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Arbeiter fällt aus Bielefelder Telekom-Hochhaus – erstmals Details zum Unfallgrund

Todessturz: Opfer nicht richtig gesichert

Bielefeld (WB/hz). Die Staatsanwaltschaft hat nach fast einem Jahr erstmals Details zum tödlichen Sturz eines Bauarbeiters (27) am 11. September 2019 aus dem 17. Stock des ehemaligen Bielefelder Telekom-Hochhauses bekannt gegeben. Gegen drei Verantwortliche (30/31/51) der damals bauausführenden Firma wird wegen des Verdachts der fahrlässiger Tötung ermittelt.

Nach dem tödlichen Arbeitsunfall am 11. September 2019 sicherten Streifenwagenbesatzungen der Polizei den Ort. Foto: C. Müller

Christopher York, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld, sagte, dass der junge Bauarbeiter bei den seinerzeit laufenden Entkernungsarbeiten damit beschäftigt gewesen sei, Fensterdichtungen in etwa 70 Metern Höhe zu entfernen. Dabei verlor der offenbar ungesicherte 27-jährige Pole das Gleichgewicht und stürzte durch einen leeren Fensterrahmen an Bielefelds höchstem Bauwerk. „Die Glasscheiben waren schon entfernt worden“, erklärte der Staatsanwalt den Unfallhergang.

Ein Gutachten des Dezernates für Arbeitsschutz der Bezirksregierung Detmold komme zu dem Schluss, dass der Vorarbeiter, der Objektleiter und der Geschäftsführer der bauausführenden Firma aus dem rheinländischen Monheim gegen Arbeitsrechts-Vorschriften verstoßen haben könnten, sagte York. „Es wird geprüft, wer welche Verantwortung getragen hat“, sagte der Staatsanwaltschaftssprecher zum Stand der Ermittlungen. Einen Zeugen habe man bislang noch nicht zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung befragen können. „Der Aufenthaltsort des Vorarbeiters, der wie das Todesopfer ebenfalls aus Polen stammt, ist derzeit unbekannt“, berichtete York. Der 30-jährige Mann sei aber nicht auf der Flucht oder vor den Ermittlern abgetaucht.

Der tödliche Arbeitsunfall passierte am 11. September vergangenen Jahres. Das Opfer war nach dem Sturz aus dem 17. Stock sofort tot. Dass die Ermittlungen ungewöhnlich lange dauern und erst viele Monate später richtig in Fahrt kommen, sei der Coronavirus-Krise geschuldet, heißt es übereinstimmend von der Staatsanwaltschaft und der Bezirksregierung Detmold.

Das ehemalige Telekom-Hochhaus am Kesselbrink gehört seit fast zwei Jahren der Bielefelder Goldbeck-Gruppe. Erst wurde das Gebäude entkernt, dann die Fassade demontiert. Zur Zeit sieht das höchste Haus der Stadt wie ein Rohbau aus. Im Frühjahr hatte Goldbeck angekündigt, dass geplant sei, bis zu diesem Herbst die Außenfassade neu zu gestalten.

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