Das Deutsche Fächermuseum in Bielefeld hat die Corona-Zwangspause für Reparaturen und Zukäufe genutzt

Verlängerung für „Marie-Luises Lieblinge“

Bielefeld (WB)

Nur sieben Wochen konnten „Marie-Luises Lieblinge“ im Deutschen Fächermuseum der Barisch-Stiftung gezeigt werden. Dann kam der Lockdown. Weil Günter Barisch die Ausstellung besonders am Herzen liegt, da sie zum einen seiner vor zwei Jahren verstorbenen Frau gewidmet ist und er sie zudem so besonders gelungen findet, wird sie bis zum Jahresende verlängert. „Wir haben viele Anfragen von Menschen, die sie sehen möchten“, freut sich der 92-Jährige.

Sabine Schulze 

Maria Plet in der Werkstatt, die sich im Keller des Fächermuseums befindet. Hier wird aufwendig restauriert oder es werden kleine Reparaturen vorgenommen. Foto: Bernhard Pierel

Die Corona-bedingte Zwangspause für die Museen haben Günter Barisch und seine langjährige Mitarbeitern Maria Plet genutzt: für die Restaurierung einiger alter Schätze und auch für Zukäufe. Dazu gehört ein französischer Fächer aus dem Jahr 1870, gefertigt von der Fächermanufaktur Alexandre. Das Gestell aus vergoldetem Perlmutter sei eine wahre Meisterleistung, schwärmt Günter Barisch. Die feine Schnitzerei des so zerbrechlichen Perlmutters ist sogar noch hinterlegt mit hauchdünnen Muschelstücken, die zartblau oder -grün durchschimmern. Und begeistert ist er über einen Fächer, mit dem sich einst Kaiserin Eugénie, die Gattin von Napoleon III., Luft zugefächelt hat. Sogar zwei passende Kästen gibt es dazu.

Hinzugekauft hat Günter Barisch aber nicht nur Fächer: Er hat auch sein „Ersatzteillager“ aufgefüllt – eigentlich zu seinem eigenen Bedauern. Denn die Fächerbügel oder fein geschnitzten einzelnen Stäbe aus Elfenbein, die er für das Deutsche Fächermuseum in Bielefeld erstanden hat, kommen von einer Fächerfreundin in Paris: Anne Hoguet hat dort die Familientradition fortgeführt und eine Fächermanufaktur betrieben, die sie 1993 zum 100-jährigen Bestehen der Werkstatt um ein Museum erweitert hat. Der durch die Corona-Pandemie erzwungene Lockdown hat sie finanziell stark getroffen, ihr Museum steht vor dem Aus. „Bevor aber ihre Werkstatt mit all‘ den alten Ersatzteilen, die man ja heute überhaupt nicht mehr bekommt, verramscht wird, habe ich ihr einiges abgekauft.“

Immerhin kann er jetzt auf einen noch größeren Fundus von Ersatzteilen zurückgreifen, wenn kleine Reparaturen anfallen, wenn ein Fächerbügel fehlt oder ein filigraner Stab ersetzt werden muss. Diese Arbeiten werden im Allerheiligsten, in der Werkstatt erledigt. Froh ist er darüber, dass auch Maria Plet ein ruhiges Händchen und das nötige Geschick hat. Allerdings, sind sich beide einig, gibt es Grenzen. „Fächerblätter aus Seide etwa kann man nicht reparieren, wenn sie zerschlissen sind; das wird man immer sehen.“

Und ein Loch oder Riss in Klöppelspitze – denn auch daraus bestehen Fächer – ist auch eine Herausforderung oder ein wirklich teures Vergnügen. So mancher Fächer ist auch schon reparaturbedürftig, wenn Günter Barisch ihn ersteht. „Fächer waren die Degen der Dame. Einem aufdringlichen Verehrer konnte damit eins gewischt werden – und dabei konnte ein Fächer schon einmal kaputtgehen.“ Nun, auch das gehört zu den Geschichten um Fächer.

Ohnehin: Die Geschichten „dahinter“ sind Günter Barisch die allerliebsten. In der Vitrine mit den „Lieblingen“ seiner verstorbenen Frau etwa sind auffällig viele Fächer mit Tiermotiven: „Sissis Mutter Ludovica von Bayern liebte Hunde, die Kaiserin hat diese Fächer deswegen für sie in Wien malen lassen.“

Und ein wahres Ereignis erzählt der „Giraffen-Fächer“, 1825 in Frankreich gefertigt. Kurz zuvor hatte der ägyptische König Ali Pascha dem französischen König eine Giraffe geschenkt. „Mit dem Schiff wurde das Tier von Kairo nach Marseille gebracht und von dort über Land nach Paris geführt“, erzählt Günter Barisch. Dort angekommen, säumten 60.000 Pariser die Straßen, um zu erleben, wie das Tier in die Menagerie des Jardin des Plantes gebracht wurde. „Das löste eine wahre Giraffenmode aus.“

Für den Opern- und Operettenfreund Barisch ist die Vitrine mit dem Titel „Wir machen Musik“ die Schönste: Dort finden sich Fächer, die Mozart am Flügel oder Chopin am Klavier, umringt von Desmoiselles zeigen, es gibt eine Ballszene und Fächer mit Noten. Aber eben nicht nur das: Dazu arrangiert ist die entzückende Meißener Affenkapelle, sind Operngläser, Handschuhe, Sträußchen-Halter oder fächerförmige „Carnet de Bals“ aus Elfenbein, auf denen die Damen notierten, welchem Herrn sie welchen Tanz versprochen hatten. „Das Beiwerk hilft, die Zeit zu verstehen“, sagt Günter Barisch.

Auch das Deutsche Fächermuseum, Am Bach, öffnet am 17. März wieder seine Türen: mittwochs und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr.

Das Museum

Fächer aus fünf Jahrhunderten zeigt das Deutsche Fächermuseum, das im vergangenen November 25 Jahre alt wurde. Gegründet wurde es von dem Sammlerehepaar Marie-Luise und Günter Barisch, das mit Enthusiasmus und Expertise Fächer aus aller Welt zusammengetragen hat. Nur in London und (noch) in Paris gibt es zwei weitere Fächermuseen. Getragen wird das Bielefelder Museum von der Barisch-Stiftung.

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