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Runder Tisch Konversion berät über die Zukunft der Briten-Siedlung Sperberstraße

Teilabriss wird wahrscheinlicher

Bielefeld (WB). Die Briten-Siedlung an der Sperberstraße steht vor großen Veränderungen. Es zeichnet sich ab, dass nach einem Erwerb der Reihenhäuser durch die Stadt zumindest ein Teil der Gebäude abgerissen werden könnte, um Platz für Neubauten und insgesamt mehr Wohneinheiten zu schaffen.

Hendrik Uffmann

Aus 48 Wohneinheiten überwiegend in Reihenhäusern besteht die Siedlung an der Sperberstraße. Foto: Thomas F. Starke

Nachdem das Planungsbüro Reicher Haase Associierte aus Aachen Mitte April, wie berichtet, im Rahmen eines öffentlichen Bürgerforums im Freizeitzentrum Stieghorst neun mögliche Varianten für eine Entwicklung des Gebiets mit bislang 48 Wohneinheiten vorgestellt hatte, beschäftigte sich am Montagabend der Runde Tisch zum Thema Konversion in ebenfalls öffentlicher Sitzung vor fast 40 Besuchern in der Ravensberger Spinnerei mit der Zukunft der Siedlung.

Das Wohngebiet ist das erste in Bielefeld, das von den Briten geräumt wurde und das die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zum Verkauf anbietet. Wie berichtet, hat die Stadt Bielefeld beschlossen, ihr Erstzugriffsrecht für die Häuser zu nutzen. »Für uns ist die Sperberstraße auch ein Pilotobjekt. Die Architektur ist mit den anderen Wohnsiedlungen vergleichbar, so dass der heutige Prozess auch ein Modell für andere Siedlungen sein kann«, erklärte Sven Dodenhoff vom städtischem Bauamt.

Neun Varianten

Björn Wehmeier (Bauamt) stellte erneut die neun Varianten vor, die alle noch weiter verfeinert und überarbeitet werden könnten, wie Dodenhoff betonte. Diese reichen vom Erhalt der jetzigen Bebauung bis zum kompletten Abriss der Häuser – die Varianten dazwischen sehen eine Mischung aus Erhalt und Neubauten in unterschiedlicher Gewichtung vor.

Der Zustand der Häuser ist laut der Analyse des Büros Reicher Haase gepflegt, jedoch sind diese sanierungsbedürftig – unter anderem gibt es undichte Dächer, Feuchtigkeitsschäden in den Kellern und Asbestbelastungen in den Schornsteinen. Außerdem seien die Häuser klein und auch durch aufwändige und teure Umbaumaßnahmen kaum mit einem zeitgemäßen und gut nutzbaren Grundriss auszustatten.

Für die Verhandlungen mit der BIMA seien die verschiedenen Varianten zunächst nicht entscheidend, erklärte Dodenhoff. Denn unabhängig von der Quote an sozialem Wohnungsbau müsse die Stadt mindesten 80 Prozent des Verkehrswertes bezahlen. »Der Blick auf den Kaufpreis sollte also nicht im Vordergrund stehen, wir wollen die bestmögliche städtebauliche Lösung«, so Sven Dodenhoff.

»Bezahlbarer Wohnraum« gefordert

Großen Wert auf »bezahlbaren Wohnraum«  legten alle Mitglieder des Runden Tischs. Dabei mahnten sie an, dass die Wohn- und Lebensqualität deshalb nicht weniger wichtig sei. Die »Nachbarschaft Rochdale« hatte in ihren Überlegungen zur Sperberstraße unter anderem vorgeschlagen, entlang der Oldentruper Straße einen Gebäuderiegel zu errichten, der als Parkhaus und Gemeinschaftsfläche dienen könne, damit nicht die Sozialwohnungen den Lärmschutz für dahinter liegende Einfamilienhäuser bilden müssten.

Die meisten Mitglieder des Runden Tischs sprachen sich am Montag dafür aus, mindestens einen Teil der jetzigen Häuser abzureißen, um mehr Wohnraum zu schaffen. Dabei würden neue Reihenhäuser und auch Geschosswohnungsbau errichtet, so dass zwischen acht (Variante 6) und 32 (Variante 8) neue Wohneinheiten entstünden.

Berücksichtigt werden müssten auch die verschiedenen Bedarfe, gab Sven Dodenhoff zu bedenken. Was am meisten in Bielefeld fehlte, seien kleinere, günstige Wohnungen. »Es gibt aber auch eine große Nachfrage nach Eigenheimen.« Eine komplette Neu-Überplanung sei aus Kostengründen nicht empfehlenswert. Denn es gebe Werte wie bestehende Kanäle, die dann unter Umständen aufgegeben werden müssten.

Vorschläge von einem zentralen Parkhaus bis zur Tiefgarage

Diskutiert wurde auch die verkehrliche Erschließung und die Zahl der Parkplätze in der Siedlung.  Dabei reichten die Vorschläge von einem zentralen Parkhaus über eine Tiefgarage bis zu dem Hinweis, dass es eine Nachfrage nach Stellplätzen auch direkt an den Häusern gebe.

Die am Montag gemachten Vorschläge und Anregungen sollen nun an das Büro Reicher Haase weitergeleitet werden, um in die künftigen Planungen aufgenommen zu werden. Die nächste Sitzung des Runden Tischs ist dann für den 12. Juli im Freizeitzentrum Stieghorst geplant.

● Das nächste Wohngebiet, das von den Briten geräumt wird, ist die Siedlung an der Kölner Straße in Brackwede. Diese besteht aus zwei Mehrfamilienhäusern sowie acht Reihenhäusern und Garagen. Wenn die Stadt Bielefeld die Objekte angeboten bekommt, könnte diese von ihrer Erstzugriffsoption Gebrauch machen wie am Standort Sperberstraße. Für die Konversion der Kasernenflächen an der Oldentruper Straße und der Detmolder Straße läuft aktuell die Ausschreibung für die Vergabe an ein Planungsbüro, die bis zum Oktober abgeschlossen sein soll.

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