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Bielefelder Fall aus dem Jahre 2015 wird in Hagen neu verhandelt

Totes Baby: Vater erneut vor Gericht

Bielefeld (WB/St). Mehr als vier Jahre nach dem Tod eines Säuglings in Gellershagen wird der Fall erneut verhandelt. Der heute 36 Jahre alte Vater des Kindes muss sich vom 7. Februar an vor dem Landgericht in Hagen verantworten.

Der Vater des Säuglings mit seinem Anwalt Alexander Klemme beim Prozessauftakt im Oktober 2016. Foto: Büscher/Archiv

Der Mann war im Herbst 2016 vom Bielefelder Schwurgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Staatsanwalt Veit Walter hatte gegen das Urteil Revision eingelegt, der Bundesgerichtshof bei dem Urteil massive Mängel festgestellt und den Fall an eine andere Strafkammer, in diesem Fall an das Landgericht in Hagen, verwiesen.

Säuglinge schwer misshandelt

Die BGH-Richter rügten im August 2017 unter anderem, dass die Bielefelder Richter die schweren Misshandlungen der Säuglinge vor dem Tod des Babys bei ihrem Urteil nicht angemessen berücksichtigt hätten. In Hagen wird der Fall im Februar und März nun an fünf Terminen neu verhandelt.

Dem Vater wird versuchter Totschlag durch Unterlassen, Missbrauch von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen vorgeworfen. Der vorbestrafte Mann soll im November 2015 nach dem Konsum von Drogen seine beiden drei Monate alten Zwillinge in der Wohnung seiner Lebensgefährtin in der Weihestraße zunächst auf den Arm genommen und dann fallen gelassen haben.

Tod billigend in Kauf genommen

Anschließend soll er auf eines der Kinder getreten sein, danach habe er sich schlafen gelegt, ohne seine Lebensgefährtin oder einen Arzt informiert zu haben, heißt es in der Anklage. Dabei soll ihm die Möglichkeit, dass die Kinder infolge der Verletzungen versterben können, bewusst gewesen ein. Dies habe er billigend in Kauf genommen.

Am folgenden Morgen hatte ein Notarzt den Tod eines der Kinder festgestellt. Als Todesursache hatten Rechtsmediziner jedoch eine Lungenentzündung ausgemacht, die zu einem massiven Organversagen geführt hatte. Bei der Obduktion waren jedoch auch mehrere Knochenbrüche festgestellt worden, der Schädel war an zwei Stellen geborsten, im Hirn fanden sich Unterblutungen.

Sowohl bei dem toten Baby als auch bei der Zwillingsschwester waren ältere und frische Knochenbrüche diagnostiziert worden, die auf Misshandlungen hindeuten. Vater und Mutter konnten sich die Verletzungen nicht erklären und beschuldigten sich gegenseitig.

Paar bekam viertes Kind

Das schwer verletzte zweite Baby kam nach Genesung ebenso in eine Pflegefamilie wie der zur Tatzeit drei Jahre alte Bruder. Das Paar hatte sich nach dem Vorfall zunächst getrennt, lebt jedoch wieder im Kreis Lippe zusammen und bekam noch ein viertes Kind, das inzwischen ebenfalls in eine Pflegefamilie lebt.

Gutachten in Auftrag gegeben

Ursprünglich hatte der Prozess in Hagen bereits im Jahr 2018 stattfinden sollen. Das dortige Schwurgericht musste nach Auskunft von Bernhard Kuchler, Sprecher des Landgerichts Hagen, in den Jahren 2018 und 2019 vorrangig Verfahren verhandeln, in denen sich die Angeklagten in Untersuchungshaft befanden. Außerdem wurde ein forensisch-psychiatrisches Gutachten unter anderem zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten eingeholt.

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