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Oberbürgermeister Pit Clausen stellt sich den Sorgen der Brackweder Bürger

Viele Fragen bleiben unbeantwortet

Brackwede (WB). Dass die Bestuhlung nicht ausreicht, kommt nur selten vor im Sitzungssaal des Brackweder Bezirksamtes. Der Besuch des Oberbürgermeisters war jetzt solch ein Anlass: Mehr als 150 Brackweder Bürger wollten mit Pit Clausen über Ihre Sorgen im Stadtbezirk diskutieren. Viele Teilnehmer mussten das im Stehen tun.

Markus Poch

Selten so gut gefüllt wie beim Besuch des Oberbürgermeisters: Im Sitzungssaal des Brackweder Bezirksamtes erlebten mehr als 150 Bürger die Diskussion mit Pit Clausen zu aktuellen Themen im Stadtbezirk. Foto: Markus Poch

Wenig überraschend beherrschten zumeist diejenigen Themen den Abend, die die Menschen in Brackwede seit Jahren schon beunruhigen: die geplante Sanierung der Hauptstraße, die pöbelnde Trinkerszene vom Treppenplatz sowie das Paket »Optik und Ausstattung von Bahnhof und Fernbusbahnhof«.

Hauptstraße: Umbaupläne schüren Existenzängste

Zu den Umbauplänen für die Hauptstraße hatte Karl-Uwe Eggert, Chef der Werbe- und Interessengemeinschaft, einmal mehr Bedenken bis hin zu Existenzängste mancher Kaufleute und Anwohner vorgetragen. Clausen sicherte zu, sein Bestes für eine kurze Bauzeit geben zu wollen und die Einkaufsmeile während der Bauarbeiten möglichst einspurig befahrbar zu halten.

Die rechtliche Vorgabe der Barrierefreiheit zwinge die Stadt Bielefeld jedoch zum Handeln. Deshalb käme man an einer großen Baumaßnahme nicht vorbei, sagte Clausen. Eggerts Behauptung, der OB kümmere sich ausschließlich um die Stadtmitte, und Brackwede stehe immer hinten an, ließ er unkommentiert.

»Wir tun so viel wie nie zuvor, um gegen Regelverstöße vorzugehen«, sagte der 56-jährige SPD-Politiker zum Thema Treppenplatz und dem Vorwurf, die Wohnqualität habe sich dort deutlich verschlechtert. »Wir können nicht 24 Stunden vor Ort sein. Die Situation am Treppenplatz hat sich verbessert, ist aber noch nicht gut.« Die geforderte Video-Überwachung sei dort nicht möglich, weil der Ort im Sinne des Polizeigesetzes keinen Kriminalitätsschwerpunkt darstelle.

Zu den geplanten Baumaßnahmen am Brackweder Bahnhof und den daraus resultierenden vorübergehenden Umwegen für Radfahrer und Fußgänger aus Quelle verwies Clausen an die Deutsche Bahn. Zu der mehr als dürftigen Ausstattung des Fernbusbahnhofs sagte er, er sehe dort auch die kommerziellen Betreiber in der Verantwortung.

Lkw-Verkehr: OB verspricht schnelles Eingreifen

Schnelles Eingreifen versprach der Oberbürgermeister nach einer Anfrage aus Brackwede: An Rembrandtstraße, Böckstiegelstraße und Am langen Grund leiden viele Familien offensichtlich unter dem Lkw-Verkehr des Gastronomie-Zulieferers Topraks. Bauamt und Amt für Verkehr seien bereits involviert, richtete Clausen aus. Das Bauamt sei im genannten Bereich bereit zu Kontrollen.

Überrascht von der Reaktion des Oberbürgermeister auf sein mündliches Anliegen reagierte Axel Hanneforth: Der Queller kämpft im Sinne seiner Eltern bereits seit eineinhalb Jahren um die Verlagerung einiger Altglascontainer an der Kupferstraße. Trotz seiner andauernden Proteste und zweier positiver Beschlüsse der Brackweder Bezirksvertretung stehen die Container weiterhin direkt vor dem Haus der Senioren, obwohl der Lärm der Glasentsorgung vor allem für Hanneforths Vater (78) eine außerordentliche gesundheitliche Belastung darstellt. Clausen kannte diesen Vorgang offenbar nicht. Dabei hatte Axel Hanneforth ihn im April 2018 persönlich angeschrieben und um Hilfe gebeten – ohne Erfolg. Bei der Versammlung sagte Clausen, er halte die Standortwahl der Container für unglücklich und werde die Sachlage prüfen.

Diskussionsabend löst Aktivität im OB-Büro aus

Zur Freude des Oberbürgermeisters wurde offen und diszipliniert diskutiert, emotional aber nicht unfair. »Die lebhafte Beteiligung hat mir vor Augen geführt, wo im Bezirk der Schuh drückt. Die Themen sind bekannt, das Ausmaß haben mir die Brackweder aufgezeigt. Der Dialog endet daher nicht mit dem Löschen der Saallichter. Anregungen und Aufträge nehme ich mit.«

Laut Maik Maschmeier, Referent des Oberbürgermeisters, hat der Diskussionsabend in Brackwede »durchaus Aktivität« im Chefbüro ausgelöst. Etliche themenbezogene E-Mails seien bei ihm eingetroffen, einige sogar schon beantwortet worden.

Clausens Besuch wurde aber auch kritisch beäugt, vor allem von den Bezirkspolitikern, die zu Beginn einen Maulkorb verpasst bekommen hatten, damit der »normale Bürger« besser zu Wort kommt. »Ich bin von seinem Auftritt enttäuscht«, sagte Vincenzo Copertino (CDU). »Clausen hat lang und trotzdem ausweichend geantwortet. Er ist nie konkret geworden und hat vieles schön geredet. Viele Hände blieben oben, viele Fragen unbeantwortet. Das grenzte schon an Selbstbeweihräucherung.«

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