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Jede zweite BKK in OWL erhöht Zusatzbeitrag – AOK Nordwest hält Satz stabil

Viele Krankenversicherte müssen 2020 mehr zahlen

Bielefeld (WB). Hunderttausende Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen in OWL müssen im kommenden Jahr mehr zahlen. Allein die Hälfte der acht in der Region ansässigen Betriebskrankenkassen mit zusammen 500.000 Versicherten erhöht den individuellen Zusatzbeitragssatz. Das Bundesgesundheitsministerium erwartet deutschlandweit im Schnitt einen rechnerischen Anstieg von 0,9 auf 1,1 Prozent.

Oliver Horst

Hunderttausende Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen in OWL müssen im kommenden Jahr mehr zahlen. Stabil bleibt der Zusatzbeitrag unter anderem bei der AOK Nordwest, der DAK und der Barmer. Foto: Jens Kalaene/dpa

Ein Versicherter mit 3500 Euro Monatslohn müsste damit auf Jahressicht 42 Euro mehr zahlen. Die gleiche Zusatzbelastung käme auf den Arbeitgeber zu. Bislang ist bundesweit keine Kasse bekannt, die 2020 ihren Beitragssatz senkt.

Die AOK Nordwest mit 2,2 Millionen Versicherten in Westfalen-Lippe hält ihren Zusatzbeitrag stabil bei 0,9 Prozent. Auch Ersatzkassen wie Barmer (1,1 Prozent) und DAK (1,5) oder die Innungskrankenkasse IKK Classic (1,0) lassen den kassenindividuellen Beitragssatz unverändert. Die Techniker-Krankenkasse (0,7 Prozent) will am 20. Dezember über die künftige Höhe des Zusatzbeitrags entscheiden.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen Gesamtkosten

Hinzu kommt stets der per Gesetz festgelegte Beitrag von derzeit 14,6 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Gesamtkosten seit Anfang 2019 wieder zu gleichen Teilen. Zuvor zahlten die Versicherten den Zusatzbeitrag alleine.

Die stärkste Erhöhung der Kassen in OWL hat die BKK Herford-Minden-Ravensberg mit einem Anstieg von 1,0 auf 1,35 Prozent beschlossen. Die BKK Dürkopp-Adler plant mit 1,2 statt 1,0 Prozent. Die Bertelsmann BKK erhöht ihren Satz von 1,1 auf 1,25 Prozent, die BKK Gildemeister-Seidensticker von 1,1 auf 1,2 Prozent.

Derweil halten die Heimat Krankenkasse (früher BKK Oetker) und die BKK Diakonie ihren Zusatzbeitrag stabil bei 1,1 Prozent, die BKK Melitta bei 0,9 Prozent und die nur für Mitarbeiter geöffnete BKK Miele bei 1,0 Prozent. Die freiwilligen Zusatzleistungen bleiben bei den meisten Kassen unverändert. Einige bauen sie noch aus.

„massiver Kostenauftrieb“ durch neue Gesetze

Thomas Johannwille, Vorstand der Bertelsmann BKK und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der OWL-Betriebskrankenkassen, spricht von einem „massiven Kostenauftrieb durch neue Gesetze und höhere Arzneimittelausgaben. Es gibt bundesweit wohl keine Kasse, die dieses Jahr ohne Verlust abschließt.“ Die Kosten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) seien mit im Schnitt fünf Prozent doppelt so stark gestiegen wie die Einnahmen. Das lasse auch die Rücklagen schmelzen.

Johannwille erwartet bei weiteren Kassen Beitragserhöhungen im Laufe des kommenden Jahres. Auch für die Zukunft zeige der Trend in diese Richtung. Der GKV-Spitzenverband spricht von „vielen teuren Reformen der Großen Koalition, deren Kosten die GKV und damit die Beitragszahler tragen“.

Entlastung für die Betriebskrankenkassen durch eine „gerechtere Finanzverteilung“ zwischen den einzelnen Kassenarten letztlich zulasten der AOK-Kassen erhofft sich Johannwille vom Jahr 2021 an. Dann soll das im Entwurf vorliegende  „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ in Kraft treten. Die Betriebskrankenkassen, Ersatz- sowie Innungskrankenkassen kritisieren seit Jahren eine finanzielle Benachteiligung im Risikostrukturausgleich zugunsten der AOK-Kassen. Dies führe zu einer Wettbewerbsverzerrung bei den Beitragssätzen.

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