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MM Graphia Bielefeld: Betriebsrat und Geschäftsführung treffen sich vor dem Arbeitsgericht

Streit um Kurzarbeit beigelegt

Bielefeld(WB).

Vor der ersten Kammer des Arbeitsgerichts Bielefeld haben sich die Geschäftsführung von MM Graphia Bielefeld und der Betriebsrat in ihrem Streit um die Kurzarbeit geeinigt.

Markus Poch

Seit 1929 in Brackwede ansässig, doch aktuell vor einer ungewissen Zukunft: die Firma MM Graphia Bielefeld. Foto: Bernhard Pierel

Das Brackweder Unternehmen, seit 2002 ein Außenposten des Wiener Druckerei-Konzerns Mayr-Melnhof (MM) Packaging International, hatte im Juni 2020 für bestimmte Bereiche Kurzarbeit beantragt und dazu jeweils auch die Zustimmung des Betriebsrates eingeholt. Im Monat Dezember allerdings wurde die Kurzarbeit ohne Zustimmung des Betriebsrates fortgesetzt. Richter Joachim Kleveman nannte dies eine „robuste Vorgehensweise“. Darum ging es nun in der Verhandlung.

Der Betriebsrat, vertreten durch seinen stellvertretenden Vorsitzenden Constantin Van der Most, stimmte am Ende der für Dezember beantragten Kurzarbeit nachträglich zu. Im Gegenzug verpflichtete sich die Firmenleitung, vertreten durch Geschäftsführer Rainer Schmidt, von Januar 2021 an Kurzarbeit nur dann anzuordnen, wenn tatsächlich eine Zustimmung des Betriebsrates vorliegt.

Betriebsratsanwalt Joachim Wagner wertete den Vergleich als Sieg für seine Mandanten, „denn ein Arbeitgeber kann nicht einfach machen, was er will“, sagte er dem WESTFALEN-BLATT.

Der Betriebsrat hatte der Kurzarbeit für den Monat Dezember deshalb nicht zugestimmt, weil die Belegschaft annimmt, dass genügend Aufträge vorhanden sind. Es wird aber befürchtet, dass die Geschäftsführung von MM Graphia Bielefeld schon jetzt absichtlich Aufträge an die beiden anderen, angeblich wenig ausgelasteten MM-Standorte in Trier und Delmenhorst verteilt. Diese seien nach eigenen Angaben aber bereits „rappelvoll“ mit Aufträgen und müssten dann Sonderschichten fahren. Das wiederum stritt Geschäftsführer Schmidt ab: Eine Umverteilung von Aufträgen aus Brackwede an andere Standorte sei schon aus technischen Gründen so gar nicht möglich.

Hinter der Befürchtung des Betriebsrates steht der Unternehmensplan, die Sparte Tiefdruck des Brackweder Werkes auflösen zu wollen. Wie diese Zeitung berichtete, wären davon 64 Arbeitsplätze betroffen. Deren Wegfall könnte laut Betriebsratschef Burkhard Winterhoff den gesamten Standort mit insgesamt 245 Mitarbeitern in Schieflage bringen.

Die Firma Graphia ist seit 1929 in Brackwede verwurzelt. Zu Spitzenzeiten hatte sie schon einmal mehr als 1000 Mitarbeiter.

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