Prozess gegen vier 21-jährige Bielefelder: Junge Frau für 5000 Euro verkauft?

Verzweifelte Prostituierte stürzt sich aus dem Fenster

Bielefeld (WB)

Vier 21-Jährige aus Bielefeld müssen sich seit Mittwoch vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Sie sollen eine Bielefelderin (27) zur Prostitution gezwungen, die Frau erpresst, ausgebeutet, verkauft und schwer misshandelt haben.

Volker Zeiger

Zwei der vier Angeklagten mit ihren Verteidigern Sven Karsten und Dr. Detlev Binder (von links) im Landgericht. Foto: Bernhard Pierel

Die Anklage gegen das Quartett lautet auf Freiheitsberaubung, erpresserischen Menschenraub, Menschenhandel, Zwangsprostitution und gefährliche Körperverletzung. Einer der Männer wolle ein umfassendes Geständnis ablegen, hieß es zum Auftakt. Das mutmaßliche Opfer tritt im Prozess als Nebenklägerin gegen die Angeklagten auf.

Der bislang auf fünf Verhandlungstage angesetzte Prozess findet vor der 4. Großen Strafkammer (Jugendkammer) unter Vorsitz von Richter Carsten Glashörster statt. Die Angeklagten – alle vier sind Deutsche mit Migrationshintergrund – sollen ihre Taten als Heranwachsende zwischen Juli 2019 und Mitte März vergangenen Jahres begangen haben. Damit können sie nach dem im Vergleich zum Erwachsenenstrafrecht milderen Jugendstrafrecht verurteilt werden, bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht.

Staatsanwältin Kim Beatrix Simon verlas zum Prozessauftakt die umfangreiche Anklageschrift, wonach die Bielefelder Serbest A. und Faik X. die 27-Jährige mit Drohungen zur Prostitution gezwungen haben sollen. Außerdem sollen sie die Frau ausgebeutet haben. Es soll sich im Zeitraum zwischen Juli 2019 und Februar 2020 um mindestens 20.000 Euro Prostitutionserlöse gehandelt haben, die die Frau den Männern abgegeben musste.

Später soll Serbest A. mit dem Angeklagten Mehmet O. laut Staatsanwaltschaft die junge Bielefelderin für 5000 Euro an den Angeklagten Emir Ö. verkauft haben. Weil die Frau sich nicht weiter prostituieren wollte, sollen die Angeklagten Ö. und O. die Bielefelderin mit einer Pistole bedroht und entführt haben. Die Frau wurde zusammengeschlagen, ausgeraubt, in ihre Wohnung gebracht und dort eingesperrt. Einen Tag später kamen O und Ö. erneut zu der Frau, setzten sie unter Druck und schlossen sie wieder ein.

Aus Verzweiflung, so die Anklageschrift, sprang die Frau, als die Männer weg waren, in der Bielefelder Innenstadt aus einem Fenster ihrer Wohnung im zweiten Stockwerk. Die 27-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt und überlebte nur dank schneller ärztlicher Hilfe.

Der Angeklagte O. soll, wie sein Verteidiger Florian Calow sagte, ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Der Beschuldigte A. wolle zunächst schweigen, sagte sein Anwalt Sven Karsten. Zum Angeklagten Ö. gab Rechtsanwalt Dr. Detlev Binder an, dass er zumindest Angaben zu seiner Person machen wolle.

Der Prozess wird am 26. Mai um 9 Uhr vor der 4. Großen Strafkammer in Bielefeld fortgesetzt.

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