerbe-Ansiedlung sind rar in Brackwede – allerdings nicht dann, wenn die Planer die Ökologie vernachlässigen und die letzten Grünflächen mit einbeziehen. So sieht die Fortschreibung des städtischen Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes vor, den so genannten zentralen Versorgungsbereich aus Richtung der Hauptstraße in den Brackweder Stadtpark zu erweitern.

Markus Poch

Alte Bäume, Blumenbeete und eine große, zentrale Rasenfläche prägen den Brackweder Stadtpark. Doch wenn Planer und Politiker dort eine Gewerbefläche haben wollen, dann werden die Krokusse das nicht verhindern können. Foto: Markus Poch

Der Entwurf stammt von den Dortmunder Stadtplanern Junker + Kruse. Nach deren Geschmack könnte sich der nach der Innenstadt zweitgrößte zentrale Versorgungsbereich Bielefelds von der Hauptstraße über die Treppenstraße und den Marktplatz bis zum südlichsten Punkt des Stadtparks erstrecken.

Inklusive Rollschuhbahn und gerade modernisiertem Kinderspielplatz, die beide ausdrücklich eingeschlossen sind, umspannt der Stadtpark eine Fläche von mehr als 17.000 Quadratmetern (siehe Grafik rechts). Damit ließe sich eine Menge anfangen. Zum Beispiel soll der an der Hauptstraße 53 seit Jahren beengt unterbrachte Aldi seine Finger nach diesem Areal ausgestreckt haben.

Auch Kolck-Parkplatz im Fokus

Lidl dagegen ist daran nicht interessiert und würde, wie berichtet, lieber am jetzigen Standort Kimbernstraße 1 in die Höhe expandieren. »Es gibt städtebaulich-gestalterisch keinen Sinn, den in Brackwede lebenden Familien so einen beliebten Ort der Freizeitgestaltung zu nehmen«, lässt der Discounter in einer Stellungnahme mitteilen.

Ob die öffentliche Grünfläche mit Bäumen und Beeten aus den frühen 70er Jahren tatsächlich einmal der Gewerbeansiedlung zur Verfügung gestellt wird, entscheiden unter anderen die Brackweder Bezirksvertreter. Die treffen sich zu einer ersten Diskussion des neuen Einzelhandelskonzeptes am nächsten Donnerstag, 28. Februar, von 16 Uhr an im Sitzungssaal Germanenstraße.

»Unter der Fragestellung ›Was ist in Brackwede möglich?« hat es natürlich schon nicht öffentliche Brainstormings mit Gewerbetreibenden und der Fachverwaltung gegeben«, erklärt Bezirksamtsleiter Hans-Georg Hellermann. Jedoch sei es vorrangig um die Ansiedlung eines Vollsortimenters oder zumindest Lebensmittel-Vollversorgers wie Edeka, Rewe, Kaufland oder Combi auf dem Kolck-Parkplatz gegangen. Möglich sei grundsätzlich alles. Vieles sei besprochen aber auch wieder verworfen worden.

Politik ist skeptisch

»Aber das Thema Stadtpark ist obsolet. Das wird nicht so kommen«, glaubt Hellermann. »Das ist die grüne Lunge Brackwedes. Da hängt der Brackweder dran. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für diese Pläne eine Mehrheit in der Bezirksvertretung gibt.« Außerdem sei es beschlossene Sache, dass im Stadtpark mittelfristig Spielgeräte für Erwachsene installiert werden – aus Mitteln der Sportförderpauschale des Landes NRW.

»Stadtpark und Spielplatz brauchen wir im Bestand. Da sollten wir nicht rangehen«, empfiehlt Carsten Krumhöfner, CDU-Fraktionschef in der Bezirksvertretung. »Wir können nicht allen Ernstes die letzte Grünfläche, die wir noch haben, mit Einzelhandel überplanen.« Da gebe es pfiffigere Lösungen, zum Beispiel den Kolck-Parkplatz. Auch sei der Marktplatz schon einmal als künftige Gewerbefläche in der Diskussion gewesen.

»Wir überplanen garantiert nicht den Brackweder Stadtpark. Das geht mit uns nicht«, betont Hans-Werner Plaßmann, SPD-Fraktionschef. Auch er favorisiert für solche Ideen den Parkplatz hinter dem Modehaus Kolck, doch für den gebe es derzeit keine Investoren. Plaßmann: »Auf jeden Fall haben wir in der nächsten Sitzung schön was zu besprechen.«

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