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88-jährige, demente Seniorin aus Bielefeld vergewaltigt: Altenpfleger (35) muss drei Jahre ins Gefängnis

„Vertrauensmissbrauch schlimmster Art“

Bielefeld

Zu drei Jahren Gefängnis ist am Donnerstag ein 35-jähriger Altenpfleger von der 4. Großen Strafkammer des Landgerichtes Bielefeld verurteilt worden. Der Mann, der für eine namhafte mobile Seniorenhilfe-Einrichtung tätig war, hatte im April 2020 eine 88 Jahre alte, demenzkranke Frau in ihrer Wohnung im Bett vergewaltigt.

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Wegen Vergewaltigung einer 88-Jährigen ist ein Altenpfleger (35) aus Bielefeld verurteilt worden. Foto: Thomas F. Starke

Was den Bielefelder dazu angetrieben hat, konnte im Prozess nicht geklärt werden. Dass Vorsitzender Richter Carsten Glashörster und seine Kollegen trotzdem ein verhältnismäßig mildes Urteil sprachen, lag vor allem daran, dass der zunehmend von Gewissensbissen geplagte Altenpfleger sich zuerst selbst angezeigt hatte und später ein Geständnis ablegte – das WESTFALEN-BLATT berichtete . So blieb der Seniorin die Befragung erspart.

„Dieser Fall ist einzigartig, weil wir nur deshalb hier sitzen, weil mein Mandant den Vorfall angezeigt hat“, sagte Strafverteidiger Carsten Ernst. Sein Mandant, der bereits seit neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt, sei inzwischen so beschämt, dass er dazu bereit sei, seine Freiheit aufzugeben. Ernst plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Staatsanwältin Sabrina Bock hatte zuvor drei Jahre und drei Monate gefordert. Sie sprach von einem „Macht- und Vertrauensmissbrauch der allerschlimmsten Art“ – nicht nur der Seniorin, sondern auch deren Angehörigen gegenüber, die ihre Verwandte bei dem Pfleger in guten Händen glaubten.

Die Staatsanwältin hielt dem Täter zugute, dass er sich schon lange vor der Tat in einer psychischen Ausnahmesituation befand und anschließend seine Anstellung und seine Freundin verlor. Er müsse sein Leben jetzt ganz neu ordnen. Nebenklägerin Heidi Saarmann, die die Seniorin vertrat, forderte wegen der Tat, die „in ihrer Abscheulichkeit kaum zu überbieten“ sei, ein Berufsverbot.

Die Richter legten sich auf eine dreijährige Freiheitsstrafe ohne Berufsverbot fest. Sie gehen nicht davon aus, dass der Mann unter einer „sexuellen Abartigkeit leidet. Abschließend sagte der Täter zum Sohn des Opfers, der das Urteil miterlebte: „Ich bitte Sie um Verzeihung, und ich hoffe, dass es Ihrer Mutter wieder gut geht. Ich will mich nach der Haft in Therapie begeben.“

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