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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinden veranstalten Gottesdienst für Mensch und Tier

„Tiere sind Teil der Schöpfung“

Bielefeld-Brake

Pfarrerin Heike Stöcklein öffnet die Arme und segnet die Hunde zu ihren Füßen: die elfjährige Boxer-Dame Emma und die vierjährige Lotte, ein Pinscher aus der Slowakei. „Wir haben Lotte erst vor kurzem aus dem Tierheim gerettet und bei uns aufgenommen“, erklärt Besitzerin Tanja Kloppenborg.

Von Philipp Körtgen

Pfarrerin Dr. Heike Stöcklein segnet die Hunde der Besucherinnen Nele und Tanja Kloppenborg Foto: Philipp Körtgen

Zusammen mit rund 90 Besuchern nutzte sie am Sonntag die Gelegenheit, sich und ihren Tieren den göttlichen Segen abzuholen. Die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Brake und Altenhagen-Milse hatten erstmals zu einem Gottesdienst für Mensch und Tier eingeladen. Er fand unter freiem Himmel auf dem Hof Meyer zu Jerrendorf statt.

Die Besucher brachten Doggen, Collies und Golden Retriever mit, aber auch Pferde und Shetland-Ponys vom Hof waren dabei. „Wir probieren aktuell viel Neues aus“, erklärte Diakon Manuel Pieper. „Seit 2022 sind wir Minderheitskirche. Ich denke, wir müssen daher neue Formen der Ansprache finden.“ Auch ein Biker-Gottesdienst sei bereits im Gespräch gewesen.

Den Gedanken vom Menschen als der Krone der Schöpfung wies Pieper in seiner Predigt zurück. „Woher kommt dieser Gedanke? Steht das in der Bibel? Ich habe nachgesehen und nichts gefunden.“ Schon jetzt habe der Mensch zwei Drittel des weltweiten Tierbestands vernichtet. „Tiere sind Teil der Schöpfung, deren Bewahrung auch Aufgabe der Kirche ist.“

Nicht nur kleine Haustiere hatten die Besucher des Gottesdienstes mitgebracht. Diakon Manuel Pieper segnete auch ein Pferd. Foto: Philipp Körtgen

Kritische Worte fand der Diakon auch beim Thema Massentierhaltung. Im Schlachtbetrieb Tönnies würden pro Tag bis zu 25.000 Schweine getötet. „Sie werden zwar mit CO2 betäubt, aber dabei bildet sich Kohlensäure auf der Zunge, die einen stechenden Schmerz verursacht.“ Im Schnitt würden die Tiere erst nach zehn bis 30 Sekunden ohnmächtig.

Die Spenden aus der Kollekte gingen diesmal an den Verein „Bullterrier in Not“ aus Herford. Die Vorsitzende Claudia Schürmann hatte in ihrer Gastrede auf die Sensibilität von Hunden aufmerksam gemacht. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie unsere Mimik verstehen können.“

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