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Initiative »Bürger für Ummeln« will Straße verhindern und hofft auf ein Zeichen der Stadt

»Verzichtet auf den Bau der B61n!«

Bielefeld (WB). Es geht um eine große, noch ungebaute Straße und um die Frage der Trinkwasserqualität. Und damit geht es um die Menschen in Ummeln. Viele von ihnen sorgen sich um die Zukunft ihres Ortsteils und wie diese sich unter dem Einfluss der geplanten B61n verändern könnte. 14 Parteien gehen gerichtlich gegen das Straßenbauprojekt vor. Die Initiative »Bürger für Ummeln« warnt seit Jahren vor dessen möglichen Folgen.

Markus Poch

Suchen nach alternativen Verkehrskonzepten für ihre Heimat (von links): Gabriela Bastert (65, Rentnerin), Sylke Partanen (59, Bankkauffrau) und Jürgen Hartmann (63, Gartenbau-Ingenieur) vom Vorstand der Initiative »Bürger für Ummeln«. Foto: Markus Poch

»Wir haben bereits die B61 und die Brockhagener Straße«, sagt Vorstandsmitglied Sylke Partanen. »Wir brauchen keine dritte Straße wie die B61n, die mehr Autos parallel durch Ummeln führt. Was wir hier brauchen, ist eine bessere Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).«

Seit 2003 kämpft die Initiative gegen die Straßenbaupläne in Ummeln. Sie sieht sich aber nicht als Straßenverhinderer, sondern als Verein, der nach Alternativen sucht. 75 betroffene Familien haben sich zusammengeschlossen, um sich in dieser Absicht gegenseitig zu helfen – darunter alle Klägerparteien. Im Prozess gegen die Bezirksregierung Detmold als Planfeststellungsbehörde haben sie bislang insgesamt 120.000 Euro an Anwaltskosten aufgewendet. Die Ummelner Bürger meinen es also ernst, und sie haben offensichtlich auch Argumente.

Urteil im Februar 2020

Denn nicht ohne Grund verwies das Bundesverwaltungsgericht Leipzig, sonst gleichzeitig erste und letzte Instanz, das Verfahren zur Prüfung an den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Wie berichtet, soll dieser den Fall durchleuchten und den Richtern in Leipzig eine Empfehlung aussprechen. Mit dem Leipziger Urteil wird für Mitte Februar 2020 gerechnet.

Neben Fragen der Enteignung und der Lärmbelästigung geht es dabei laut Jürgen Hartmann, Kläger und Vorsitzender der Bürgerinitiative, vor allem um mögliche Verstöße gegen die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Das bedeutet: Ummelner Bürger fürchten sich vor Überschwemmungen und einer Verunreinigung ihres Trinkwassers. Nach Berechnungen der Initiative bedroht die später 3,7 Kilometer lange Baustelle entlang der Bahnlinie den privaten Wasserverband Kralheide, aus dem unter vielen anderen Anwohnern die drei Vorstandsmitglieder Jürgen Hartmann, Sylke Partanen und Gabriela Bastert ihr Trinkwasser beziehen. »Ummeln gehört auch zur Stadt Bielefeld und wird hier ganz vergessen«, moniert Sylke Partanen.

»Fühlen uns abgeklemmt«

Dasselbe Gefühl beschleicht sie auch dann, wenn sie den neuen Verkehrswegeplan der Stadt Bielefeld betrachtet: »Für den Brackweder Süden wird nichts getan«, sagt sie: »Kein Stadtbahnanschluss, keine bessere Taktung unserer Buslinien – wir fühlen uns hier abgeklemmt. Sollen alle Ummelner weiterhin mit dem Auto fahren?« Gerade vor dem Hintergrund, dass der Rat der Stadt erst im Frühjahr 2019 die Verkehrswende beschlossen hat, um den Pkw-Verkehr bis zum Jahre 2030 von jetzt 51 auf dann nur noch 25 Prozent zu reduzieren, wirke der Verkehrswegeplan wie ein schlechter Scherz.

»Wenn Ihr etwas für die Verkehrswende tun wollt, dann verzichtet auf den Bau der B61n und stärkt den ÖPNV nach Ummeln«, fordert Sylke Partanen von der Politik. »Von wegen Verkehrswende!«, sagt Jürgen Hartmann. »Wie kann man eine so große Straße wie die B61n planen, wenn man gleichzeitig weniger Autos in der Stadt haben will? Was soll das Gerede von der Verkehrswende? Wer in Bielefeld davon redet, der spricht nicht die Wahrheit.«

Der kritische Blick der Bürgerinitiative richtet sich außerdem auf einen möglichen vierspurigen Ausbau der B61 zwischen Ummeln und Gütersloh und die Frage, ob dafür die fast 500 alten Alleebäume gefällt werden müssen. »Wenn die B61n nicht gebaut wird, dann muss auch die B61 nicht verbreitert werden«, argumentiert Jürgen Hartmann. »Wir laufen hier sehenden Auges in eine Katastrophe. Was man da an alten Bäumen wegmachen will, das kann man gar nicht mehr ersetzen. Warum erhalten wir nicht die Bäume, bringen weniger Verkehr nach Bielefeld, bauen statt dessen lieber Radwege und reaktivieren den Ummelner Bahnhof?«

Auch Bürgernähe dagegen

Gegen den Bau der B61n hatte sich unlängst auch die Wählergemeinschaft Bürgernähe ausgesprochen, gegen die Verbreiterung der B61 waren es die Initiative Radentscheid und Friedrich Straet­manns (MdB, Die Linke).

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