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Digitalisierung und Verkehrswende als teure Herausforderungen

Verluste bei Mobiel und Bitel belasten Stadtwerke

Bielefeld  (WB). Digitalisierung und Verkehrswende sind die beiden Zukunftsthemen der Stadt. Für die Stadtwerke und deren Töchter, die maßgeblich an deren Umsetzung beteiligt sind, wird die Sache aber immer teurer. Die Verluste bei den Verkehrsbetrieben Mobiel steigen schneller als erwartet. Und auch die Telekommunikationstochter Bitel ist aktuell ins Minus abgerutscht.

Michael Schläger

Investitionen wie die in neue Vamos-Stadtbahnwagen belasten die Mobiel-Bilanz. Foto: Thomas F. Starke

Die Bielefelder Verkehrsbetriebe Mobiel werden nach Informationen dieser Zeit in diesem Jahr deutlich höhere Verluste einfahren als geplant. 2018 lag das Minus bei 22,1 Millionen Euro. Inzwischen wird intern mit bis zu fünf Millionen zusätzlich für 2019 kalkuliert.

Gründe für die Verschlechterung seien stagnierende Fahrgastzahlen, teure Baumaßnahmen und neue Angebote wie On-Demand-Verkehre oder der Leih-Elektroroller Alma, heißt es. Allein der Schienersatzverkehr auf der Linie 3 im Baustellenbereich August-Bebel-/Oelmühlen­straße soll mit fast drei Millionen Euro zu Buche geschlagen haben. Dort wird die Stadtbahn ab Samstag wieder regulär verkehren.

Im vergangenen Jahr konnten die Verluste der Verkehrsbetriebe noch komplett von den Stadtwerken aufgefangen werden. Ab 2021 wird sich erstmals die Stadt Bielefeld am Verlustausgleich beteiligen müssen. Das hatte Martin Uekmann, Stadtwerke- und Mobiel-Geschäftsführer in Personalunion, bereits im Sommer angekündigt.

Weitere Aufgaben für Mobiel

Dabei soll Mobiel künftig weitere Aufgaben übernehmen. Dazu gehört der Betrieb des geplanten Fahrradparkhauses unter dem Jahnplatz , das jetzt in einer abgespeckten Version rund 1000 Plätze umfassen soll. Die Stadt rechnet dafür aktuell mit Verlusten von 900.000 Euro im Jahr. Am Hauptbahnhof ist ein weiteres Fahrradparkhaus mit noch deutlich mehr Plätzen geplant. Auch hier wird, wie schon bisher bei der dortigen Radstation in der früheren Hauptpost, Mobiel der Betreiber sein. Geplant sind ein Fahrradverleihsystem und neue Buslinien im Zuge des neuen Nahverkehrsplans.

Der Breitbandausbau und die Lage der Telekommunikationstochter Bitel waren am Donnerstag Thema im Hauptausschuss des Rates. 90 Millionen Euro stecken die Stadtwerke in den Ausbau des Glasfasernetzes in Bielefeld. In der Mittelfrist-Planung bis 2024 rechnen Stadtwerke und Bitel im Breitbandgeschäft aber nur mit einem mageren positiven Jahresergebnis von 2,63 Millionen Euro. „Wir müssen von extrem langen Zeiträumen ausgehen, bis sich die Netze amortisieren“, so Stadtwerke-Chef Uekmann.

Bitel braucht mehr Kunden

Viele ans Glasfasernetz angeschlossene Kunden blieben auch zunächst bei ihren alten Anbietern, weil deren Angebote, was Netzgeschwindigkeit und Nutzbarkeit angingen, zurzeit noch ausreichten, erläuterte die neue Bitel-Geschäftsführerin Sarah Leffers . Im ersten Ausbaugebiet Sudbrack hätten nur 19 Prozent der kostenlos angeschlossenen Haushalte auch Verträge mit der Bitel geschlossen. Im aktuellen Ausbaugebiet Altenhagen sei der Hausanschluss an einen Nutzungsvertrag gekoppelt. Dort sei die Quote mit 46 Prozent höher.

Gleichwohl wird die Bitel im laufenden Jahr statt einem Millionengewinn ein Minus von 2,8 Millionen einfahren. Nicht nur wegen des mauen Breitbandgeschäftes, sondern auch weil Großkunden abgesprungen sind. Das Bestandsgeschäft stagniere, gleichzeitig habe für den Abrechnungsbereich neues Personal eingestellt werden müssen, so Leffers.

Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) gab sich in der Sitzung dennoch optimistisch: „Wir können froh sein, einen starken Dienstleister wie die Stadtwerke für die anstehenden Aufgaben zu haben.“ Dank der Rückzahlungen aus der Brennelementesteuer habe dessen Kapitaldecke mit 100 Millionen Euro für die notwendigen Investitionen deutlich aufgestockt werden können.

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