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Bielefelder Biologe bepflanzt punktuell die Uferzonen des Naturprojektes

Stauden-Karl hilft am Quelle-See

Bielefeld

Seit dem Abschluss der Baggerarbeiten vor knapp zwei Jahren hat die Queller Familie Meyer zu Bentrup den Bewuchs des fünf Hektar großen Quelle-Sees und seines Umlandes weitestgehend sich selbst überlassen. Allerlei Gräser, Kräuter und Sumpfpflanzen sind dort inzwischen von alleine heimisch geworden. Manche Gewächse, zum Beispiel Beifuß, Kanadische Goldrute, Johanniskraut oder Rohrkolben, wuchern bereits großflächig, andere dagegen sind kaum vertreten oder fehlen noch ganz.

Markus Poch

Nutzt die vorerst letzten herbstlichen Sonnenstrahlen zum Pflanzen und Aussäen heimischer Gewächse aus zumeist eigener Zucht: der Brackweder Biologe und Gärtner Stauden-Karl (58) am Quelle-See. Foto: Markus Poch

Jetzt will Grundstückseigentümer Claus Meyer zu Bentrup den aggressivsten Wildwuchs punktuell eindämmen und gleichzeitig einer sensibleren Flora ein wenig auf die Sprünge helfen. Dazu hat er den Brackweder Biologen und Gärtner Karl-Heinz Gartemann, unter örtlichen Botanikern bekannt als Stauden-Karl, mit ins Boot seines Naturprojektes geholt. Wie sein Name vermuten lässt, kennt sich der 58-Jährige mit Haltung, Pflege und Vermehrung heimischer Stauden aus; an denen mangelt es in Seenähe noch.

Wie das WESTFALEN-BLATT berichtete, soll der Quelle-See zum einen zur Bademöglichkeit für die Übernachtungsgäste des benachbarten, ebenfalls familieneigenen Campingplatzes werden, zum anderen zum wertvollen Rückzugsraum für Amphibien, Reptilien und Vögel. Die Bepflanzung des sandigen Terrains, das zuvor über Jahre ein Erdbeer- und Spargelacker war, spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Nach Meyer zu Bentrups Vorstellungen soll auf dem gut acht Hektar großen Grundstück von Frühjahr bis Herbst die größtmögliche Auswahl an für die Insektenwelt attraktiven Blühpflanzen stehen. Er weiß: Wenn es gelingt, Insekten und Spinnentiere anzulocken, sie mit einem guten Nahrungsangebot und ausreichend Versteckplätzen dauerhaft zu binden, bestehen gute Chancen, dass auch deren Fressfeinde wie Frösche, Eidechsen und viele Vogelarten sich dort gerne aufhalten, vielleicht sogar fortpflanzen. Stauden-Karl soll dabei mithelfen, eine gute Basis zu schaffen.

„Als klassisches Renaturierungsprojekt sehe ich es nicht, aber schon als den Versuch, einen naturnahen Lebensraum zu schaffen, in dem sich möglichst viele Pflanzen und Tiere auf Dauer wohl fühlen – eine super Sache“, urteilt Karl-Heinz Gartemann. Um die vorerst letzten herbstlichen Sonnenstrahlen zum Pflanzen und Aussäen zu nutzen, war er bereits mehrfach am Quelle-See. Sein vorläufiges Ziel ist, „in unterschiedlich feuchten Bereichen zehn Pflanzinseln von vier bis zehn Quadratmetern Ausdehnung anzulegen, so dass alle Pflanzen die Chance kriegen, sich zu etablieren.“

Im Umfeld einer für Eidechsen und Insekten neu angelegten Trockenmauer hat er zum Beispiel Heidenelke, Rote Lichtnelke, Betonie und Dornige Hauhechel eingepflanzt sowie Herzgespann und zwei Malvenarten ausgesät. Näher am See sollen sich Kuckucks-Lichtnelke, Prachtnelke, Beinwell, Wasserminze und Gilbweiderich entfalten. In feuchteren Bereichen, wo größere Arten Platz haben, sieht er Blutweiderich, Schwertlilie, Wasserdost, Langblättrigen Ehrenpreis oder Wiesenraute. Die meisten der heimischen Gewächse sind Stauden, die er selbst aus Ablegern oder Samen gezogen hat.

„Wenn sie sich am neuen Standort erst etabliert haben, sind sie weniger anfällig als am Anfang“, sagt Stauden-Karl. „Das heißt aber nicht automatisch, dass alle Arten nach zehn Jahren noch da sind. Manche werden dem Konkurrenzdruck sicher nicht standhalten.“ Auch deshalb geht der Biologe gegen bestimmte Wucherpflanzen rigoros vor: Junge Weiden, Birken, Amerikanische Traubenkirschen oder Brombeeren werden sofort mit Wurzeln herausgerupft. Sie landen auf dem Kompost.

Im Frühjahr will Stauden-Karl seine Pflanzungen und Aussaaten am Quelle-See fortsetzen und dann auch beobachten, inwieweit der Badebetrieb sich auf die Flora auswirkt. Die Meyer zu Bentrups rechnen weiter damit, dass der Badesee im Sommer 2021 öffnen kann.

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