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Landgericht: Prozess nach drei kosmetischen Operationen – 8000 Euro für Bielefelderin

Statt Höcker eine Delle auf der Nase

Bielefeld  (WB). Drei kosmetische Operationen ließen eine Bielefelderin verzweifeln: Ihre Nase, vorher mit einem Höcker und einer zu großen Spitze, wurde nicht wie erhofft korrigiert. Jetzt verhandelte die 4. Zivilkammer des Landgericht die Klage der 29-jährigen Frau. Die Richter drängten danach Klägerin und Bielefelder Klinikärzte zu einem Vergleich: Die Frau soll 8000 Euro erhalten.

Uwe Koch

Symbolfoto Foto: dpa

Zum ersten Eingriff in der Fachklinik kam es am 9. März 2011, als die damals 22-Jährige operiert wurde. Danach habe sich, so erklärte die Klägerin am Dienstag im Prozess, »ein kleiner Höcker« auf dem Nasenrücken gebildet. Es folgte im Juli 2011 eine so genannte »Revisions-Operation«. Auch das Ergebnis danach war nicht zufriedenstellend, im Februar 2012 kam es zum dritten Eingriff.

Ihre Nase sei »immer noch schief«, sie habe »Probleme bei der Atmung«, es sei eine »deutliche Delle im Nasenbein«, die Nasenspitze sei immer noch zu groß. Die Klage erhob die Frau, weil die erste Operation »fehlerhaft«, der zweite Eingriff »zu früh« geschehen sei und beim dritten chirurgischen Versuch »zuviel Knorpel abgetragen« worden sei.

Ärzte weisen Vorwürfe zurück

Ärzte und Klinik wiesen die Vorwürfe zurück, denn die Frau sei »fachgerecht operiert« worden. Ein Urteil, dem sich Chirurg Dr. Joerg Schipper, HNO-Chef der Uni-Klinik Düsseldorf, am Dienstag nur bedingt anschließen mochte. So wäre im März 2011 »das Nasengerüst mit einer Osteotomie (Aufschneiden des Knochens, d. Red:) besser gerichtet« worden. Ein Behandlungsfehler sei das jedoch nicht.

Warum sich danach ein Höcker gebildet habe, konnte Schipper »nicht beurteilen. Ich kann’s nicht sagen«, kritisierte er die »spärliche und karge« Dokumentation aller drei Operationen in der Bielefelder Privatklinik. Auch Fotos seien nicht ausreichend gemacht worden.

»Das ist schon so lange her«

So sei »auch nicht klar, warum am 26. Februar 2011« die zweite Revision erfolgte. Ein Arzt konnte die Fragen der Richter dazu deshalb nicht klären, weil »das schon so lange her ist«. Die nun vorhandene »Delle« auf dem Nasenrücken bezeichnete der Gutachter indes als nur »geringe Absenkung«. Allerdings habe die Nasenspitze nun die Form eines »Papageienschnabels«.

Das Wunschergebnis sei nicht erreicht worden, folgerte Dr. Matthias Windmann, Vorsitzender Richter der 4. Zivilkammer, es gebe »zwei missglückte Operationen und »nur unzureichende Operations-Dokumentationen«. Sein Gericht drängte daher die Prozessparteien zum Vergleich, der bis Ende Juli geprüft werden kann: Die Bielefelderin erhält von der Klinik und den Ärzten insgesamt 8000 Euro, damit seien dann »alle Ansprüche abgegolten«.

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