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Beschädigter ICE mit 400 Fahrgästen nach Gütersloh geschleppt – auch Güterzug fuhr in Unfallstelle – Lokführer verletzt

Unwetterschaden zwischen Bielefeld und Gütersloh: Strecke wieder frei

Bielefeld/Berlin/Düsseldorf (dpa/WB/HHS). Wegen eines Unwetterschadens auf der Strecke zwischen Bielefeld und Gütersloh war der Fernverkehr zwischen Berlin und Düsseldorf seit dem frühen Freitagmorgen bis Freitagmittag unterbrochen. Wie die Bahn gegen 13 Uhr auf Twitter mitteilte, sei die Strecke inzwischen wieder befahrbar.

Einsatz an der Bahnstrecke. Ein ICE mit 400 Fahrgästen war in der nacht in Bielefeld liegengeblieben. Foto: Hans-Werner Büscher

Auch der Regionalverkehr war betroffen, wie eine Bahnsprecherin sagte. Ein ICE mit etwa 400 Fahrgästen, der Richtung Ruhrgebiet unterwegs war, musste seine Fahrt auf der Strecke zwischen Gütersloh und Bielefeld im Bereich Bielefeld-Ummeln kurz vor Mitternacht unterbrechen und wurde erst am Freitagmorgen gegen 6 Uhr mit einer Diesellok abgeschleppt. Der ICE war ohne Strom. Die Fahrgäste mussten also stundenlang  in dem Zug ausharren.

Offenbar hatte ein Blitz eine Oberleitung beschädigt. Wie der Lokführer des ICE der Feuerwehr schilderte, sei sein zweiteiliger Zug mit 200 Stundenkilometern in den herabhängenden Fahrdraht der Oberleitung gerast. Der Draht habe sich um den Stromabnehmer der Lok gewickelt, die schließlich in Höhe der Bokelstraße zum Stehen gekommen sei. Nach Angaben des zweiten Feuerwehreinsatzleiters Gordon Majewski sei ein Güterzug ebenfalls in die Unfallstelle eingefahren. Die herabhängenden Drähte hätten die Frontscheibe beschädigt, der Lokführer erlitt durch die berstende Scheibe Schnittwunden.

Unklar ist, welcher Zug zuerst in die Unfallstelle gefahren war. Laut Bundespolizei fuhr zunächst der Güterzug in die Oberleitung und der ICE musste infolgedessen einen sogenannten Nothalt einlegen. Nach Angaben der Bielefelder Feuerwehr sei der ICE zuerst in die Oberleitung gerast.

Unabhängig davon bestand für die Feuerwehr folgendes Problem: Sind Teile der 15.000-Volt-Oberleitung auf den Wagen liegen geblieben? Und stehen diese womöglich unter Strom? In diesem Fall würde akute Lebensgefahr bestehen, sobald jemand den Zug verlässt.

Die Regeln bei der Bahn für solche Fälle seien klar, erläuterte der zweite Feuerwehr-Einsatzleiter Peter Dopheide: »Die Türen dürfen erst aufgemacht werden, wenn gesichert ist, dass keine Spannung auf dem Zug ist.« Angesichts der feuchtheißen Witterung befürchtete der Einsatzleiter, dass die Fahrgäste im ICE kollabieren könnten. Denn der Notstrom im Intercity-Express sorgt zwar für Licht, betreibt aber nicht die Lüftung. Deshalb sei eilig die Notfallmanagerin der Bahn, die inzwischen an dem Güterzug angekommen war, herbeigerufen worden, um den Zug zu prüfen.

Laut Dopheide könnten bis zu drei Stunden vergangenen sein, ehe die Türen geöffnet wurden. Eine Evakuierung des Zuges sei nicht in Frage gekommen, weil das Gelände im Bielefelder Süden nur schwer für Busse erreichbar gewesen wäre. Außerdem stellte die Bahn in Aussicht, dass der Zug grundsätzlich fahrbereit sei und von einer Diesellok in den nächsten Bahnhof geschoben werden könne.

Als die Feuerwehr gehen 4 Uhr ihren Einsatz schon für beendet erklären wollte, wies ein Bahnmitarbeiter daraufhin, dass keine Getränke mehr für die Fahrgäste vorhanden seien. Peter Dopheide: »Wir haben dann eine Kette gebildet und unseren Vorrat an Einsatzgetränken, etwa 20 Kisten Wasser, in den Zug geschafft.« Parallel dazu mussten auch die beiden Männer auf der Lok des Güterzuges ausharren, ehe sie das Okay zum Aussteigen erhielten und der leicht verletzte Lokführer ins Krankenhaus eingeliefert werden konnte. Insgesamt war die Feuerwehr angesichts der zunächst unklaren Lage mit 100 Einsatzkräften vor Ort.

»Leider können wir keinen Ersatzverkehr anbieten, da keine Busse zur Verfügung stehen«, schreibt die Bahn auf ihrer Internetseite. Dort werden Alternativen empfohlen. Der Fernverkehr wurde über Osnabrück umgeleitet.

Gegen 10 Uhr teilte die Bahn auf auf Twitter mit, dass die Strecke Richtung Hamm inzwischen wieder befahrbar sei, in Richtung Bielefeld Hauptbahnhof allerdings noch nicht. Auch die Eurobahn meldete: kein Zugverkehr zwischen Rheda-Wiedenbrück und Bielefeld bis 10 Uhr. Gegen 13 Uhr wurde die Strecke dann wieder freigegeben.

Auch die Strecke Hamburg-Hannover wurde voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auch hier wurde der Fernverkehr umgeleitet. Das bedeutet aber Verspätungen - das trifft viele Reisende ausgerechnet vor dem Wochenende. Der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Bremen rollt hingegen wieder. In Ostdeutschland sind viele Regionalstrecken betroffen.

Starke Unwetter in Deutschland hatten bereits am Donnerstag für Beeinträchtigungen auf zahlreichen Bahnstrecken gesorgt. Am Freitagmorgen war die Route zwischen Hamburg und Hannover weiterhin gesperrt. Auch im Raum Magdeburg kam es zunächst noch zu Einschränkungen.

Das Unwetter hatte am Donnerstag bereits Schäden im Kreis Höxter verursacht. Land unter hieß es etwa in Warburg-Worm. 

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