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Tradition des Kinderchores wird im sechsten Weihnachtskonzert fortgesetzt

Stehende Ovationen für die Ehemaligen

Bielefeld (sas). Zum Schluss gab es heftigen Applaus, stehende Ovationen und ein begeistertes Publikum. Zu Recht: Die Ehemaligen des Bielefelder Kinderchores haben am Samstagabend bewiesen, dass die Ausbildung, die sie einst genießen durften, noch immer Früchte trägt. Zudem hatte der Verein der Ehemaligen ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt.

Sandra Botor dirigiert seit diesem Jahr den Projektchor. Das ist neu. Geblieben sind hingegen die weißen Blusen (mit aufgekrempelten Ärmeln). Foto: Hendrik Uffmann

Anreise aus Finnland und Dänemark

Zum sechsten Mal hatte die „Vereinigung ehemaliger Chormitglieder des Bielefelder Kinderchores“ zum großen Weihnachtskonzert geladen. Natürlich in die Oetkerhalle, „an den alten Ort“, wie der Vorsitzende Frank Gerstenberger sagte. Und der große Saal war rappelvoll. Viele Ehemalige hatten es sich nicht nehmen lassen, zu dem Traditionskonzert anzureisen, freuten sich, einander wiederzusehen. Den weitesten Weg hatte Dietmar Vinke zurückgelegt: Er lebt heute im Norden Finnlands und hatte seinen Weihnachtsbesuch in der alten Heimat so organisiert, dass er dabei sein konnte. Dietmar Henzel war eigens aus Dänemark angereist, andere, die es nach München verschlagen hat, hatten eine Fahrgemeinschaft gebildet, um das Konzert zu besuchen.

„Wir haben 2014 mit 19 Vereinsgründern begonnen. Heute zählt unser Verein 77 Mitglieder. Es zieht Kreise“, freute sich Schatzmeister Wolfgang Hoecker. Nach Samstagabend dürften es noch einige mehr sein... „Wir haben voller Enthusiasmus angefangen, viel improvisiert, aber auch viel richtig gemacht“, resümierte Gerstenberger bei der Begrüßung. Besonders dankte er der neuen Chorleiterin Sandra Botor. Sie habe geholfen, den Klang des Chores zu erhalten.

Dirigentin Sandra Botor

Und sie dirigierte nicht nur den Ehemaligen-Chor auf der Bühne, in dem sich Sänger und Sängerinnen zwischen 18 und fast 80 zusammenfinden, mit Charme: Auch das Publikum „hörte“ auf sie. Denn erneut durfte der ganze Saal manche Lieder mitsingen. Ganz eindeutig: Darunter waren einige geschulte Stimmen. Diejenigen, die nicht textsicher waren, konnten den Text von einer großen Leinwand, auf die ansonsten Fotos winterlicher Landschaften, Zeichnungen oder stimmungsvolle Kirchenfenster projiziert wurden, ablesen.

Eingeläutet aber wurde das Konzert mit Glockenklang, bevor getragen „Verschneiter Wald“ folgte. Das Repertoire setzte sich aus den traditionellen Liedern zusammen, die der Bielefelder Kinderchor unter seinen Leiterin Friedrich und Jürgen Oberschelp jahrzehntelang gesungen hatte. Bekannte und weniger bekannte, stimmungsvolle und jubilierende Lieder versetzten das Publikum in vorweihnachtliche Stimmung. „Ach, war das schön“, seufzte am Ende eine Besucherin.

Am Cello der 17-jährige Julian Krämer

Dazwischen gab es immer wieder auch Beiträge von Solisten. Der Hannoveraner Julian Krämer, 17 Jahre jung, spielte auf dem Cello Stücke von Rachmaninoff und Saint-Saens, Saskia Klause, Joachim Kwiotek, Pascale Ruffing, und Maren Sladek traten als Gesangssolisten hervor, nicht zu vergessen Claudia Burkhard, die schon in den Achtzigern Solistin des Kinderchores war und dem Publikum als klangvolle Altistin bekannt. Sie führte zudem durch den Abend.

Auch „Cantabile“, ebenfalls ein Chor ehemaliger Sängerinnen des Bielefelder Kinderchores, bewies Stimme. Dabei gehörten alle Sängerinnen der Generation „Friedrich Oberschelp“ an. Der herzliche Applaus rührte Dirigentin Ingrid Drallé. Und schließlich muss Jan Král an Orgel und Flügel erwähnt werden. Auch er hält dem Chor die Treue und reiste eigens aus Tschechien an. Er glänzte nicht nur als Begleiter, sondern auch mit Improvisationen.

Zuversichtlich: Auch 2020 gibt es ein Konzert

Am Ende des Abends, bevor alle zusammen aus ganzem Herzen „O du Fröhliche“ und „Ehre sei Gott in der Höhe“ sangen und sich Ehemalige aus dem Publikum zu den Sängern auf der Bühne gesellten, gab es das Versprechen eines siebten Weihnachtskonzertes im kommenden Jahr – trotz eines großen Problems: Denn die deutliche Erhöhung der Oetkerhallen-Miete macht auch den Ehemaligen des Kinderchores zu schaffen. Von 2.800 auf 7.800 Euro stemmt ein Verein nicht ohne Weiteres, machte Gerstenberger deutlich. In diesem Jahr half eine Spende, und auf Sponsoren setzt der Chor auch für das kommende Jahr. Mancher gab sofort Samstagabend etwas, andere traten spontan dem Verein bei und knüpften so an alte Zeiten an. „Viele haben das Gefühl, dass der Chor in ihrem Leben etwas Tolles war; es entstanden Freundschaften über den Chor hinaus“, betonen Wolfgang Hoecker und Dietmar Vinke.

Im Übrigen möchte der Projektchor der Ehemaligen auch den Nachwuchs fördern: Neue Sänger sind willkommen. Die erste Probe im neuen Jahr soll am 9. Februar in der Queller Johanneskirche, Georgstraße, sein. Dort findet auch ein zweites Nach-Weihnachtskonzert am 4. Januar, 16 Uhr, statt. Der Eintritt ist frei, eine Spende erbeten.

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