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Beschicker sind verunsichert, mancher zögert – Dennoch wird geplant

Trotz Corona: Vorbereitung auf Weihnachtsmarkt

Bielefeld (WB). „Wir sind in gespannter Erwartung“, bringt Stephan Kipp die Stimmung der Bielefelder Lions-Clubs auf den Punkt. Seit mehr als 40 Jahren betreiben die auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühweinstand, der wohl zu den bekanntesten zählt und stets regelrecht umlagert ist. Das wird in diesem Jahr nicht zulässig sein.

Sabine Schulze

Robert Deichsel auf dem Alten Markt – dort, wo der Lions-Glühweinstand seit gut 40 Jahren Heißgetränke ausschenkt. Jedes Jahr gibt es auch neue Becher, die längst Sammelobjekte sind. Der 2020er-Becher ist noch nicht in Auftrag gegeben... Fotos: Bernhard Pierel Foto:

Immerhin, sagt Kipp, habe die Landesregierung signalisiert, dass es Weihnachtsmärkte auch in diesem Corona-Jahr geben soll. Einschränkend muss man sagen: nach heutigem Stand. Die Organisatoren der Lions-Clubs Sparrenberg, Ravensberg und Phönix sowie der junge Leo-Club haben daher bereits Ideen und Standkonzepte entwickelt, wie es mit Abstand gehen könnte. „Aber wir brauchen die Rahmenbedingungen“, sagen Kipp und Robert Deichsel, der seit vier Jahrzehnten dabei ist und bei den Lions als „Glühwein-Ingenieur“ gilt.

Becher müssen bestellt werden

Lange hinauszögern können die „Löwen“ die Entscheidung nicht mehr: Sie müssen den Glühwein ordern, vor allem aber spätestens in zwei Wochen die Becher, in denen sie jedes Jahr ihr Heißgetränk servieren und die jedes Jahr anders aussehen. Geplant werden muss auch der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer am Glühweinstand: Bei 30 Tagen Weihnachtsmarkt müssen 400 Schichten à drei Stunden vergeben werden. „Alle warten schon darauf, sich in die Dienstpläne eintragen zu können“, sagt Deichsel.

Eines ist aber klar: „Dabei sein wollen wir auf jeden Fall“, sagt Kipp. An einen anderen Ort ausweichen können die Lions-Clubs allerdings nur schwer: Ihre Glühweintanks sind in einem nahegelegenen Haus untergebracht und durch eine unterirdische Leitung mit dem Stand verbunden.

Bangen um Spendengelder

Wichtig ist den Lions-Clubs ihr Glühweinstand vor allem, weil er viel Geld einspielt – Geld, das an den Verein Lionshilfe überwiesen wird. Der unterstützt damit eine Reihe sozialer und kultureller Projekte. „Die Schausteller bangen um ihre Existenz, wir um unsere Spenden, auf die andere angewiesen sind.“

Auch für Gottfried und Jürgen Pöschel steht noch nicht fest, ob sie in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt beschicken. Die Bielefelder Brüder verkaufen Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge: Geschnitzte Engel, Schmuck für den Weihnachtsbaum, Nussknacker oder Pyramiden. Sie haben ein kleines Souterrain-Ladengeschäft an der August-Bebel-Straße und beschicken seit vielen Jahren die Weihnachtsmärkte in Halle, Borgholzhausen und Werther, die jeweils an einem langen Wochenende stattfinden.

Verhalten Ware gekauft

„Wir haben schon im September im Erzgebirge bei den Schnitzern Ware eingekauft“, erzählen sie. Dabei waren sie viel zurückhaltender als in den Vorjahren. Denn auch wenn sie den Verkauf der Erzgebirgskunst nur als Hobby betreiben – beide haben in Bethel gearbeitet und sind bereits im Ruhestand – wollen sie nicht Ware für einige tausend Euro einlagern. „Man ist unsicher. Für viele kleine Aussteller lohnt es sich kaum, wenn sie viel Aufwand für womöglich nur einen Markt betreiben“, sagt Gottfried Pöschel. Die Brüder würden gerne ihren Stand aufschlagen – ob es gelingt, steht noch in den Sternen. „Das hängt auch von den Konzepten ab.“

Wie es gehen könnte, meint hingegen Peter Schneider, habe man bei den Freizeitparks der vergangenen Monate gesehen. „Das war zumindest eine Perspektive“, sagt der Chef von Imbissbetrieben. Sein Bratwurststand an der Hagenbruchstraße, im Schatten der Nicolaikirche, ist vom Bielefelder Weihnachtsmarkt kaum wegzudenken. „Es wird auf eine Umzäunung hinauslaufen, auf das Hinterlassen von Kontaktdaten etwa durch QR-Codes und eine Beschränkung der Besucherzahl“, denkt er. Schneider vermutet, dass er mehr Tische mit Abstand aufstellen wird. „Noch ist vieles unsicher, aber wir wären gerne dabei.“ Er setzt auf Gespräche mit Bielefeld Marketing und Treffen vor Ort, nach denen die Situation klarer wird. Probleme mit Lieferanten erwartet er nicht, die könnten rasch nachliefern.

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