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Das Ceciliengymnasium wird Pilotschule für die Digitalisierung

Tschüss, Kreidezeit!

Bielefeld (WB). Die 114 Fünftklässler, die nach den Sommerferien am Ceciliengymnasium beginnen, werden neben Heft, Füller und Schulbuch ein weiteres wichtiges Unterrichtsmittel nutzen: ein iPad.

Michael Schläger

Unterricht mit Beamer und Tablet: (von links) Sebastian Thiele, Dr. Julia Litz und Gregor Kaiser stellen das neue Konzept vor , das im Ceciliengymnasium nach den Sommerferien zunächst für die Fünftklässler eingeführt wird. Foto: Thomas F. Starke

Das Gymnasium ist von der Stadt als Pilotschule für die Digitalisierung ausgesucht worden. Der Schulausschuss bewilligte im Mai zusätzliche Mittel.

Mit Hilfe der handlichen Tablet-Computer sollen die Schülerinnen und Schüler künftig erfahren, welcher praktische Nutzen hinter einer vermeintlich drögen Mathe-Formel steckt. Die Jungen und Mädchen können nicht nur im Geschichtsbuch nachlesen, wie es in einer mittelalterlichen Stadt zuging, sondern dort auch gleich einen virtuellen Rundgang unternehmen. Aber auch Vokabeln können »digital« abgefragt werden. »Die Möglichkeiten sind riesig«, sagt Deutsch- und Geschichtslehrer Gregor Kaiser, der an der Konzeption mitgearbeitet hat.

»WLAN, Beamer und Apple-TV gehören dazu«

Sebastian Thiel, Lehrer für Mathematik und Informatik, kümmert sich um die technische Ausstattung. »WLAN, Beamer und Apple-TV gehören dazu«, erläutert er. Über die kleinen Apple-TV-Boxen können verschiedene Medieninhalte wiedergeben werden. Die stammen von einem schuleigenen Server, der vom gesamten Kollegium »gespeist« werden kann, oder kommen aus dem Internet.

»Auf Smartboards wollen wir künftig verzichten«, ergänzt Ceci-Chefin Dr. Julia Litz. Die interaktiven Tafeln, die noch bis vor kurzem der Inbegriff der Digitalisierung waren, sind ein bisschen zu schwerfällig für die neuen Anwendungen. Kurzdistanzbeamer in den Klassenräumen ersetzen Tafel und Kreide. Obwohl: Ganz verschwinden sollen auch diese guten alten, analogen Lehrmittel nicht.

»Wir wollen online sein. Aber mit Maß und Spaß«, betont Direktorin Litz. Die Kinder, die heute mit Smartphone und Tablet groß werden, nicht mehr Kinderstunde im Fernsehen, sondern Netflix-Serien im Netz schauen, sollen auch den verantwortungsvollen Umgang mit den Medien lernen.

Deshalb wird es für die neuen Fünftklässler bis zu den Herbstferien einen »Intensiv-Tag Tablet« geben, an dem grundsätzliche Funktionen und die Einsatzmöglichkeiten vorgestellt werden. Auch die Eltern werden in die Vorbereitung mit einbezogen.

Geld aus dem Landesprogramm »Gute Schule 2020«

Weil die Mittel aus dem Landesprogramm »Gute Schule 2020« nun doch nicht komplett für den Neubau der Gesamtschule Schildesche verwandt werden können, musste Geld umgeschichtet werden, und davon profitiert das Ceci. Es erhält rechtzeitig zum Schulstart nach den Ferien drei Klassensätze mit Tablet-Computern. Ein weiterer Klassensatz ist vorhanden. Es reicht also für alle.

»Mit der Finanzierung hatten wir Glück«, sagt Dr. Julia Litz. Bewusst habe man sich auch gegen das Prinzip »Bring your own device« entschieden. Hinter dem englischen Satz verbirgt sich, dass jeder sein eigenes Gerät mit in die Schule bringt und nutzt. »Wenn aber alle die gleiche Ausstattung haben, können auch alle nach den gleichen Standards arbeiten«, so die Schulleiterin. Im Unterricht haben die Lehrer die Möglichkeit über das Pädagogen-iPad zu kontrollieren, was die Schüler auf ihrem Gerät gerade anstellen. Viele Internetseiten bleiben zudem gesperrt.

Die leidige Leitungsfrage

Bleibt die leidige Leitungsfrage. Zwar betont Lehrer Thiel, dass Internetgeschwindigkeit nicht entscheidend sei, wenn viel Material auf dem hauseigenen Server zur Verfügung stehe. Aber flott im Internet unterwegs zu sein, erleichtert die Arbeit. Bisher verbot der Kontrahierungszwang – die Verpflichtung, nur mit bestimmten Partnern einen Vertrag abzuschließen – der Schule, auf das Breitbandnetz der Firma Unitymedia zurückzugreifen. Doch auch in diese Frage kommt offenbar Bewegung.

Generell liegt Bielefeld bei der Versorgung der Schulen mit schnellem Internet noch zurück. In Paderborn und Gütersloh ist man da schon weiter. An machen Bielefelder Schulen ist nicht mehr als ein kostenfreier Internetanschluss aus dem T@school-Programm der Telekom vorhanden. Die an den Hausanschlüssen der Schulen verfügbaren Bandbreiten variieren dabei zwischen mageren zwei und 16 Megabit je Sekunden.

Doch am Ceci wird zum neuen Schuljahr alles vorbereitet sein. Auf das Ende der »Kreidezeit«, wie sie Generationen von Schülern kannten, hat man sich eineinhalb Jahre vorbereitet. Und dafür Neues lernen mussten dort auch die Lehrer.

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