1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Therapie statt Gefängnis

  8. >

Landgericht Bielefeld urteilt im Prozess wegen versuchten Mordes unter Schülerinnen

Therapie statt Gefängnis

Bielefeld (WB/dpa)

Nach einem Angriff auf eine Mitschülerin hat das Landgericht Bielefeld am Mittwoch ein 15-jähriges Mädchen wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Ins Gefängnis muss die junge Bielefelderin allerdings nicht.

wn

Am Abend des 26. April 2020 hatte die damals 14-jährige Bielefelderin eine Mitschülerin nach Hause gelockt und auf sie eingestochen. Foto: Christian Müller

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung gefordert hatte, ordnete das Gericht eine einjährige Therapie an und appellierte an die Jugendliche, diese nicht abzubrechen, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Die bei der Tat 14-Jährige soll so die Chance erhalten, einer Fehlentwicklung der Persönlichkeit entgegenzuwirken, begründete das Gericht die Entscheidung. Eine Jugendstrafe sei dazu nicht geeignet.

Angeklagt war das Mädchen wegen versuchten Mordes. Die junge Bielefelderin hatte im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Angriff auf eine Mitschülerin im April 2020 eingestanden. Dabei hatte sie die Freundin unter einem Vorwand zu sich nach Hause gelockt und mit einem Messer und Fußtritten verletzt.

Allerdings sei das Tatwerkzeug für einen Angriff eher ungeeignet gewesen, stellte das Gericht fest. Von einer Tötungshandlung habe das Mädchen Abstand genommen. Die Angeklagte gab als Motiv an, sich von der ehemals besten Freundin gedemütigt und zurückgesetzt gefühlt zu haben. So sei sie vor den Mitschülern an den Haaren gezogen worden.

Die Richter gingen bei ihrem Urteil von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Startseite