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Bielefelds Forstleiter Herbert Linnemann macht Trockenheit für die Schäden verantwortlich

Strothbachwald: Fällung alternativlos

Bielefeld (WB). „Wenn wir noch ein paar weitere Jahre so eine Trockenheit haben, dann mache ich mir große Sorgen um den Wald“, sagt Herbert Linnemann, Abteilungsleiter Forst im Umweltbetrieb, während er im Strothbachwald neben einer gefällten Buche steht. Deren Stamm weist sichtbaren Pilzbefall auf. Vier etwa 140 Jahre alte Buchen und 60 Birken mussten gefällt werden, weil sie laut Linnemann so stark geschädigt waren, dass die Verkehrssicherheit an der Gildemeisterstraße nicht mehr gewährt werden konnte.

Kerstin Sewöster

An dieser etwa 140 Jahre alten Buche ist deutlich zu sehen, wie stark der Baum geschädigt war. Herbert Linnemann, Abteilungsleiter Forst im Umweltbetrieb, und sein Team haben im Strothbachwald 60 Birken und vier Buchen gefällt. Foto: Kerstin Sewöster

Der Strothbachwald in Sennestadt ist ein knapp drei Hektar großes Kleinod, das Schwarzspechten, Hohltauben und seltenen Fledermausarten Lebensraum bietet. Mit deutlicher Kritik haben Naturschützer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), vom Naturschutzbund (Nabu) und vom Sennestadtverein darauf reagiert, dass in dem Naturschutzgebiet die Bäume gefällt wurden (siehe Bericht am 18. Dezember).

Abteilungsleiter Forst reagiert auf Vorwürfe

Mit einem Ortstermin reagiert der Abteilungsleiter Forst nun auf die Vorwürfe, dass der Umweltbetrieb „in Umfang und Intensität“ über das Ziel der Verkehrssicherung hinausgeschossen sei. Laut Linnemann gab es keine Alternative zu der Fällaktion, bei der entlang der Gildemeisterstraße in einem baumlangen Streifen, also auf einer Breite von gut 20 Metern, alle Birken entfernt wurden.

Deutlich ins Auge fällt der Pilz am Birkenstamm mit der typischen weiß-braunen Färbung. „Er entwickelt sich erst unter der Rinde und ist anfangs äußerlich kaum zu erkennen“, erklärt Linnemann. Bei den 60 gefällten Birken ist der Pilzbefall aber schon so stark fortgeschritten, dass die Fruchtkörper auf der Rinde gut sichtbar sind. Ganz leicht lassen sich zudem große Stücke Rinde vom Stamm ziehen, wie Forsttechniker Henrik Jazwinski demonstriert.

Linnemann macht die lang anhaltende Trockenheit für den schlechten Zustand der Bäume verantwortlich. „Wir haben schon vor einem Jahr 4o Birken aus dem Wald genommen“, sagt er. Die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre werde den Wald sicher noch die nächsten vier Jahre belasten. Dass die Bäume in keinem guten Zustand sind, verrät auch ein Blick in die Baumwipfel. „Zopftrockenheit“ nennen es die Fachleute, wenn sich die Baumkrone zurückbildet und im oberen Bereich des Baumes kaum noch Äste wachsen.

Fahrzeuge hinterlassen spuren

Eine der stattlichen Buchen sieht im Wurzelbereich kerngesund aus, doch wie Linnemann erklärt sind die oberen zwei Drittel des Baumes so stark geschädigt, dass nur das Fällen in Frage kam. Eine andere Buche weist deutliche Fäulnis an der Sägestelle auf. Eine etwas schmalere Buche musste weichen, obwohl sie keine Schäden aufwies. „Wir mussten abwägen“, erklärt Linnemann. Der Nachbarbaum habe gefällt werden müssen, und man habe die anderen wertvolleren Bäume erhalten wollen.

Der Vorwurf der Naturschützer, der Umweltbetrieb habe mit schwerem Fahrzeug Spuren hinterlassen und Stechpalmenbewuchs zerstört, ficht Linnemann nicht an: „Für Bäume dieser Größe brauchen wir Schlepper, Seilwinde und Kran, das geht nicht mit Rückepferden.“ Ein Teil des Holzes im Randgebiet wird zur Weiterverwendung als Brennholz freigegeben, die Bäume, die weit genug von der Straße entfernt liegen, bleiben als wertvolles Totholz sich selbst überlassen. In den gefällten Bäumen haben sich keine Bruthöhlen für Fledermäuse oder Vögel befunden, versichert Linnenmann, der aber auch betont, dass der Schutz des Menschen immer vorgehe.

Der Strothbachwald liegt den Naturschützern und dem Sennestadtverein besonders am Herzen. Jahrelang wurde darum gerungen, das wertvolle Waldstück unter Schutz zu stellen – entgegen schwerwiegender wirtschaftlicher Interessen. Die Spedition Wahl & Co. wollte ihr Firmengelände in den Wald hinein erweitern, was nun nicht mehr möglich ist.

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